Mission: Terror

10. Januar 2010, 15:00 Uhr   Bookmark and Share

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Nur wenige Produkte der Unterhaltungsindustrie haben in so kurzer Zeit so viel Geld eingespielt wie der Ego-Shooter „Call of Duty: Modern Warfare 2“. Innerhalb von lediglich 5 Tagen spülte es bereits 550 Mio. Dollar in die Kassen des Spieleherstellers Activision und stellte damit die Starts von Kinoblockbuster wie „The Dark Knight“ oder „Harry Potter und der Halbblutprinz“ in den Schatten. Doch neben dem enormen kommerziellen Erfolg sorgt vor allem eine höchst umstrittene Spielsequenz für Zündstoff.

Öffentlichkeit, Medien und die Wissenschaft interessieren sich seit Jahren dafür, welche Zusammenhänge es zwischen Gewalttaten wie denen in Erfurt oder Winnenden und Videospielen gibt. Sollte sich eine derart schreckliche Tat in Zukunft wiederholen, wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch über das Kriegsspiel „Call of Duty: Modern Warfare 2“ geredet werden.

Das Spiel handelt von einem von Terroristen eingefädelten Krieg zwischen den USA und Russland, in dem der Spieler in verschiedenen Rollen die russischen Invasoren und die verantwortlichen Terroristen bekämpft. Inszeniert wird das Ganze im Stile eines Hollywood-Blockbusters. Spektakuläre Szenen und Bilder scheinen wichtiger als die Handlung.

In einer der Missionen spielt man einen Undercover-Agenten, der das Vertrauen des Terroristenführers Vladimir Makarov erwerben will. Eindringlich wird der Spieler vor der Mission darauf hingewiesen, wie wichtig der Erfolg seines Tuns sei und welche Opfer gebracht wurden, damit er die Chance hat, Seite an Seite mit Makarov zu kämpfen.

Was dann folgt, lässt wohl selbst die hartgesottensten Gemüter zusammenzucken. Als Teil eines vierköpfigen Teams steigt der Spieler aus einem Fahrstuhl am Moskauer Flughafen und muss nun minutenlang mit ansehen, wie Dutzende hilflose Zivilisten von seinen Begleitern erschossen werden. Hierbei wurde die deutsche Version dahingehend entschärft, dass der Spieler selbst keine Zivilisten erschießen darf, da sonst die Mission verloren ist. Die Möglichkeit als Terrorist die heraneilenden Sicherheitskräfte zu attackieren ist jedoch immer noch vorhanden und in einem anderen Spielmodus ist es auch weiterhin möglich, in einer Mission Zivilisten zu töten.

Zwar weist das Spiel nach dem ersten Start darauf hin, dass es eine Mission mit besonders gewalttätigen Inhalten gibt und diese auf Wunsch übersprungen werden kann. Im Grunde genommen macht diese Frage die Szene wohl nur noch interessanter.

Das Spiel ist hierzulande erst ab 18 Jahren freigegeben, doch insbesondere bei solch populären Titeln, wie den Spielen aus der GTA‑ oder Call-of-Duty-Reihe, ist es nicht unüblich, dass auch Minderjährige auf dem ein oder anderen Weg an das Produkt gelangen. Der Öffentlichkeit geht es in der Diskussion insbesondere um zwei Punkte: Ist die Szene pure Provokation und was wäre, wenn sie nicht in einem Spiel sondern beispielsweise in einem Film zu sehen wäre?

„Die Szene zeigt den Grad der Bosheit und Kaltblütigkeit eines russischen Bösewichts und seiner Einheit. Indem wir dies zeigen, erhöhen wir den Druck auf den Spieler, ihn in den anderen Missionen zu stoppen“, so der Vertrieb Activision in einer Stellungnahme zu der fraglichen Spielsequenz. Das Spiel sei „ein Fantasy-Actionspiel, dessen Spielinhalte intensiv, realistisch und an reale Konflikte angelehnt sind – ganz so, wie bei epischen Actionfilmen auch“. Dass die Szene neben ihrer scheinbaren Notwendigkeit für die Dramaturgie auch für erhebliche Aufmerksamkeit seitens der Öffentlichkeit gesorgt hat, dürfte Activision allerdings auch nicht unrecht sein.

Eine zweite Frage beschäftigt insbesondere die Spieler, von denen viele zustimmen, dass die Szene unnötig brutal ist. Es ist ihnen jedoch unverständlich, warum es bei der Szene eine derartig große Diskussion gibt, da dasselbe in einem Film wohl nur wenige gestört hätte. Dazu ist anzumerken, dass Spiele nun mal hochgradig interaktive Medien sind und insbesondere Titel wie Modern Warfare 2 mit aller Macht versuchen, dem Spieler zu vermitteln, dass er selbst Teil dieser virtuellen Welt ist.

Abschließend bleibt zu sagen, dass „Call of Duty: Modern Warfare 2“ so eindeutig wie wenig andere Titel nicht für Minderjährige geeignet ist und selbst bei Erwachsenen dürfte er zumindest ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen.

Daniel Toth

Bildquelle: © 2009 Infinity Ward, Inc. All Rights Reserved.

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Leserkommentare - Diskutieren Sie mit!

Ein Kommentar zum Artikel “Mission: Terror”

  1. Sebi am 28. Juli 2010 19:30

    Es tut mir leid, dass sagen zu müssen, dass mir dieser Artikel eher weniger gefällt.
    Ich spiele selbst Videospiele und besitze alle Spielkonsolen, die im Augenblick auf dem Markt sind (außer die Wii). Zudem leite ich die Redaktion eines Spielemagazins.

    „Call of Duty: Modern Warfare 2“ ist ein Meilenstein im Ego-Shooter Genre. Natürlich hätte man die vermeindlich brutale Flughafen-Mission weglassen können, doch sie ist ein entscheidender Handelsträger und macht dem Spieler klar, wie dringlich sein Einsatz ist, den Schurken Vladimir Makarov zu stoppen.
    Das Spiel hat eine überweltigende Grafik und einen glasklaren Sound, die neue Maßstäbe setzt. Das Gameplay ist so gut wie perfekt: Abwechslungsreiche Level, Über 200 Waffentypen, ein Rangsystem sorgt für den langen Spielspaß für Pro-Gamer, und, und, und…. Auch die Steuerung ist so gut wie perfekt.

    Ich finde, dass Cod 6 ein wirklich großartiges Spiel ist und man es unbedingt einmal angezockt haben muss, um die Faszination nachvollziehen zu können.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen.

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