AD(H)S und Computerspiele – Chance oder Risiko?

28. Juni 2009

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Diagnose: AD(H)S. Immer mehr Eltern verhaltensauffälliger Kinder sehen sich mit diesem Krankheitsbild konfrontiert. Kaum eine andere Krankheit hat in den letzten Jahren für so viel öffentliche Diskussionen gesorgt wie die Aufmerksamkeitsstörung mit oder ohne Hyperaktivität.

Leidtragende dieser oft mit wenig Sachkenntnis geführten Diskussionen sind meist die Eltern, die nicht wissen, welchen Informationen sie glauben sollen. Gerade im Bereich Medien herrscht große Verunsicherung. Zu viel Computerspielen sei schädlich, gerade für verhaltensauffällige Kinder, sagen Experten. Doch wie viel ist zu viel? Darf das Kind überhaupt an den Computer oder sollen wir das Computerspielen ganz verbieten? Diese Fragen müssen sich betroffene Eltern zwangsläufig stellen und finden nur selten zufriedenstellende Antworten.

Was genau ist eigentlich AD(H)S?

Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) fallen vor allem durch ausgeprägte Unaufmerksamkeit und impulsives Verhalten auf. Kommt dann auch noch ein übermäßiger Bewegungsdrang bzw. Hyperaktivität hinzu, spricht man von ADHS. Durch die geringe Konzentrationsspanne sind die Kinder oft fahrig, zerstreut und vergesslich. Sie stören den Unterricht, werden aggressiv und auch die Hausaufgaben werden zu einem täglichen Kampf. Dies alles führt zu sozialer Isolation und schulischen Problemen.

AD(H)S und Computer

Auch die Suchtgefahr ist bei AD(H)S erkrankten Kindern höher als bei Kindern ohne AD(H)S. Die Computersucht ist ein relativ häufiges Phänomen, da die Kinder hier kontinuierliches Feedback bekommen und nur eine geringe Aufmerksamkeitsspanne von Nöten ist. Die ständige Spannung fesselt sie. Doch trotz dieses Gefahrenpotentials bieten gerade Computerspiele eine vielversprechende Möglichkeit für ergänzende Behandlungsmaßnahmen. Durch das große Interesse, welches die Kinder dem Computer widmen, bietet sich die Chance, mit speziell entwickelten Spielen wichtige Fähigkeiten der Kinder zu trainieren. Mittlerweile gibt es schon viele verschiedene Lernsoftwares und Spiele, doch eines der innovativsten und erfolgreichsten ist 2weistein: Lernen – Trainieren – Spielen, das zusammen mit einem Expertenteam aus Pädagogen und Psychologen entwickelt wurde.

2weistein: Lernen – Trainieren – Spielen

In der bezaubernden Welt Trillion trainieren Kinder auf spielerische Weise ihre Aufmerksamkeit, Konzentration, Arbeitsgedächtnis, Merkfähigkeit und mathematisches Grundverständnis. Das interaktive Computerspiel begeistert Spielende mit den Figuren Celestine, Bernard und dem namensgebenden Minidrachen 2weistein.

Das Besondere an 2weistein ist, dass genau auf die Bedürfnisse AD(H)S- kranker Kinder eingegangen wird. Um z.B. aggressives und impulsives Verhalten zu vermeiden, werden bei falschen Ergebnissen Hinweise gegeben und das Kind erhält stets klare und überschaubare Anweisungen.

Durch die häufigen Misserfolge in der Schule ist die Frustrationstoleranz sehr gering. In 2weistein sind deshalb schnelle Belohnungen eingebaut, um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Auch die Aufgaben werden individuell an das Wissensniveau des Kindes angepasst, damit es nicht an zu schwierigen Aufgaben hängen bleibt. Sehr wichtig für Kinder mit AD(H)S ist auch eine ständige Wiederholung des bereits Gelernten, damit sich eine gewisse Routine einstellt.

Die bisherige Resonanz von Kindern gegenüber 2weistein war durchweg positiv. Die meisten merkten nicht einmal, dass sie sich gerade intensiv mit Mathematik beschäftigten.

Wie wird AD(H)S behandelt?

AD(H)S wird mit einem multimodalen Therapiekonzept behandelt, das heißt, individuelle Therapiemaßnahmen werden miteinander kombiniert. Diese umfassen:

  • ausführliche Eltern-Kind-Beratung
  • psychotherapeutische Maßnahmen (Verhaltenstherapie)
  • eventuell medikamentöse Behandlung

So genannte alternative Therapien wie z.B. Klang- und Hörtherapien, Homöopathie oder Diäten und Ernährungszusätze sind zweifelhaft, da die Wirkung dieser Maßnahmen nicht erwiesen ist.

Obwohl Spiele wie 2weistein eine Therapie auf keinen Fall ersetzen können, können sie doch ergänzend dazu sehr hilfreich sein. Die Kinder haben Spaß beim Spielen und trainieren nebenher ihre mathematischen Fähigkeiten und ihre Aufmerksamkeitsleistung. So wird aus dem Risikofaktor Computer eine echte Chance für Kinder und Eltern.

Svenja Mertens

Bildquelle: © Nicole Effinger

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