Gefahr aus der Flimmerkiste!

30. November 2008

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Brutale Bilder, Action und Abenteuer, Thriller, blutige Szenen, Gemetzel – das ist nichts für Kinder! Gewaltszenen in den Medien können einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten Ihrer Jüngsten haben. (Fernseh-) Bilder lenken Gedanken und Emotionen und können somit auch Aggressivität von Kindern fördern!

Exzessives Fernsehen fördert den Hang zur Gewalttätigkeit. In Verbindung damit steht auch das soziale Umfeld, in dem das Kind aufwächst. Häufig sind es die Eltern, die den Fernseher zum „Babysitter“ umfunktionieren. Daher scheint es wenig verwunderlich, dass dieser einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder ausübt. Die Analyse sechs nordamerikanischer Studien an der University of Birmingham ergab 2005, dass „zwischen passivem Konsum (Fernsehen und Film) beziehungsweise aktivem Konsum (Video- und Computerspiele) und dem aggressiven, kurzfristigen Verhalten eines kleineren Kindes ein Zusammenhang besteht. Die Auswirkung ist zwar klein, aber bedeutsam und bezieht sich vor allem auf Jungen.“ Gewalt gehört im Fernsehen zum festen Bestandteil einer männlichen Welt, womit den Jungen weitgehend stereotype Konfliktlösungsmuster offeriert werden. 

Negative Wirkungen von Mediengewalt?

Professor L. Rowell Huesmann von der University of Michigan ist einer der bekanntesten und renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der Mediengewalt. Er legte 1999 dar, dass Kinder durch Beobachtung lernen. Somit liegt die Gefahr, die das Fernsehen birgt, in der unrealistischen Darstellung von Schmerzen oder Verletzungen. Diese Darstellung von fiktionaler Gewalt kann vom Zuschauer als Abbild realer Gewalt missverstanden werden. Dabei gilt: Je jünger das Kind, desto weniger kann es zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Daher können, die als „real“ wahrgenommenen Gewaltdarstellungen zusätzlich dazu führen, dass das Erlernen von Aggression verstärkt wird und die Kinder ihre Emotionen nicht mehr kontrollieren können.
Gewalttätige Verhaltensmuster werden vor allem dann erlernt, wenn sich die Kinder mit den „Tätern“ oder dem „Bösen“ im Geschehen identifizieren können, die Darstellung realistische Züge aufweist oder wenn die gezeigte Gewalt zur Problemlösung beiträgt und als gerechtfertigt dargestellt wird. Meist werden die Leiden des Opfers nicht gezeigt. Auch die Bestrafung des Gewalttäters unterbleibt entweder gänzlich oder erfolgt erst am Ende der Filmhandlung, wenn Kinder den Zusammenhang zwischen dem vorherigen Verhalten des Täters und der späteren Vergeltung weniger gut erkennen können.
Negativ wirkt sich das Fernsehen insofern für Kinder aus, als dass sie das Gesehene großteils als real betrachten und versuchen, es in ihren Alltag zu integrieren. In den Medien werden Gewaltfolgen nicht selten heruntergespielt und vermitteln den Kindern somit Rechtfertigungen für aggressives Verhalten. Sie identifizieren sich mit den Actionhelden und Gewalttätern aus dem Fernsehen und agieren nach dem Motto: „Ich will so sein wie…“. Zusammengefasst können Folgen, Depressionen, Abhängigkeit, ein gestörtes Gefühlserleben, Probleme mit der eigenen Identität oder auch die Schwächung der Urteilskraft, sein.

Sind alle Kinder gleich gefährdet?

Negative Effekte von Mediengewalt treten vor allem bei Kindern auf, die ohnehin ein hohes Aggressionspotenzial entwickelt haben, ein niedriges Selbstwertgefühl besitzen, sozial schlecht integriert sind und/oder bei denen eine ungünstige Erziehungssituation vorliegt. Die Rahmenbedingungen, also das familiäre und gesellschaftliche Umfeld, spielen hierbei eine große Rolle. Das heißt, bestimmte Fernsehsendungen sind für bestimmte Kinder, die unter bestimmten Bedingungen leben, gefährlich.

Eltern sollten unbedingt zusammen mit ihren Kindern fernsehen und mit ihnen anschließend über das Gesehene sprechen. Es sollte dabei deutlich werden, dass die gesehene Gewalt fiktiv ist und es andere Möglichkeiten der Konfliktlösung gibt.

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Annika Heselbarth

Quellen:
http://www.3sat.de/delta/82313/index.html
http://www.mediengewalt.de/medien/medien-presse.shtml
http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/346/5341/

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