Auf Augenhöhe mit den Kindern

31. Juli 2009

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2009 – ein Jahr mit vielen Anlässen für Freudenfeiern, Erinnerung und Nachdenken: Selten mussten die Bürger so oft zu den Urnen schreiten und selten haben sich so viele historisch bedeutsame Ereignisse, wie 60 Jahre Grundgesetz oder 20 Jahre Fall der Berliner Mauer gehäuft. Was wissen die Kinder von solchen und anderen Gebieten des Allgemeinwissens? Mit „Team KI.KA“ wollen ARD und ZDF es spielerisch herausfinden. medienbewusst.de-Reporterin Anne Ihle sah dem Team beim Dreh über die Schulter.

Es ist kaum zu verfehlen, so viele Schilder weisen auf das Landesfunkhaus im Westen Erfurts hin. Betritt man das mittelgroße Gebäude, fallen zunächst die vielen beschäftigten Menschen auf, die hastig von einem Ort zum anderen laufen. Bernd das Brot begrüßt jeden Gast im Spielzeug- und Souvenirladen gleich am Eingang des Gebäudes. Gleich die erste Tür rechts ist das Studio, in dem die Sendung „Team KI.KA“ heute aufgezeichnet wird. Die rasante Spielquizshow wird im Auftrag des Kinderkanals von der Family Entertainment.tv GmbH produziert. In den Disziplinen Geschicklichkeit, Bewegung und Wissen treten zwei Klassen – Team KI und Team KA – gegeneinander an um ihr Können unter Beweis zu stellen. Thematisch dreht sich alles rund um Deutschland – von „Typisch deutsch!“, über „Geografie“, „Sport“ bis hin zu „Märchen“. Vor dem Eingang steht eine der beiden Schulklassen, bereit für den Wettkampf. Der Betreuer der Klasse fragt sie „Seit ihr alle bereit?“. Doch noch kriegt er nur vereinzelt schüchterne „Jaaa“-Antworten zurück. „Na das müssen wir aber nochmal üben“, sagt er hoffnungsvoll und schickt die beiden Auserwählten, welche die Klasse später im Wettkampf repräsentieren, in die Maske. Alle anderen folgen ihm in den Zuschauerraum.

Die Auserwählten, aus jeder Klasse der oder die „Schnellste“ und „Schlauste“, kommen für den Probelauf ins Studio. Nach einer kurzen Einweisung nehmen sie auf den blauen Sitzkissen Platz. Kamerapositionen und Scheinwerferlicht werden gründlich überprüft. Doch immer noch sind nicht alle auf dem Bildschirm zu sehen. „So, jetzt wird gekuschelt.“ scherzt der Regisseur und rückt die Sitzkissen noch ein wenig mehr zusammen. In der hinteren Ecke des Studios befinden sich die Leinwand auf der die Fragen später erscheinen und die rot-gelben Buchstaben „K-I-K-A“, geschmückt mit zwei Buzzern. Durch die verschieden Farb- und Lichtspiele erscheint der Raum wie ein kleines Kinderparadies.

Es wird laut draußen und die Studiotür öffnet sich. Der Geräuschpegel steigt proportional mit dem Näherkommen der beiden Schulklassen. Gewappnet mit Plakaten, Trommeln und Fahnen und bereit, ihre Klassenkameraden mit allen Kräften anzufeuern. Ein junger Mann, der sogenannte „Warmuper“ begleitet die Kinder und macht sie mit den Gegebenheiten im Studio vertraut. Er übt mit ihnen Zeichen und den Schlachtruf der Sendung. Immer wenn er „Team“ sagt, brüllt die eine Klasse „KI!“ und kurz darauf die andere „KA!“. „So guckt nochmal ob die Haare eures Nachbarn sitzen und dann geht’s los!“ sagt er, hochmotiviert.

„Dann Achtung!“, ruft der Aufnahmeleiter. Musik wird eingespielt. Weißer Rauch steigt auf. Moderator Alex Huth rennt ins Studio und klatscht die Hände der jubelnden Kinder entlang der Sitzbänke ab. Endlich kommt der hart erprobte Schlachtruf zum Einsatz. Nachdem die vier Kandidaten sich kurz vorgestellt haben, beginnt auch schon das erste Spiel: Die Ballduschen. Die beiden „Schnellsten“ rüsten sich jeweils mit Helm und Brille. „Vorsicht!“ warnt jemand, just in dem Moment, wo zwei riesige Glasbehälter ins Studio getragen werden. Sie sind ausgestattet mit einer Kamera und Ventilatoren, welche die Bälle hin und her strudeln lassen. Beide Konkurrenten stehen im Glaskasten und warten auf das Signal. Der Aufnahmeleiter gibt das Kommando: „Los!“ Daraufhin wirbeln unzählige Bälle mit enormer Geschwindigkeit durch die Luft. „Cut!“- die Aufnahme ging daneben. „Und los!“ Beim zweiten Mal klappt alles. Ziel dieses Spiels ist es, so schnell wir möglich die fünf andersfarbigen Bälle einzufangen. Die Anzahl der gefangenen Bälle stellt die Punktzahl dar, um welche die „Schlauen“ im Quizspiel wetteifern. Per Film-Einspieler erscheint auf der Leinwand die Frage: „Wo wurde das Sauerkraut erfunden?“ Oben auf der Zuschauertribüne: Lehrerinnen der beiden Klassen schlagen ihre Hände vor dem Gesicht zusammen. Mit so einer Frage hätten sie nicht gerechnet. „Australien? Deutschland? Oder China?“ fragt der Moderator die beiden Kandidaten.

Wissenschaftler schätzen, dass sich das Wissen der Welt alle fünf bis zwölf Jahre verdoppelt. Jenes Wissen Kindern alltagsnah und unterhaltsam – also sozusagen auf Augenhöhe – zu vermitteln, ist laut Rundfunkstaatsvertrag Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Trotz zunehmender Bedeutung des Internets für Kinder, ist Fernsehen immer noch die am häufigsten ausgeübte Medientätigkeit ist. In der Vergangenheit und auch noch heute fragen sich viele Eltern, ob der Fernseher ein geeignetes Medium ist, um Wissen zu vermitteln. Noch nie waren Wissenssendungen so beliebt und so zahlreich in den öffentlichen Rundfunkanstalten wie heute.

Und auch Eltern können etwas von ihren Kindern lernen. Denn die gucken im Durchschnitt weniger fern, bewegen sich mehr, und lernen mit Neugier. Oder wissen Sie genau, aus welchem Land das Sauerkraut ursprünglich kam?

Anne Ihle

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Foto: Anne Ihle

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