“Fernsehen ist für Kinder ein Gemeinschaftserlebnis”

29. Januar 2010

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Mit diesen Worten erinnert sich Birgit Guth, Leiterin der Medienforschung und des Qualitätsmanagements bei Super RTL, an erste Erfahrungen mit dem Fernsehen in ihrer Kindheit. Im Gespräch mit medienbewusst.de berichtet sie von “gruseligen” Erlebnissen und wirft einen Blick auf das heutige Kinderprogramm. Sie erzählt unter anderem von ihrem Engagement bei Media Smart e.V. und der Initiative “Erfurter Netcode”. Nicht nur wegen ihrem Beruf, sondern auch wegen ihren beiden Kindern kennt sie das Thema “Medienerziehung” und erklärt, worauf sie persönlich dabei Wert legt.

Guth1_2.JPGVor fast 15 Jahren ging Super RTL auf Sendung und hat sich heute mit seinem Programm, das explizit auf Kinder und Familien als Zielgruppen ausgerichtet ist, fest in der deutschen Fernsehlandschaft etabliert. Birgit Guth gehörte von Anfang an zum Team des Kölner Senders und leitet dort bis heute die Medienforschung. Dazu gehören breit angelegte Repräsentativbefragungen, die meist durch Marktforschungsinstitute durchgeführt werden, aber auch sendereigene Untersuchungen wie die „Kinderwelten-Studien“. Ergänzt werden die Studien durch Forschung “im Kleinen”, bei der “Kindergruppen in das Forschungsstudio des Senders eingeladen werden, um direkt die Zielgruppe zu kontaktieren”, erklärt die Kommunikationswissenschaftlerin.

Von 2001 bis 2008 war Birgit Guth zudem die Jugendschutzbeauftragte von Super RTL. Seit 2008 leitet sie zusätzlich das Qualitätsmanagement des Senders.

Birgit Guth studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Marketing an der Universität Essen. Nebenbei jobbte sie bei RTL. Als Studentin plante sie keineswegs eine berufliche Laufbahn im Bereich der Kindermedien. “Das ist Zufall”, erklärt sie. “Ich habe eine gewisse Affinität zu Zahlen und Statistik und als ich mit dem Studium fertig war, ging Super RTL auf Sendung. Und die brauchten einen Medienforscher, das fand ich spannend.” Nach ungefähr zwei Jahren fokussierte sich der Sender auf die Zielgruppe der Kinder, seine Medienforscherin gewann somit allmählich eine “Affinität zu Kindern und Pädagogik.”

Auf unsere Frage, wie Birgit Guth denn das heutige Programmangebot für Kinder einschätze, entgegnet sie: “Da hat sich in den letzten 15 Jahren ganz viel getan, wirklich im Sinne der Kinder.” Mit dem Sendestart von Super RTL, KI.KA und später auch Nick habe sich das Angebot “dramatisch erweitert”, wie sie betont, und das “auch zu Zeiten, zu denen Kinder schauen, nämlich am Vorabend.”

“Wir haben heute einfach ein tolles Angebot an Kinderprogrammen. Das gab es in meiner Kindheit natürlich nicht, ich bin noch mit drei Sendern aufgewachsen.” Dennoch, so erzählt sie, “war am Freitagabend die ganze Familie vor dem Fernseher versammelt. Da liefen beim ZDF Krimis und alle vier Wochen Aktenzeichen XY. Das hat mich so gegruselt, ich fand das ganz furchtbar.” Trotzdem wollte sie mit der Familie zusammen sein, weil ihrer Meinung nach “Fernsehen für Kinder auch immer ein Gemeinschaftserlebnis ist.” Daran habe sich im Vergleich zu damals nichts geändert.

Birgit Guth engagiert sich neben ihrer Tätigkeit bei Super RTL im Verein Media Smart e.V., der die Werbekompetenz bei Kindern fördert. Mit Hilfe von bereitgestellten Unterrichtsmaterialien werden “Kinder fit gemacht im Umgang mit Werbung.” “Ein tolles Thema”, fügt sie hinzu, “deshalb engagiere ich mich dort sehr viel und sehr gerne.”

Zugleich ist die Kommunikationswissenschaftlerin Mitglied im Fachbeirat der Initiative “Erfurter Netcode”, die sich für die Qualität von Kinderseiten im Internet einsetzt. Darüber hinaus ist sie gelegentlich für die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) tätig. Dort begutachtet und diskutiert sie als Mitglied des Beschwerdeausschusses Internetseiten, die aufgrund grenzwertigen Inhalts beanstandet werden.

Im Gespräch mit Birgit Guth interessiert ebenso, wie sie ihre eigenen Kinder, die mittlerweile die 5. und 7. Klasse besuchen, in Hinblick auf Medien erzieht. Als Mutter legt sie großen Wert auf diesen Aspekt der Erziehung, so schränkt sie die “Bildschirmnutzung” des Nachwuchses inhaltlich und zeitlich ein. Nachmittags sind beispielsweise Sender, „wo irgendwelche Doku-Soaps laufen“, tabu. Die Super RTL-Qualitätsverantwortliche verrät, dass sie auch mit ihren Kindern über das Programm oder auch FSK-Freigaben bei Kinofilmen diskutiert.

In punkto Computernutzung handele sie viel mit den Kindern selbst aus. Programme wie die Internauten, ein Online-Aufklärungsportal für Kinder mit Tipps zum sicheren Surfen, “müssen sie auch über sich ergehen lassen”, erzählt sie abschließend.

medienbewusst.de bedankt sich bei Birgit Guth für das Gespräch und wünscht ihr weiterhin viel Erfolg.

Robert Köhler

Bildquelle:
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Portraitfoto zur Verf. gestellt v. Birgit Guth

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