Kinderlachen statt Haifischkampf

24. Oktober 2010

Medienpädagogik ist eine Berufung. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man Siegfried Barth zuhört. Der 30-jährige Medienpädagoge und -unternehmer betreut bundesweit bedeutende Kindermedienprojekte wie die „Klappe“ und ist Leiter der SimTV-Kinderfilmakademie Sindelfingen. Letztes Jahr war er deren Vertreter beim Kinderstädte-Weltkongress in Japan. Im Gespräch mit medienbewusst.de erzählt er von seinem ersten Filmschnitt mit dem Videorecorder, dem Großprojekt SimTV und seiner „dankbaren Arbeit“ als Medienpädagoge.

siegfried_barth.jpgHerr Barth, was machen Sie beruflich?

Betrachtet man meine Abschlüsse, bin ich gelernter Mediengestalter, Redakteur und Fachjournalist sowie studierter Filmwissenschaftler und Mediendramaturg. Hauptberuflich arbeite ich als selbstständiger Medienunternehmer und Medienpädagoge. Ich halte aber sehr wenig von Abschlüssen. Man muss ein sehr breit gefächertes Wissen haben, wenn man heutzutage noch konkurrenzfähig sein möchte. Seit vielen Jahren veranstalte ich an verschiedenen Bildungseinrichtungen medienpädagogische Projekte mit Kindern.

Medienpädagogische Arbeit mit Kindern – das war aber nicht Ihr Traumberuf als Kind?

Als kleines Kind wollte ich Autoverkäufer werden. In der Grundschule aber war meine erste große Liebe ein Videorecorder. Ich habe die Kamera meines Vaters daran angeschlossen, die Aufnahmen nicht- chronologisch aufgezeichnet und dann mit Tonaufnahmen aus dem Kassettenrecorder überspielt. Dass ich damals meine ersten Schnitte gemacht habe, wurde mir erst viel später bewusst. Mit dem Kurzfilm „Schwarz-weiß ist auch bunt“ gewann meine Film-AG 1999 den Preis der Jugendfilmtage Baden-Württemberg. Spätestens damals war mir klar, dass ich Regisseur werden möchte. Als Zivildienstleistender habe ich beim „Spielmobil Sindelfingen“ kleine Filmprojekte mit Kindern realisiert, was mir noch viel mehr Spaß machte.

Und da haben Sie Ihre Berufung gefunden.

Es war die Kombination aus Verantwortung, Projektmanagement und das gute Gefühl etwas vermitteln zu können. Ich spreche hier nicht von technischem Wissen, sondern von Erfahrung und Spaß im Umgang mit Medien. Im Grunde ging es mir nie darum, den Kids die Funktionsweisen von Bedienelementen an Kameras zu erklären, sondern darum, sich kritisch und selbstbewusst einem Medium zu stellen, dieses für sich und zur Erweiterung der eigenen Kreativität zu nutzen.

Was unterscheidet die Arbeit mit erwachsenen Produzenten von der Arbeit mit Kinderproduzenten?

Während das Filmgeschäft ein echtes Haifischbecken ist und alle nach dem größten Gewinn schnappen, ist der Lohn bei meiner Arbeit oft eine begeisterte Menge von Kindern oder ein selbstbewusstes Lächeln eines Kindes, das durch unsere Arbeit Mut und Selbstvertrauen geschöpft hat. Die medienpädagogische Arbeit mit Kindern ist eine sehr dankbare Arbeit, wenn man bereit ist viel zu investieren und finanziell keine großen Ansprüche stellt. Jahrelang haben wir uns privat für unsere Projekte ausgebeutet, wir haben ohne Zuschüsse gewirtschaftet und uns auf die Arbeit mit den Kindern konzentriert. Das Team, die Gemeinschaft und das Ziel stand, und wird auch in Zukunft im Vordergrund stehen.

Die Sim TV-Kinderfilmakademie ist eines Ihrer größten Projekte. Was können Kinder hier lernen?

Sim TV setzt auf eine kulturelle Medienbildung und befähigt die Teilnehmer, sich kritischer mit Medien auseinander zu setzen. Die Kinderfilmakademie versteht sich aber auch als Eliteförderung. Sie geht auf die individuellen Stärken der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen ein und baut diese aus. Hier können besonders technisch- und medienbegabte Kinder ihre eignen Filme entwickeln, drehen und schneiden. Die Kinderfilmcrew hat sich dabei auf die Umsetzung von Dokumentationen, Kurzfilmen und Musikvideos spezialisiert.

„Eliteförderung“?

Oft versteht man darunter Schüler eines Eliteinternats, das teuer bezahlt werden muss und den Kindern aufgrund ihres sozialen Backgrounds dann weitere Türen öffnet. Davon möchte ich mich distanzieren. Die Kinder der Kinderfilmakademie kommen aus allen Schularten zu uns. Es gibt niemanden, der aufgrund seiner finanziellen Situation nicht bei uns teilnehmen darf. Wichtig ist für uns, dass die Kids interessiert und kontinuierlich dabei sind.

Im August 2009 waren Sie mit den Kindern der SimTV-Kinderfilmakademie in Yokohama und haben die Sendung „Kinderspielstadt Deutschland“ auf dem Weltkongress der Kinderspielstädte vorgestellt. Wie war die Resonanz?

Der Höhepunkt unserer Japanreise war die Vorführung einer Vorabversion des Dokumentarfilms „Kinderspielstadt Deutschland“ beim Weltkongress. Das Team erntete tobenden Beifall und Standing Ovations. Neben Lob gab es auch sehr konstruktive Kritik aus der Spielstadtszene, sodass das Team nun motiviert an der Endfassung arbeitet, die noch 2010 auf Kinderfilmfestivals eingereicht werden kann.

Welche weiteren Projekte planen Sie in Zukunft?

Aktuell arbeite ich an der Weiterentwicklung der Kinderfilmakademie als außerschulische Bildungseinrichtung. Mein Traum ist es, den Rang einer Berufsakademie für Kindermedien und Medienerziehung für die Akademie zu erreichen.

medienbewusst.de bedankt sich bei Siegfried Barth für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Thuy Anh Nguyen

Bildquelle:
Siegfried Barth

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