Wenn Spongebob Gesellschaftskritik übt

25. November 2010

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Zeichentrickserien, die Erwachsene ansprechen? Ja, das gibt es und so kann es durchaus vorkommen, dass sich Mama oder Papa selbst gerne zum Trickfilmgucken zusammen mit ihren Kindern vorm Fernseher einfinden. Wo liegen aber die Gründe für dieses Phänomen? Spongebob und Co. versuchen eine Antwort darauf zu geben.

Prinzipiell gab es bisher zwei Formen von Zeichentrickfilmen, die auch Erwachsene begeistern: Zum einen Serien, die sie selbst an ihre Kindheit erinnern wie Biene Maja oder Wickie und die starken Männer und zum anderen Trickfilme wie South Park oder Family Guy, in denen oftmals politische Themen und internationale Klischees auf die Schippe genommen werden, es aber auch um gewalttätige und pornografische Inhalte geht. Trickfilme also die bereits speziell auf ein älteres Publikum zugeschnitten sind und dementsprechend produziert werden.

Diesen letzteren, eher stereotypischen Formen der Erwachsenenunterhaltung, stehen Formate wie die amerikanische Nickelodeon-Produktion Spongebob Schwammkopf diametral gegenüber. Hier geht es nicht um Gewalt oder obszönen Humor, sondern schlicht um die Unterwasserwelt eines kleinen, gelben Schwamms und dessen Abenteuer.  Auf den ersten Blick eine scheinbar herkömmliche Kinderserie, könnte man  denken. Allerdings geht es bei Spongebob oft um viel mehr als nur um augenscheinliche Attribute eines Zeichentricks wie der Verspieltheit verschiedener Charaktere oder dem Bewältigen von Alltagsproblemen auf humorvolle Art.

Sicherlich wäre es übertrieben, den Charakter des kleinen Schwamms zu einer literarischen Figur zu erklären, doch lassen sich in der Serie häufig Metaphern und andere dramaturgische Stilmittel erkennen, die Kinder nur schwerlich dem ursprünglichen Sinngehalt zuordnen können. So versucht man beispielsweise in einer Folge, in der Spongebob gezwungen wird sein Äußeres und sein Verhalten der Umgebung anzupassen, auf subtile Weise Gesellschaftskritik zu äußern. Nicht nur dieser kritische, sondern der komplexe Aspekt des Anmahnens und Verweisens auf die menschliche Moral auf simple Art und Weise, ist es allerdings, der insbesondere Erwachsene in seinen Bann zieht. Es ist eben die „Einfachheit“ des Humors der Serie, wie es Spongebob-Erfinder Stephen Hillenburg in einem Interview mit der Washington Post selbst beschreibt.

Die Idee zur Serie sei aus seiner Liebe zu den Kurzepisoden mit Laurel und Hardy (in Deutschland als „Dick und Doof“ bekannt) entstanden, erklärt er weiter. Und genau an dieser Stelle liegt wohl der größte Anziehungspunkt von Spongebob Schwammkopf, denn simpler Slapstick-Humor funktionierte schon immer, bei Jung wie bei Alt.

Dieses Prinzip des Einfachen, in Kombination mit subtilen, oftmals nicht gleich erkennbaren, Handlungsmustern, ist es, was die „neue Generation“ von Zeichentrickserien wohl aus – und für Erwachsene eben auch interessant macht. Neben Spongebob Schwammkopf sind es wiederum vor allem Nickelodeon-Sendungen, die nach eben jenem Prinzip aufgebaut sind. Nennenswert ist dabei vor allem noch Cosmo und Wanda, eine Zeichentrickserie, in der es um einen kleinen Jungen geht, der in der Schule Probleme hat und dessen Eltern meist zu beschäftigt sind, um sich um ihn zu kümmern. Dafür bekommt Timmy, so der Name des Jungen, irgendwann die Hilfe von zwei kleinen Elfen, die ihn bei Problemen jeglicher Art unterstützen. So zeigt sich, anhand der Geschichte der Serie, allegorisch das heutige Zerwürfnis zwischen aktiven, oft arbeitenden Eltern und ihren Kindern. Die endgültigen Lösungen der Probleme des kleinen Timmy‘s findet dieser am Ende einer jeden Folge dann meist eben nicht durch die „Zauberei“ seiner Elfenfreunde, sondern durch die intensive Auseinandersetzung mit einem Problem.

Auch hier ist es dann wieder die Mischung der zum Teil tiefgründigen Botschaften und der des simplen Witzes, die den Reiz der Sendung gerade auch für ältere Zuschauer ausmacht. Unabhängig jedoch von den bisher genannten Faktoren, mag es vielleicht auch der subjektive Geschmack oder Humor von Erwachsenen sein, der entscheidend dafür ist, ob eben auch eine, eigentlich für Kinder produzierte, Sendung unterhalten kann oder nicht.

Eines sei dann zum Schluss aber doch noch erwähnt: Der amerikanische Präsident Barack Obama verriet vor einiger Zeit in einem Interview mit der Internetplattform tvguide.com, er sei ein großer Fan von Spongebob. Woran das wohl liegen könnte?

Fabian Zeitler

Bildquelle:
© nickelodeon 2010 MTV Networks

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