Kindersender und die offene Facebook-Frage

4. September 2012

Die Kinderfernsehsender machen mehr als nur Fernsehen – Sie überzeugen auch mit gut durchdachten und kindgerechten Onlinepräsenzen. Doch einen großen Unterschied gibt es: Super RTL und Nickelodeon nutzen Facebook, der Kinderkanal (KiKA) hingegen nicht. medienbewusst.de hat bei KiKA-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp nachgefragt, warum der öffentlich-rechtliche Sender Facebook nicht für sich nutzt.

Für Fernsehsender sowie Serien und Filme ist es selbstverständlich, bei Facebook mit einer eigenen Fanpage präsent zu sein. Um in der heutigen Mediengesellschaft erfolgreich zu sein, erscheint eine Facebook-Seite nicht nur akzeptiert zu sein, sondern sogar zwingend erforderlich. Der mediale Kanal Facebook wird genutzt, um von dem Schneeballeffekt der Aufmerksamkeit zu profitieren und die Zuschauer aktiv zu binden. Mittlerweile sind fast alle privaten und öffentlich-rechtlichen Sender bei Facebook vertreten, insbesondere Spartenkanäle wie ZDFneo erreichen verhältnismäßig viele Zuschauern und können ihre Sendungen auf diesem Wege promoten.

Das Facebook-Dilemma der Kindersender

Nach den Facebook-Statuten ist es allerdings erst Kindern ab 13 Jahren erlaubt, sich bei Facebook zu registrieren. Damit erreichen die Kindersender durch eine Facebook-Präsenz offiziell nur Kinder und Jugendliche ab 13 Jahren. Aber: Es ist schon längst kein Geheimnis mehr, dass immer mehr jüngere Kinder sich einen Account anlegen, indem sie ein falsches Geburtsjahr angeben. Da stellt sich für medienbewusst.de die Frage, wie die Sender Facebook einsetzen, die eben auch Fernsehen für Kinder machen, die jünger als 13 Jahre alt sind: Wie handhaben die Kinderfernsehsender also den Umgang mit Facebook?

Nickelodeon und Super RTL bei Facebook

Der Kindersender Nickelodeon kann mit seiner deutschen Facebook-Fanseite mittlerweile fast 61.000 Fans vorweisen, der Sender Super RTL knapp 44.000 Fans. Zum Vergleich: der Sender RTL erreicht mit knapp 458.000 Fans zehnmal so viele Fans wie Super RTL.

In der Nutzungsweise der Facebook-Seiten von Nickelodeon und Super RTL gibt es Unterschiede: Super RTL informiert seine Fans vorrangig über neue Serien und Sendetermine – nützlich für den Fan und Zuschauer. Nickelodeon nutzt Facebook zwar auch, um Sendungen anzukündigen, aber vor allem versuchen sie mit ihren Fans in einen Dialog zu treten. Sie verknüpfen also die inhaltlichen Fakten mit Fragen und Aufforderungen, wie sie in sozialen Netzwerken typisch sind. Zudem ist im Vergleich von Super RTL mit den anderen Facebook-Seiten der RTL Group erkennbar, dass die Verantwortlichen von Super RTL berücksichtigen, dass die Zielgruppe von Super RTL weitaus jünger ist und sie Inhalt und Tonalität entsprechend anpassen.

Die Facebook-Profile der Sender Super RTL und Nickelodoen.


KiKA wählt einen anderen Weg

Ganz anders aber der öffentlich-rechtliche Sender Kinderkanal (KiKA): Während man den Kindern und Eltern ein recht umfangreiches Onlineangebot bietet, sind sie bei Facebook nicht vertreten. Der Programmgeschäftsführer des KiKA Steffan Kottkamp betont, dass dies eine bewusste Entscheidung des Senders sei: “Bei Kindern braucht es einen erhöhten Datenschutz, den können Facebook und andere soziale Netzwerke nicht gewährleisten.” Der Verzicht auf eine Facebook-Fanpage bedeutet bei weitem nicht, dass der KiKA auf einen direkten Kontakt zu seinen Zuschauern verzichtet. Dazu wählt der KiKA einen anderen Weg: Sie haben mit mein!KiKA eine eigene Community etabliert. “Dort können wir unseren Zuschauern genau den Schutzraum bieten, den sie unbedingt brauchen”, so Kottkamp. Die KiKA-Community sei demnach ein moderiertes Netzwerk und es müsse eine unterschriebene Einverständniserklärung vorliegen, um teilnehmen zu können, Kottkamp: “Erst dann schalten wir frei.”

Das Konzept scheint zu funktionieren. Nach Angaben von Kottkamp verzeichnet www.kika.de über 30 Millionen Pageimpressions pro Monat und ist damit eine der beliebtesten Kinder-Websites. Und es gebe auch andere Wege als Facebook, um mit den Zuschauern in einen Dialog zu treten, Kottkamp: “Uns besuchen 10.000 Kinder im Jahr, wir bekommen monatlich um die 21.000 E-Mails, Briefe und Faxe. Telefonisch nehmen monatlich 11.000 Zuschauer Kontakt zu uns auf.” Damit ist das das Fazit klar: “Es braucht keine Anbindung an kommerzielle soziale Netzwerke.”

Eine Frage der öffentlich-rechtlichen Verantwortung?

Der KiKA als öffentlich-rechtliches Gemeinschaftsprogramm der Sender ARD und ZDF wird seiner Verantwortung gegenüber den jungen Zuschauern gerecht. Steffan Kottkamp bringt es auf den Punkt: “Die Zielgruppe Kinder bedarf eines erweiterten Schutzes. Als öffentlich-rechtlicher Kindersender sind wir uns dessen jederzeit bewusst und handeln entsprechend.” Dies bedeutet konkret der Verzicht einer KiKA-Fanseite bei Facebook. Damit macht der Sender eindeutig klar, dass ein Dialog mit den Zuschauern auch möglich ist, ohne dass sich die Kinder den recht fragwürdigen Facebook-Praktiken bezüglich des Datenschutzes unterwerfen. Die privaten Kindersender Nickelodeon und Super RTL hingegen sind bei Facebook präsent. Allerdings lässt sich daraus auch kein Vorwurf stricken: Mit Facebook können die Zuschauer unkompliziert und verhältnismäßig kostengünstig erreicht werden. Zudem liegt die Zielgruppe des KiKA meist unter der magischen Grenze von 13 Jahren und ist damit tendenziell jünger als die der kommerziellen Sender.

Dennoch werden auch die von Facebook angekündigten Kinder-Accounts, die eine Verknüpfung der Accounts der jüngeren Kinder mit denen der Eltern bedeuten würde, nichts an den datenschutzrechtlichen Lücken bei Facebook ändern und somit auch nichts an der grundsätzlichen Auffassung des KiKA gegenüber Facebook, so Kottkamp.


Katharina Große-Schwiep

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Bildquellen:
© Screenshots der Facebook-Fanpages von Super RTL und Nickelodeon

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Kommentare

Ein Kommentar zum Artikel “Kindersender und die offene Facebook-Frage”

  1. Mel am 17. September 2012

    Spannendes Thema! Ich bin gespannt, wie lange der KiKA bei seiner Auffassung bleibt und sich gegen die Facebook-Dominanz wehren kann!

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