„The Voice Kids“ – kleine Talente ganz groß

7. April 2013

Mit einer Version für Kinder will SAT.1 seit dem 05.April 2013 an den Erfolg der Casting-Show „The Voice of Germany“ anknüpfen. Die jungen Kandidaten bekommen hier die Möglichkeit, ihren Traum von der großen Bühne zu leben. Und sie sind nicht nur total süß, sondern auch talentiert.

Die Show funktioniert nach dem gleichen Prinzip, wie die für Erwachsene. Die Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren singen zunächst im Rücken der Jury. Es kommt daher nur auf die Stimme der Kandidaten an. Wenn den Coaches ein Talent gefällt, drücken sie den Buzzer und ihr Stuhl dreht sich um, der Kandidat ist somit in der nächsten Runde. Drehen sich mehr als ein Jurymitglied um, darf das Talent auswählen, in welches Team es gehen möchte.

Die Jury von „The Voice Kids“ besteht aus Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena Meyer-Landrut, Sänger Tim Bendzko („Nur noch kurz die Welt retten“) und Henning Wehland, Mitglied der Band „Die Söhne Mannheims“. Die Juroren sind besonders bemüht, die kleinen Talente nicht zu enttäuschen. So wird deutlich öfter der Buzzer gedrückt, als bei „The Voice of Germany“.

Bei der Show gehe es, laut Lena, in erster Linie “ums Teilnehmen und Spaß haben – und nicht ums Gewinnen”. Den Kindern wird während der Show oft genug gesagt, wie süß sie doch sind und dass sie so bleiben sollen, wie sie sind. Nachdem sich für den 10-jährigen Pablo kein Coach umgedreht hat und dieser somit die Show verlassen muss, läuft Lena ihm bis hinter die Bühne nach und tröstet den Jungen mit den Worten: „Du bist so zuckersüß. Ich ärgere mich zu Tode“. Trotz ihrer Bemühungen, die Kinder nicht zu enttäuschen, wirkt Lenas Verhalten in der Sendung sehr aufgesetzt. Es gibt kaum ein Talent, bei dem sie nicht vor Begeisterung schreit. Außerdem betont sie immer wieder, wie stolz die Kinder auf sich sein können. Jedes Kind, dass sich für das Team Lena entscheidet, bekommt zudem einen Zettel mit der Aufschrift: „LOVE – Team Lena“. Ihre Reaktionen wirken nicht mehr authentisch und sind eher nervig.

Doch es gibt junge Sänger, bei denen die Begeisterung der Jury durchaus berechtigt ist. Zum ersten Mal traut sich eine Kandidatin an einen klassischen Song. Die 14-jährige Kieu überzeugt mit “Der Hölle Rache” aus Mozarts Zauberflöte nicht nur das Publikum, sondern auch die Jury. Auch Laura, 13, begeistert mit „I Will Always Love You“ von Whitney Houston, einem laut Tim Bendzko, am schwierigsten zu singenden Titel. Für das Highlight der ersten Folge sorgt die vor Energie sprudelnde achtjährige Chelsea. Ihr Auftritt zu „Girl On Fire“ bewegt alle drei Jurymitglieder dazu, vor der Kleinen niederzuknien, während das Publikum unter heftigem Applaus eine Zugabe fordert.

Wie bei vielen Casting-Shows darf man auch von „The Voice Kids“ nicht erwarten, hier die ungeschminkte Realität zu sehen. Jede Casting-Show kann immer nur einen Gewinner haben und die Kritik muss vorsichtig übermittelt werden, denn nicht jedes Kind ist in der Lage, mit Misserfolgen umzugehen. Dennoch setzt dieses einen Lernprozess voraus.

Es bleibt abzuwarten, wie lange sich „The Voice Kids“ im deutschen Fernsehen halten kann. „DSDS Kids“ konnte im Vergleich dazu die Zuschauer nicht überzeugen und blieb ein einmaliger Versuch von RTL, seine Quoten zu steigern. Möglicherweise haben die Zuschauer genug von Dieter Bohlen und seiner herablassenden Kritik. Vielleicht ist das Format „DSDS“, eine der ersten Casting-Shows im deutschen Fernsehen, mittlerweile überholt und wird von Sendungen wie „The Voice Kids“ aus dem Fernsehen verdrängt.

„The Voice Kids“ ist immer freitags um 20.15 Uhr in SAT.1 zu sehen.

Fabienne von der Eltz

Bildquellen:
© SAT.1/Richard Hübner, SAT.1/Christoph Assmann

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