Behinderung im Kinderfernsehen – noch immer ein Tabuthema

3. Juli 2013

Kindern mit Behinderungen begegnet man nicht jeden Tag. Und wenn, dann ist die Angst da etwas falsch zu machen. Man weiß nicht genau, wie man sich verhalten soll. So ist auch die Darstellung von behinderten Menschen in den Medien noch immer ein schwieriges Thema, was nicht allgegenwärtig ist. Doch mit dem Kinoerfolg „Ziemlich beste Freunde“ aus dem Jahr 2011, gelang es den Machern das Leben von Menschen mit Handicap auf eine herzergreifend und rührende Art und Weise darzustellen.

Menschen und vor allem Kinder mit Behinderungen werden in den Medien nicht allzu häufig thematisiert und wenn doch, dann werden sie nur auf ihr Handicap reduziert und mit Klischees bedient, wie dass Menschen im Rollstuhl nur depressiv seien, weil sie nie wieder laufen können. Doch mit Verallgemeinerungen kommt man nicht weit. Kinder sollten lernen, dass sie auf behinderte Kinder offen zu gehen können und keine Scheu zeigen brauchen. Auch wenn es manchmal schwierig sein kann, sich miteinander zu unterhalten oder zu kommunizieren, irgendwie klappt es immer, notfalls mit Händen und Füßen.

Zu wenige Geschichten mit Behinderungen im Kinderfernsehen.

Mindestens zehn Prozent der Menschen weltweit sind behindert, darunter auch Kinder und Jugendliche, die mit einer Behinderung oder auch einer chronischen Krankheit leben müssen. Doch laut einem Bericht von Dr. Maya Götz und Elke Schlote zum Thema „Darstellung von Behinderung im Kinderfernsehen“ weisen weniger als ein Prozent der fiktiven Hauptdarsteller in Kindersendungen oder –filmen eine Behinderung auf. Dies ist ein Hinweis darauf, dass dem Thema noch zu geringe Beachtung in den Medien geschenkt wird. Meist werden Behinderte in Kindersendungen entweder als depressives Opfer oder als Superheld dargestellt. Der Umgang des Kinderfernsehens mit diesem Thema fördert bisher noch nicht das Zusammenleben und das Aufeinanderzugehen. Das Fernsehen braucht mehr Geschichten, die Kinder dazu ermutigen auf Menschen mit Handicap zu zugehen, mit ihnen in Kontakt zu treten und die unterschiedlichen Arten von Behinderungen aufzeigen.

Menschen müssen mehr über das Thema nachdenken und hierfür sensibilisiert werden.

Drehbuchautorin Claudia Boysen sagt: „Menschen mit Behinderungen finden zu wenig Beachtung in den Medien. Sie sind Teil eines Magazinbeitrages oder einer Dokumentation, aber in Kinderfilmen oder aus Sicht eines Kindes habe ich noch nichts über das Thema Behinderung gesehen.“ Mit ihrem Film „Ein bisschen mehr“, in dem ein Junge das Down-Syndrom hat, möchte sie erreichen, dass Kinder und Erwachsene darüber nachdenken, wie die Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft erleichtert werden kann.

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Der französische Film „Ziemlich beste Freunde“ gilt als einer der besten, der mit dem Thema Behinderung im Erwachsenenalter umgeht. Doch gibt es auch Sendungen oder Filme, die sich mit der Darstellung von behinderten Kindern beschäftigen? Ja, die gibt es! Im Jahr 2001 erschien der Film „Bobby“, basierend auf dem TV-Vierteiler „Liebe und andere Katastrophen“. Dieser beschäftigt sich mit einem Jungen, der am Down-Syndrom leidet und autobiographische Züge des Hauptdarsteller Rolf „Bobby“ Brederlow hat. Für seine schauspielerische Leistung und seine Verdienste, für die gesellschaftliche Gleichstellung für Menschen mit Behinderung, ist er vielfach ausgezeichnet worden. Der Film ist ohne Altersbeschränkung und zeigt auf anschauliche Weise, wie mit dem Down-Syndrom in einer Familie umgegangen werden kann und der Alltag gemeinsam gemeistert werden kann. Ein weiterer Film, der sich mit Down-Syndrom beschäftigt, ist der Film “Florian-Liebe aus ganzem Herzen”. Dieser handelt von einem siebenjährigen Jungen, der nach dem Tod seiner Mutter zu einer Adoptivfamilie kommt und das Leben der Familie auf den Kopf stellt.

Auch in der Sendereihe „Willi wills wissen“ wird sich in einer Ausgabe mit dem Thema Behinderung beschäftigt. Darüber hinaus zeigt der preisgekrönte Film „Die Blindgänger“ das Leben zweier blinder Mädchen im Alter von 13 Jahren. Hier wird auf einfühlsame Weise das alltägliche Leben der zwei Freundinnen gezeigt und das Thema Behinderung in eine originelle Geschichte verpackt mit Liebe und den ganzen Problemen, mit denen sich ein Teenager rumschlagen muss.

Mehr Akzeptanz in unserer Gesellschaft!

Die Darstellung von Behinderungen im Kinderfernsehen ist immer noch ein heikles Thema. Doch Kinder sollten damit in Kontakt gebracht werden. Es ist wichtig ihnen zu zeigen, wie damit umgegangen werden kann, um mehr Akzeptanz zu erreichen. Kinder müssen lernen, dass behinderte Kinder auch nur Kinder sind, allerdings mit anderen Ansprüchen und Lebensgewohnheiten.

Judith Neiber

Bildquellen:
© TV Spielfilm

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