Der Einfluss von Kindersendungen auf den Worterwerb

26. August 2013

Der Erwerb der Sprache gehört zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben im Kindesalter. Laut Forsa-Umfrage besitzt das Fernsehen in unserer Gesellschaft mittlerweile einen hohen Stellenwert und die Anzahl der Kindersendungen nimmt stetig zu. Kinder werden von ihren Eltern oder Großeltern immer früher an dieses Medium herangeführt -häufig mit der Begründung: „die Kleinen lernen ja auch was dabei“. Aber ist dies wirklich so? Können Kinder ihren Wortschatz und ihre Sprachfertigkeiten tatsächlich durch das Fernsehen festigen oder gar verbessern?

Das JFF (Institut Jugend Film Fernsehen) und Medienzentrum Parabol erstellte 2010 eine Expertise über sprachförderliche Potenziale der Medienarbeit in Kindertagesstätten. Demzufolge sind die strukturellen Eigenschaften des Fernsehens für eine Sprachförderung nicht optimal. Ein Kind sollte vor dem Fernseher also nicht nur „bespaßt“ werden, sondern wenn möglich auch noch etwas dabei lernen. Es sind jedoch einige Dinge, wie zum Beispiel die Altersbeschränkung, bei der Auswahl des Fernsehprogramms zu beachten. Generell lässt sich sagen, dass Fernsehen für unter Dreijährige aus medienpädagogischer Sicht nicht sinnvoll ist, da Kleinkinder die bunten Bilder nur in Bruchstücken erfassen und sehr begrenzt einschätzen und verarbeiten können.

Menschen haben einen aktiven und einen passiven Wortschatz. Schaut ein Kind eine Fernsehsendung, ohne dabei aktiv mitzumachen, kann sich so der passive Wortschatz erhöhen, selten jedoch der aktive. Deshalb ist es empfehlenswert, wenn Kinder sogenanntes „educational TV“ oder auch „Mitmach-Sendungen“ wie zum Beispiel „Die Sesamstraße“, „Dora the Explorer“ oder „Blues Clues“ schauen. Solche Sendungen sind durch einfache Strukturen, häufige Wiederholungen, langsames und deutliches Sprechen gekennzeichnet. Die Kinder werden hierbei direkt von den Figuren und Personen angesprochen und zum Mitmachen animiert. Durch Beobachtung und Nachahmung erlernen die Kleinen spielerisch verschiedene Fertigkeiten. Die Sendungen orientieren sich in der Regel an den Interessen und den Alltagsproblemen von Kindern. Dadurch fühlt sich die Zielgruppe angesprochen und verstanden und ihr Interesse an der Sendung wird gehalten. Zudem erinnern sich die kleinen Zuschauer viel länger an Dinge, die sie mit ihrer eigenen Lebenssituation verbinden. Da sich die Entwicklungsschritte bei Kindern von Alter zu Alter unterscheiden, werden die verschiedenen Fernsehsendungen meist speziell auf die Entwicklungsstufe der Zielgruppe zugeschnitten, wodurch dann der Lerneffekt verbessert werden kann.

Aus logopädischer Sicht sollte jedoch beachtet werden, dass viele beliebte Sendungen aus anderen Ländern stammen und lediglich für das deutsche Fernsehen synchronisiert wurden. Die Folge davon ist, dass sich so ein falsches Mundbild für die deutsche Sprache ergibt, was Kinder bei der Aussprache der Wörter verwirren kann. Eben dies geschieht auch bei Cartoons– wobei hier auch noch hinzukommt, dass die menschliche Mimik auf ein Minimum reduziert ist. Des Weiteren nehmen die Kinder eine passive Rolle bei dem Schauen von Cartoons ein. Dadurch wird der aktive Wortschatz in der Regel nicht gefördert.

Es wurde bestätigt, dass beim Fernsehen neben der Sprache auch spezielle Bildformen, Töne und Geräusche sprachliche Mitteilungen erklären und kommentieren können. Dadurch kann das Verständnis des dargebotenen Inhalts unterstützt werden. Idealerweise sollte die Mediennutzung durch erwachsene Bezugspersonen begleitet werden und die Fernsehdauer sollte altersgemäß beschränkt werden.

Bei der Kindersendung „Teletubbies“ wurde von amerikanischen Psychologen der Wake Forest University in einer Studie herausgefunden, dass Kinder die jünger als 22 Monate sind, von der Sendung zwar unterhalten werden, ihr Wortschatz sich dadurch aber nicht erweitert. Besonders Kleinkinder lernen die Sprache am besten, wenn ihnen diese in direkter Interaktion mit einem Menschen vermittelt wird, so Marina Krcmar, Associate Professor der Wake Forest University.

Fazit:

Kinder können die Sprache durch Fernsehen allein nicht lernen. Zwar ist eine Erweiterung des Wortschatzes durch Sendungen wie „die Sesamstraße“ möglich, jedoch betrifft dies in der Regel nur ältere Kinder. Bei Kleinkindern bis zu zwei Jahren bleibt der Lerneffekt aus. Sie sollten am besten durch direkte menschliche Interaktion an das Erlernen der Sprache herangeführt werden. Ab einem Alter von etwa drei Jahren kann dann, durch die passende Auswahl von altersgerechten Fernsehsendungen, der Wortschatz der Kinder tatsächlich erweitert und das Sprachverständnis verbessert werden.

Jasmin Rolle

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