taschenfunk – das Handy als Unterrichtswerkzeug

28. Juni 2009

Nach einem Jahr praktischer Arbeit mit Schülern in Medien-AGs konnte die Ludwigshafener gGmbH ‘medien+bildung.com’ ihr Ergebnis präsentieren: Die Broschüre „taschenfunk“ zum Einsatz des Mobiltelefons als Unterrichtshilfsmittel. Mit medienbewusst.de sprach die Medienpädagogin Maren Risch über dieses Projekt und das Potenzial des Multimedia-Gerätes im Unterricht.

maren_risch_artikel_2.jpgFrau Risch, was gilt es Ihrer Meinung nach bei dem Umgang mit Kindern und Handys zu beachten?

Kinder und Jugendliche haben Handys oder sind daran interessiert. Gerne überreden sie ihre Eltern zum Kauf eines Mobiltelefons. Bei der Anschaffung müssen Eltern allerdings einiges beachten – die anfallenden Kosten, den Umgang mit Bluetooth oder den Zugang zum Internet. Dazu gibt es hilfreiche Broschüren, zum Beispiel von handysektor.de. Allgemein ist es wichtig, über den Umgang mit dem multimedialen Alleskönner zu reden. Das heißt in diesem Fall nicht nur die Gebrauchsanweisung zu lesen, sondern auch über kritische Inhalte und Kostenfallen wie Abos für Klingeltöne zu sprechen.

Im Fall „taschenfunk“ haben Sie die Rolle des Ansprechpartners im Unterricht übernommen.
Welche Idee steckt hinter diesem und dem im Sommer anlaufenden Projekt „myMobile“?

medien+bildung.com leistet seit Jahren sehr gute praktische Arbeit in den Medien-AGs. Tenor ist, dass Handys aus den verschiedensten Gründen in der Schule nicht erwünscht sind. Das Potenzial wurde noch nicht erkannt, die Kompetenzen der Schüler sind aber definitiv vorhanden. Aus dem Austausch mit Wissenschaftlern entstand die Idee, das Konzept des „mobile learning“ praktisch zu erproben. Wir wollen damit in der Schule einen Brückenschlag wagen. Die Kompetenzen, die in der Freizeit funktionieren, sollen gezielt in den Unterricht einfließen. Dazu haben wir Methoden entwickelt und unter anderem in der Broschüre „taschenfunk“ veröffentlicht. Das Projekt „myMobile“, das aus der taschenfunk-Idee entstanden ist, wird nach den Sommerferien starten. „taschenfunk“ gab bereits Raum zum Ausprobieren und Entwickeln. Die gesammelten Erfahrungen wollen wir jetzt weitergeben und noch mehr dazulernen. „myMobile“ ist die systematische Umsetzung des Themas mit Lehrer und Schüler im Fachunterricht.

Wie binden Sie das Handy denn in den Unterricht ein?

Eine Stunde wird in der Regel nicht komplett mit dem Handy bestritten. Es kommt zum Einsatz, wenn es sinnvoll ist und einen Mehrwert hat. In den Naturwissenschaften beispielsweise: Versuchsaufbauten und –verläufe können mit der Fotofunktion des Handys dokumentiert und zuhause anhand der Bilder verschriftlicht werden. Besonders die Dokumentation von Langzeitversuchen ist dabei interessant. Das Mobiltelefon schöpft das Potenzial eines tragbaren Speichers dabei optimal aus und die Schüler arbeiten motiviert mit.

Es ist sicherlich auch wichtig, die Schattenseiten der Handynutzung aufzuzeigen. Wie werden diese denn in der Arbeit mit den Schülern vermittelt?

Während des Projekts werden die problematischen Aspekte des Handyeinsatzes immer wieder besprochen. Gerade über das Thema Kostenfalle können viele ältere Schüler schon aus eigenen Erfahrungen berichten. Auch „Cyber-Mobbing“ ist ihnen ein Begriff. Interessant ist es auch, sich die Filme auf den privaten Handys zeigen zu lassen. Da wird schnell deutlich, wo es noch mehr Aufklärungsbedarf gibt. Sicher ist die Arbeit hier von Schule zu Schule unterschiedlich.

Welche Lernerfolge versprechen Sie sich generell von diesem Unterrichtswerkzeug?

Das Handy kann ein Impulsgeber sein. Gerade unmotivierte Schüler bekommen einen Anreiz, sich neu einzubringen. Besonders dann, wenn sie eine hohe Kompetenz bei der Handhabung des Mobiltelefons haben. Das Handy kann aber auch bei Projekttagen eine Abwechslung sein. Schüler können ihre eigenen Ideen schnell umsetzen. Sie haben entschieden mehr Möglichkeiten. Lernerfolge sind die klassischen Bereiche: kritische Reflexion der Medien(-inhalte), allgemeine Medienkunde, aktive Nutzung und Anwendung des Mediums und Kenntnisse der kreativen Gestaltungsmöglichkeiten.

Wie würden Sie Skeptiker vom Einsatz des Handys als Unterrichtswerkzeug überzeugen?

Im Gespräch, aber noch lieber im praktischen Versuch. Geocachen, die Schnitzeljagd mit GPS, ist beispielsweise ein guter Einstieg in die Arbeit mit dem Handy. Wir haben bereits mit verschiedenen Schülergruppen gearbeitet und haben tolle Erfahrungen gemacht. Ich würde immer empfehlen, es zumindest auf einen Versuch ankommen zu lassen!

Wo sehen Sie das Handy an Schulen in der Zukunft?

Es wird noch mehr ein tragbarer Computer sein, der immer und überall im Einsatz ist. Die Fähigkeit damit zu arbeiten wird eine wichtige Komponente im Alltag sein. Dafür müssen die Geräte natürlich noch ansprechender werden. Nicht nur die Schüler lernen dazu, auch die Technik wird bedienungsfreundlicher werden.

medienbewusst.de bedankt sich bei Maren Risch und medien+bildung.com für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Annika Heselbarth

Bildquelle:
Privat

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Kommentare

Ein Kommentar zum Artikel “taschenfunk – das Handy als Unterrichtswerkzeug”

  1. Der Einsatz von Handys im Unterricht | Kant Begegnung am 5. März 2013

    […] Eine Bildungseinrichtung versucht nun die Integration des polarisierenden Mediums und setzt auf die kreative Nutzung der Mobiltelefone in der Schule. Das Projekt, unter dem das Ganze läuft, nennt sich taschenfunk und wird in sogenannten Multimedia AGs durchgeführt. Im Rahmen dieser wird der kreative Umgang mit den Handys geschult. Texte und Arbeitsblätter zum Projekt können sich Interessierte hier als pdf runterladen. Eine andere Art “kreativen Umgangs” mit dem Medium Handy verspricht ja die Einführung der Schulschwänzer-SMS, wie an dieser Stelle bereits berichtet wurde. […]