Social Media – Chance oder Gefahr?

17. Dezember 2012

Viele Eltern haben Angst vor den Gefahren des Internets und wissen oft nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Im November fand in Jena ein Informationstag für Eltern und Lehrer statt, den die Initiative MEiFA in Zusammenarbeit mit dem Jenaer Jugendamt und des NetPaed Teams Jena veranstaltet hat. medienbewusst.de war für Sie mit vor Ort dabei

Der Abend begann um 19 Uhr in der Aula der Adolf-Reichwein Gesamtschule – ein passender Ort, um sich mit einem Thema der Jugend auseinanderzusetzen. Wo sich tagsüber zahlreiche Schülerinnen und Schüler aufgehalten hatten, saßen nun etwa 80 Eltern und Lehrer, um sich über ein wichtiges neuzeitliches Thema zu informieren: Das Web 2.0 für Kinder und Jugendliche.

Das Facebook-Datenzentrum im amerikanischen Oregon

Was ist das Web 2.0? Der Begriff, der synonym zu Social Media (Soziale Medien) verwendet wird, bezeichnet Webseiten und Internetanwendungen, die einen interaktiven Charakter besitzen. Hier wird der Inhalt also nicht nur vom Benutzer konsumiert, sondern auch von ihm selbst erstellt. Die bekanntesten Beispiele sind Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter oder das Online-Lexikon Wikipedia. Facebook ist das wohl am weitesten verbreitete Soziale Netzwerk. Hier können sich weltweit Nutzer ein persönliches Profil anlegen, sich mit Freunden und Bekannten vernetzen und Informationen und Nachrichten austauschen. Die Seite hat in Deutschland das früher sehr verbreitete StudiVZ ersetzt und ist zugänglich für Nutzer ab 14 Jahren. Auch das Mobile Web gewinnt derzeit immer mehr an Bedeutung. Der Begriff bezeichnet die ortsunabhängige Internetnutzung mithilfe von Smartphones oder anderen mobilen Endgeräten.

Nach einer Begrüßung durch die stellvertretende Schulleiterin Regine Emmrich, begann Anne Hensel vom MeiFa-Projekt des Landesfilmdienstes mit einem Vortrag über Chancen und Gefahren von Internetmedien. Sie zeigte zunächst den Entwicklungsprozess auf, wie Kinder in die Medienwelt einsteigen. Demnach fangen sie zunächst mit dem Lesen von Bilderbüchern an, dann folgen Hörbuch und Fernsehen. Mit etwa 5 Jahren hören sie auch Radio und mit dem Lesenlernen folgen bei Achtjährigen Computer und Konsolenspiele. Mit etwa 10 Jahren kommen das Handy und das Internet hinzu. Studien zum Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen werden jährlich vom MPFS durgeführt und auf www.mpfs.de veröffentlicht. Noch im Jahr 2010 war laut Hensel Fernsehen das wichtigste Medium für Kinder und Jugendliche. Der Trend habe sich aber dahin entwickelt, dass Musik, Handy und Internet an die erste Stelle rücken.

Internet-Medien sind demnach Teil des Alltags und man kann sie sich nicht mehr wegdenken. Kindern und Jugendlichen helfen sie sogar wichtige psychologische Entwicklungsaufgaben zu meistern, wie z.B. das Aufbauen eines Freundeskreises oder das allmähliche Lösen vom Elternhaus. Außerdem reflektieren die Jungen und Mädchen sich einmal selbst beim Erstellen und Pflegen eines Online-Profils. Sie stellen sich Fragen, wie: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Was mag ich? Soziale Netzwerke dienen ihnen auch als Informationsquelle und Austauschforum. Hier können Interessen und Probleme geteilt werden. Sie können Organisationshilfe sein, so dass zum Beispiel Gruppen miteinander sprechen und sich gemeinsam verabreden können. Zudem besteht die Möglichkeit weltweit Kontakte zu knüpfen. Daneben gibt es viele weitere Funktionen, wie Unterhaltung, Selbstdarstellung oder Entspannung. Die wichtigste Funktion ist und bleibt aber die Kommunikation.

Soziale Netzwerke sind häufig ein großer Streitpunkt in Familien. „Stärken statt bewahren“ lautet ein Tipp, der den Eltern mit auf den Weg gegeben werden kann. Denn verbieten lassen sich die Anwendungen und Webseiten des Web 2.0 in unserer medialen Welt nur schwer und sind die Kinder dann auf sich allein gestellt, können weitaus größere Probleme folgen. Neben den genannten Vorteilen birgt das Internet nämlich auch einige Gefahren. So wie man früher sein Poesie-Album oder Freundschaftsbuch mit Freunden ausgetauscht hat, so zeigt man heute sein Facebook-Profil der ganzen Weltöffentlichkeit. Genau dieser Punkt ist vielen Kindern häufig nicht bewusst, und dass es Privatsphäre-Einstellungen gibt, wissen einige gar nicht. Das Internet enthält in seiner großen Fülle auch jugendgefährdende Inhalte, vor denen sich die junge Generation schlecht schützen kann. Versteckte Kosten in Gewinnspielen oder anderen Spielen zielen auf ihre Unwissenheit ab. Für jüngere Kinder sind daher Kindersuchmaschinen (z.B. www.fragfinn.de) eine gute Möglichkeit, sicher im Netz zu „surfen“. Auch können Mütter und Väter Favoritenlisten mit sicheren Seiten für die Kleinen anlegen. Wichtig ist es, den Kindern klarzumachen, dass nirgendwo persönliche Daten einzugeben sind und dass alles von ihnen Eingegebene, wie auf einer Fußgängerzone, öffentlich sichtbar sein kann. Andere Gefahren können unangenehme Chat-Kontakte, eine übermäßige zeitliche Nutzung des Internets oder auch Cybermobbing sein. Auch wurde bereits oft in den Nachrichten von eskalierten „Facebook-Partys“ berichtet. Und was geschieht mit dem Freundes-Begriff? Ist es gut, über 200 „Freunde“ zu haben? Und kann man diese überhaupt Freunde nennen? Diese und viele weitere Fragen müssen zum Thema Web 2.0 gestellt werden.

In etwas kleineren Gruppen fand im Anschluss an den lehrreichen Vortrag ein Workshop statt, in dem die Eltern und Lehrer ihre Ängste und Erfahrungen austauschen konnten. Es fiel vor allem auf, wie verschieden die die einzelnen Erwachsenen über das Internet in Bezug auf ihre Kinder dachten. So gab es Mütter, die Facebook komplett ablehnten und es ihren Kindern verboten. Andere wiederum wussten genau über die Profile und Facebook-Nutzung ihrer Kinder Bescheid. Eine Mutter sagte, sie sei sehr dankbar, dass ihr Mädchen, obwohl es auf dem Dorf wohne, jederzeit mit ihren Freunden in Kontakt sein könne. Eine andere meinte, sie käme gar nicht mehr an ihren Jungen heran, weil dieser nur vor dem Bildschirm säße. Auffällig war die große Unkenntnis über die Materie, die bei vielen im Raum vorherrschte und damit verbunden, häufig auch Angst und Sorgen. Gemeinsam wurden daher rechtliche Fragen und auch Fragen zur Nutzung sozialer Netzwerke geklärt. Die Kinder sollten eine Sensibilität in Bezug auf das Netz entwickeln und vor allem darauf achten, keine Bilder und Namen zu benutzen, die Rückschlüsse auf ihre Person zulassen. Ein sehr großer Gewinn des Treffens entstand sicher auch durch den gemeinsamen Austausch der Mütter und Väter, die sich den gleichen Herausforderungen zu stellen hatten. Denn eins hatten alle Anwesenden gemeinsam: Die Fürsorge und Betreuung der Kinder beim Aufwachsen in der Medienwelt.

Ulrike von Pokrzywnicki

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