Erste Folge: Stereotype in Kinderfilmen – Weibliche Charaktere

15. März 2009

Biest_Film_1.jpg

Das Heimchen am Herd? Oder„nur“ die schöne Begleiterin des mutigen Helden? Glaubt man den Aussagen der Küchenhoff-Studie zum Thema „Darstellung der Frau und die Behandlung von Frauenfragen in der medienspezifischen Wirklichkeit des Deutschen Fernsehen“ aus dem Jahre 1993, dann ist die Frau, beziehungsweise das Mädchen, im Spielfilm nur auf eine Nebenrolle festgelegt. Sie wird auf ihre äußerliche Attraktivität reduziert, ist häufig der Typ „jung, ledig, sucht“ oder im anderen Extrem Hausfrau und Mutter. Bezieht man dieses nunmehr 15 Jahre alte Phänomen auf Kinderfilme aus der heutigen Zeit, ausgenommen dem Typ „jung, ledig, sucht“, der wohl eher weniger in solcher Art von Film vorkommen dürfte, findet man sie relativ schnell wieder, die typische weibliche Nebendarstellerin.

Ob es die dunkelhaarige Prinzessin Jasmin aus „Aladdin“ ist, die rehäugige Belle aus „Die Schöne und das Biest“ oder auch Falbala, die Herzensdame von Obelix aus „Asterix und Obelix gegen Cäsar“: Sie alle sind hübsch anzuschauen und müssen von ihrem mutigen Helden aus den Klauen des Bösen gerettet werden. Dieser Typ Frau dient also hauptsächlich als Anreiz für den Helden, sein Abenteuer zu bestehen. Ein weiterer, eher nebensächlicher Typ Frau wäre die Spielgefährtin des Helden, wie es zum Beispiel Nala aus „Der König der Löwen“ ist, die ihrem Freund Simba treu zur Seite steht und kein Abenteuer auslässt. Doch als wirkliche Heldin ist auch sie nicht zu charakterisieren. Die Entwicklung und das Besiegen des Bösen durchlebt auch hier der männliche Charakter.

Aber ist dieses veraltete Frauenbild der hilflosen Schönheit denn wirklich die Regel? Nein, ist es nicht! Es gibt sie, die starken, intelligenten und mutigen Mädchen! Als Paradebeispiel kann man hier Hermine aus „Harry Potter“ nennen. Zwar ist sie nicht die Hauptakteurin, aber doch immerhin der kluge Kopf im Hintergrund, der sich für kein Abenteuer zu schade ist. Hermine ist ernster, vernünftiger und intelligenter als ihre männlichen Mitstreiter und ihnen deshalb so manches Mal überlegen! Hier lässt sich ein Vergleich zu einem Film für Erwachsene ziehen, denn auch „M.“, die Chefin von James Bond, ist so eine kompetente Frau, die die Fäden aus dem Hintergrund zieht. Dieser neue Frauentyp ist selbstständig  und schreckt vor keiner Gefahr zurück.
Es gibt bereits viele weitere Kinderfilmbeispiele auf deren weibliche Figuren diese Charaktereigenschaften zutreffen, zum Beispiel die kleine Alice aus dem Wunderland, Pippi Langstrumpf oder Ada aus „My Girl“. Sie alle haben ein schweres Schicksal, sind in einer fremden Umgebung, alleine auf sich gestellt oder haben gar ihre Mutter verloren! Und trotzdem überstehen sie jede noch so kniffelige Situation, natürlich immer mit ein paar Freunden an der Seite, aber letztendlich sind sie die starke Persönlichkeit.

Wenn man ein bisschen weiter denkt, kommt einem ein weiterer weiblicher Charakter in den Sinn, nämlich das Böse in Person. Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“, Aschenputtels Stiefmutter oder die böse Hexe aus „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, sie alle sind schlau und gerissen, aber genauso auch intrigant und bösartig. Speziell aus dem Grund der Schlauheit werden gerade Frauen für die Rolle des Bösewichts ausgesucht: Im Gegensatz zu den männlichen Rollen agieren sie nicht mit Gewalt, um ihre Gegner zu bekämpfen, vielmehr denken sie sich listige Intrigen aus, mit denen sie ihre Widersacher ins Abseits befördern. Eine Rolle, die wohl noch lange erhalten bleiben wird, denn sonst würde der Kinderfilm an Spannung verlieren.

Und was ist mit dem Stereotyp Hausfrau und Mutter in Kinderfilmen? Auch diese Rolle gibt es noch, wenn man an Alice im Wunderland, oder, ein aktuelleres Beispiel, Stuart Little denkt. Doch auch dieses Bild bleibt so nicht bestehen!
Die Mutter der Lottchen-Zwillinge muss ihre Tochter alleine groß ziehen und arbeitet von früh bis spät. Und was ist mit Heidis Mutter, die ohne Mann eine Pension führt, bevor sie stirbt? Was bisher noch fehlt, ist der Muttertyp, der nicht aufgrund einer misslichen Lage arbeiten geht, sondern aus freien Stücken, um sich selbst zu verwirklichen. Besinnt man sich nun wieder auf die Küchenhoff-Studie ist festzuhalten, dass das hilflose hübsche Mädchen weiterhin im Kinderfilm vorkommt, gleichwohl bahnt sich aber auch die intelligente Abenteurerin ihren Weg in die Kinderherzen. Man sieht, der Kinderfilm entwickelt sich weiter!

Die nächste Folge der Reihe: Stereotype in Kinderfilmen finden Sie am 26.04.2009 auf medienbewusst.de!

Julie Peignois

Quellen:
http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/muehlenachs_frauenbilder/muehlenachs_frauenbilder.html
http://www.kinderfilm-online.de/film-abc

Bildquelle:
http://www.swschwedt.de/kunden/micipage/data/22201_D.jpg

Ähnliche Beiträge