Werkstatt für mehr Medienkompetenz

16. September 2010

Im nächsten Jahr begeht die Medienwerkstatt der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) ihr 10-jähriges Jubiläum. Mit dem Ziel Medienkompetenz zu fördern, wurde das Projekt ins Leben gerufen – mit Erfolg. Denn seither ist die Werkstatt im gesamten Bundesland gefragt. Vom 26.06. bis 02.07. fand mit dem Mediencamp 2010 eine außergewöhnliche Art des Projektes statt. medienbewusst.de sprach mit TLM-Mitarbeiterin Judith Zeidler über Grundzüge und Ziele der Medienwerkstatt und über die Verbindung zum Medium Film.

Was kann man sich unter der Medienwerkstatt der Thüringer Landesmedienanstalt vorstellen?

Die Medienwerkstatt ist eine mobile Einrichtung, die Medienkompetenz in Thüringen fördern soll und zwar bei Kindern und Jugendlichen, bei Pädagogen und professionell Erziehenden und natürlich auch bei Eltern und Erwachsenen. Wir beschäftigen uns inhaltlich mit allen möglichen Medienthemen und wir arbeiten auch mit verschiedenen Medien, das heißt wir arbeiten mit Radio, Fernsehen, Internet, Handy und Computerspielen. Darüber hinaus sind wir eine mobile Einrichtung, das bedeutet, wir kommen bis in das kleinste Dorf Thüringens und machen mit den Interessenten vor Ort verschiedene medienpraktische Projekte.

Wie läuft das Projekt ab? Kommen Sie beispielsweise direkt zu einem Kindergarten, der sie angeschrieben hat und führen mit den Kindern vor Ort Projekte durch?

Ganz genau. Zunächst ist es so, dass wir viel Wert auf ein Vorgespräch legen. Dabei muss man wissen, dass wir eine unglaubliche Nachfrage haben. Wir können gar nicht alle Projekt durchführen, die wir gern realisieren würden. Wir klären also vorab mit den Einrichtung die Details und die Rahmenbedingungen. Und wenn das Projekt startet, dann fahren die jeweiligen Kollegen ganz genau dort hin und bringen alles mit, was nötig ist. Wichtig ist dabei noch zu erwähnen, dass wir drei VW-Busse haben, in denen wir die Technik zu den Einrichtungen transportieren können.

Wer führt die Medienwerkstätten durch?

Das sind ausgebildete Medienpädagogen, die mit den Kindern die Projekte durchführen. Aber man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir ein großes Team hätten. In der Medienwerkstatt arbeiten genau zwei Medienpädagogen.

Was können Kinder bei Ihnen in der Medienwerkstatt über das Medium Film lernen?

Bei jedem Medium kommt es darauf an, wie alt die Zielgruppe ist. Also, wenn wir von Vorschulkindern sprechen, dann setzen wir zunächst kleine Methodenbausteine mit ihnen um. Aus dem Grund, dass sie eben auch anfangen zu hinterfragen, wie funktioniert Film eigentlich. Also dann wird beispielsweise dieses klassische Daumenkino gebastelt und wir gestalten mit ihnen auch verschiedene Vorstufen eines Films.

Mit Kindergartenkindern würden wir nie einen richtigen Film drehen, indem sie als Schauspieler agieren, weil das ja rein entwicklungspsychologisch völliger Quatsch ist. Sie sollen erstmal verstehen: Was ist überhaupt ein Film? Und da gibt es eben ganz präzise Bausteine, für die wir Leitfäden entwickelt haben. Das Maximale, was wir im Vorschulbereich machen, sind kleine Trickfilmprojekte. Ansonsten malen die Kinder. Sie erarbeiten die Geschichte, malen diese Geschichte und die gemalten Bilder werden dann aneinandergelegt und abgefilmt.

Wissen Sie schon, wann die nächste Medienwerkstatt stattfinden wird?

Also die Kollegen sind jede Woche unterwegs. Ein ganz besonderes Projekt ist dabei auch unser thüringenweites Mediencamp, wo wir u.a. auch Filme mit den Kindern erstellen. Dort treffen sich 50 Kinder und Jugendliche aus ganz Thüringen im Alter von zehn bis 16 Jahren gemeinsam eine Woche lang in verschiedenen Teams, um Medien zu erarbeiten. Die zwei klassischen Film-Teams kreieren dabei eine eigene Geschichte und setzen diese dann auch um – also von der Idee bis zum fertigen Film oder fertigen medialen Produkt.

Können Sie kurz die Ziele der Medienwerkstatt zusammenfassen?

Das große Ziel ist natürlich Medienkompetenz zu fördern. Das steht ganz oben und wenn man das her- unterbricht, ist mir wichtig, die Förderung von Medienkompetenz als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten. Insofern ist es das Ziel der Medienwerkstatt, in der ganzen Bevölkerung dazu beizutragen, Medienerziehung und Medienbildung zu fördern.

Um das zu realisieren arbeiten wir mit verschiedenen Zielgruppen zusammen und eben nicht nur im Schulbereich mit Kindern und Jugendlichen. Wir beziehen insbesondere auch die Eltern mit ein, indem wir Elternabende anbieten. Hier vermitteln wir ganz praktische Bausteine für Eltern und Kinder und erarbeiten Konzepte für die Familienarbeit. Diese setzen wir auch um, indem wir Multiplikatoren schulen. Das heißt Erzieherinnen und Erzieher, Kindertagesstätten und Horte oder auch die Lehrer an den Schulen. Sie können bei uns lernen in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich mit Medien zu arbeiten, weil Medien ein wichtiger Teil in der Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen, von Heranwachsenden sind.

medienbewusst.de bedankt sich bei Judith Zeidler und der TLM Medienwerkstatt für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Durchführung der Projekte.

Juliane Möller

Bildquelle: Portraitfoto zur Verf. gestellt v. Judith Zeidler

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