Hinter den Kulissen der Talentsuche

10. Dezember 2010

Castingshows im Fernsehen gibt es zur genüge und vor allem Kinder eifern ihren Stars aus Film und Fernsehen oft nach. Bei Vielen ist der Wunsch im Rampenlicht zu stehen groß und hier sind besonders die Eltern gefragt. Antje Mews ist geschäftsführende Gesellschafterin der filmissimo GmbH in Erfurt und spezialisiert auf das Finden von Komparsen und Kleindarstellern. medienbewusst.de sprach mit der diplomierten Kulturwissenschaftlerin über Chancen und Risiken für Kinder, die in dieser Branche Fuß fassen wollen.

Frau Mews, wie finden interessierte Eltern geeignete Kinder-Casting-Agenturen für ihr Kind?

kino_pdm_antje_mews.jpgGenerell kann die Suche über Zeitungen, Radiosender oder kostenlose Beilagen erfolgen. Dort werden immer wieder Kinder-Castings angeboten oder Kleindarsteller gesucht. Dabei sollten sich Eltern im Vorfeld über die jeweilige Agentur informieren und sicherstellen, dass sie sich mit der Agentur wohlfühlen. Sprich: Wie ist die Arbeitsatmosphäre in der Agentur, wie gehen die Mitarbeiter mit den Kindern um, handelt es sich hierbei um eine kindgerechte Umgebung etc. Grundsätzlich wäre damit der erste Schritt schon einmal getan.

Und wenn das sicher gestellt ist, wie geht es dann weiter?

Bei dieser Frage müssen zuallererst die Unterschiede zwischen Komparsen- und Castingagenturen geklärt werden, denn die Aufnahmegebühren unterscheiden sich enorm.

Komparsenagenturen verlangen in der Regel keine Gebühr für die Aufnahme in eine Kartei. Hier gilt grundsätzlich die Regel: Es wird mit dem Komparsen verdient und nicht an ihm. Im Gegensatz dazu, ist es nahezu bei jeder Kinder-Casting-Agentur üblich, eine Aufnahme- oder Jahresgebühr zu begleichen. Meiner Meinung nach sollte der Jahresbeitrag aber keinesfalls die 70 Euro- Grenze überschreiten, auch wenn hierbei das Schießen von Fotos mit im Preis enthalten ist.

Wo liegt generell der Unterschied zwischen Komparsen- und Castingagenturen?

Bezogen auf die Film- und Fernsehbranche sind Kleindarsteller und Komparsen zu unterscheiden. Kinder, die in Filmen oder Telenovelas auftreten und dabei tragende Rollen spielen, sind Kleindarsteller. Sie sprechen Text und haben eine Auswirkung auf die Handlung. Komparsen hingegen, und das gilt für jung und alt, haben selten tragende Schauspiel- oder Schlüsselrollen. Sie haben keinen Text und wirken eher im Hintergrund mit.

Muss mein Kind bestimmte Vorkenntnisse mitbringen oder ganz besonders auffallen, um bei einer Agentur erfolgreich zu sein?

Diese Frage kann ganz klar mit NEIN beantwortet werden. Manchmal ist es genau der kleine, etwas pummelige Junge mit Segelohren, den wir suchen. Individualität spielt eine sehr große Rolle, vor allem sollte das Kind auch nicht zu schüchtern sein. Wir suchen nicht unbedingt bildhübsche Kinder sondern vielleicht eher Charaktere mit Ecken und Kanten. Generell hat jedes Kind eine Chance in der Komparserie oder anderen Kinder-Casting-Agenturen Fuß zu fassen. Das wichtigste dabei: Das Kind sollte es wollen und nicht die Eltern.

Vorausgesetzt mein Kind möchte eine Rolle in einer Serie spielen und hat eine kleine Komparsenrolle ergattert. Wie bereite ich es sinnvoll für seinen Auftritt vor?

Eltern sollten immer mit offenem Interesse an die Sache herangehen. Vielleicht schaut man sich gemeinsam einen Film an und hinterfragt bestimmte Szenen oder Schauspieler. Man sollte so viele Fragen des Kindes wie möglich beantworten, ohne es in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen. Ist das Kind wirklich an der Schauspielerei interessiert, kann man es in kleine Theater-AG’s unterbringen. Informationen dazu gibt es auch beim Landesmedienamt. Auf keinen Fall sollten Eltern zu Beginn viel Geld und Zeit in Komparsen- oder Schauspieltrainings für Kinder investieren. Diese sind meiner Meinung nach nur Geldschneiderei.

Was verdient ein Kind denn als Komparse? Und gibt es rechtliche Bestimmungen, die ich als Elternteil bedenken muss?

Bei der Komparserie erhält jeder Komparse, ob jung oder alt, 55 Euro Grundgage. Dabei sind sehr wohl strikte rechtliche Bestimmungen einzuhalten, vor allem wenn es um Kleindarsteller geht. Grundsätzlich dürfen Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren nicht länger als fünf Stunden täglich am Set sein. Weiterhin müssten ärztliche Atteste, Schulbescheinigungen und Genehmigungen des Jugendamtes eingeholt werden. Liegen diese bei Drehbeginn nicht vor, darf das Kind nicht vor die Kamera. Damit werden Kinder vor zu viel Arbeit und Überforderung geschützt.

medienbewusst.de bedankt sich bei Antje Mews für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Talentsuche.

Evelyn Horvath

Bildquelle: Portraitfoto zur Verf. gestellt v. Antje Mews

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