Medien-Nachhilfe für Lehrer

8. Juni 2009

Im Geraer Clubzentrum Comma fanden anlässlich den Goldenen Spatzes Workshops für Lehrer und Pädagogen statt. Unter dem Titel „Treffpunkt Medienpädagogik“ stellten verschiedene Redner aktuelle Lehrmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse zum kindgerechten Umgang mit dem Internet vor.

338955_340561_1_lo_logo_rgb.jpgGabi Netz, die Leiterin von Lehrer-Online, will den Lehrern vor allem die Angst nehmen, sich für den Unterricht mit PCs vorzubereiten. Ein guter Unterricht lebt ihrer Meinung nach davon, dass er gut strukturiert ist. Diese Struktur droht schnell verloren zu gehen, wenn Kinder in Kontakt mit Computern kommen.

Dann kommt es auf die Fähigkeit des einzelnen Lehrers an, gekonnt die Aufmerksamkeit der Klasse wieder für sich zu gewinnen, um effektiv am PC arbeiten zu können. Der ideale Unterricht wäre eben der, der zwar strukturiert – an bestimmten Stellen aber improvisiert sei. Lehrer sollten daher ihre Unsicherheiten abbauen und den Kindern die Möglichkeit geben schon früh mit der Computerarbeit in Kontakt kommen. Der PC ist für Kinder und Jugendliche das Leitmedium und so, wie das Buch als Medium vor vielen Jahren Einzug in den Unterricht fand, soll nun der Computer diese Chance bekommen.

Gabi Netz vom Portal lehrer-online.de gab eine umfassende Einweisung zur Webseite und erklärte, welche Chancen und Möglichkeiten Lehrer und Medienpädagogen im Umgang mit der Homepage haben.
Lehrer-Online wird von fünf Redakteuren bearbeitet und stellt immer aktuell Lehrplan und Wissensvermittlungsmodelle für Lehrer zum Abruf bereit. Wie der Slogan des Portals erahnen lässt, geht es darum, „digitale Medien im Unterricht“ gezielt einzusetzen. Dabei bedient man sich dem vorhandenen technischen Grundwissen der Schüler bei der Arbeit am PC und ihrer Begeisterung zum Umgang mit digitalen Medien. Die heutige Generation der Schüler wächst in einer digitalen Welt auf, nutzt deren Möglichkeiten jedoch noch nicht ausgiebig für effektiven Lernerfolg.

In einem weiteren Seminar referierte Bettina Sieding, freie Referentin für Jugendmedienschutz, über die Chancen und Risiken sozialer Online-Netzwerke. Fokussiert wurden zum einen das aktuelle Nutzerverhalten der Jugendlichen und die daraus resultierenden Konsequenzen, sowie potentielle Chancen durch den gezielten Einsatz und den Umgang mit Netzwerken. Am derzeitigen Umgang Jugendlicher mit dem Internet wird vor allem bemängelt, dass diese sich zumeist nicht darüber im Klaren sind, dass sie im Internet Spuren hinterlassen. Anders als beim eigenen Fernsehen im Kinderzimmer agieren Kinder aktiv mit anderen Personen im Netz. Der Grad der Selbstdarstellung ist hierbei der problematische Punkt, bei dem sich Kinder und Jugendliche in Online-Netzwerken Profile erstellen, die oft viel mehr über sie preisgeben, als es gut wäre.

Selbstdarstellung der Schüler im Netz
Im Allgemeinen betrachtet Bettina Sieding die heutige Generation Jugendlicher als Versuchskaninchen in der Welt digitaler Netzwerke. Noch sind zwar keine erheblichen Schäden oder negativen Auswirkungen bekannt geworden, die durch zu exzessive Selbstdarstellung im Internet auftraten, jedoch ist diese Form des Internets noch vergleichsweise jung. StudiVZ wurde beispielsweise im Oktober 2005 gegründet, zwei Jahre später ging das SchülerVZ für jüngere Zielgruppen online. Deswegen können sich Spätfolgen einer übertriebenen Selbstdarstellung noch nicht abzeichnen. Selbstdarstellung in Netzwerken kann allerdings auch als Chance verstanden werden. Jugendliche bekommen die Möglichkeit in einem abgesteckten Raum sich kreativ darzustellen. Sie können sich mit Freunden vernetzen und schulen ihre kommunikativen und sozialen Fähigkeiten, die sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern.

Diese Darstellung gewinnt auch bei Bewerbungen immer mehr an Bedeutung, da sich potentielle Arbeitgeber bei ihrer Personalsuche dieser Netzwerke bedienen um einen Eindruck über die Bewerber zu gewinnen.

Aufgrund der Chancen und Risiken ist es notwendig, dass Kindern und Jugendlichen ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet näher gebracht wird. Hier stehen Eltern ebenso in der Verantwortung wie die Lehrer. Daraus ergibt sich jedoch häufig die Problematik, dass Eltern und Lehrer, im Gegensatz zu den Kindern, anders mit dem Internet sozialisiert sind und daher oft selbst über keinerlei Erfahrung im Umgang mit Online-Netzwerken verfügen. Diese Erfahrung ist jedoch für eine kompetente Medienerziehung unerlässlich. Wie Frau Sieding aus praktischer Erfahrung anmerkt, entspricht dies den Bedürfnissen vieler Eltern. Das Wissen, wie man einen Computer bedient, ist heute größtenteils vorhanden, das Wissen wie und wo sich Kinder im Internet bewegen dagegen nicht.

Appell an Lehrer für vielseitigen PC-Einsatz
An dieser Stelle knüpft Bettina Sieding mit ihrer Arbeit an. Sie bietet den Eltern Aufklärung in Sachen „gruscheln“ und „twittern“ und „flickr“. Sie ermutigt sie, sich selbst in sozialen Netzwerken anzumelden, sich auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Nur so erkennen die Eltern, an welchen Stellen sich Gefahren verbergen, wo man lieber etwas vorsichtiger agiert. Aber vor allem nehmen sie sich selbst die Angst vor dem Internet und seinen Möglichkeiten. Sie setzen sich mit dem Medium auseinander und finden eigene Werte und Normen, die sie ihren Kindern weitergeben können. In den Schulen empfiehlt Sieding, sollte sich das Lehrerkollegium im Allgemeinen ein Herz fassen und fächerübergreifend den Schülern einen geeigneten Computerumgang vermitteln. Das Thema müsste raus aus dem ITG und Medienkunde-Unterricht und sich auch bei Deutsch und Mathematik ansiedeln.

Die Möglichkeiten des Computers und Internets für den digitalen Unterricht in der Schule und dem Umgang im digitalen sozialen Netzwerk zu Hause sind riesengroß. Es würde Kindern mehr schaden als nützen, sich nicht mit dem neuen Leitmedium der Kinder und Jugendlichen auseinanderzusetzen. Gabi Netz und Bettina Sieding werben dafür, doch sprechen sie auch an, worauf es zu achten gilt.

Felix Haak, Bastian Alpers

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