Gangsterrap – Image oder Realität?

11. April 2010

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Verschiedenste Musikstile stehen in der heutigen Gesellschaft für diverse Stereotypen. Rockmusik steht zum Beispiel für harte Kerle mit Lederjacken, Schlager für die älteren Mitbürger auf der Couch, Pop für den Normalo mit Jeans und T-Shirt und das Subgenre Gangsterrap für die Jugend ohne Zukunft. Aber ist das wirklich so? Haben Rapper und ihre Anhänger keine Zukunft und werden kriminell oder ist es alles nur ein Spiel mit dem Image des bösen Jungen?

Der eigentliche Gangsterrap entstand in den späten 80er Jahren in den USA  und sollte nur ein Spiel mit den Klischees eines richtigen „Gangsters“ bzw. Kriminellen sein. In den 90er Jahren drohte die Situation zu eskalieren. Drogendealern, Zuhältern und anderen Gangstern gelang es mit ihrem Sprechgesang über Verbrechen, Sex und Hass aufzusteigen. Es kam dazu, dass die Rapper der Westküste mit denen der Ostküste gewaltsame Auseinandersetzungen ausfochten und auf beiden Seiten gemordet wurde. Die berühmtesten Opfer sind dabei Tupac und Notorious B.I.G. , welche den Weg in den Mainstream ebneten. Die Welle des Gangsterrap schwappte nach Deutschland über und fand in vielen Großstädten Anhänger. Berühmtestes Beispiel dafür ist die Berliner Rap-Vereinigung „AGGRO BERLIN“, welche mit Texten über Analverkehr, Drogenkonsum und Aggressivität erfolgreich wurde.  Trotz Indizierung der meisten Alben, konnte AGGRO BERLIN einen großen Zulauf an Fans verbuchen.

Über die Jahre dehnte sich die Gemeinschaft der Gangsterrapper auf ganz Deutschland aus und AGGRO BERLIN rückte immer mehr in den Hintergrund. Dennoch wird der Umgang mit aggressiven Texten und Kriminalität nicht geringer. Ein prominentes Beispiel für die bestehende Kriminalität der Gangsterrapper ist der Rapper Xatar. Er wird beschuldigt im Dezember vergangenen Jahres einer der Drahtzieher eines Überfalls auf einen Geldtransporter gewesen zu sein. Auch wenn er sich bisweilen nicht dazu geäußert hat, spricht sein Label von Unschuld. Dennoch werden die Zweifel lauter beim Blick auf seine Texte. So zum Beispiel im Lied „Eine Geschichte“, wo er über schwere körperliche Gewalt rappt:

“Heute regnet es Kugeln in der Nacht, es wird nie wieder gelacht, ihr habt Xatar sauer gemacht. Ich pack’ links mein Schlagring, rechts meine Axt. Ich hör’ nicht auf bis ich höre, wie dein Schädelknochen knackst. Wer macht Faxen? (Sag mir wer?) Es gibt kein Vergeben, was wollt ihr noch reden? Ich fick’ euer Leben.”

Aber gerade mit derart harten Texten finden die Musiker immer jüngere Anhänger. Zwar versucht die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Kinder und Jugendliche mit der Indizierung von gewalt- und drogenverherrlichenden Texten zu schützen. Eine deutliche Alterskennzeichnung auf den CDs, wie es bei Filmen und Computerspielen schon lange üblich ist, könnte Abhilfe schaffen. Das beugt aber schlussendlich nicht der Verbreitung über das Internet vor. Hier sind die Eltern gefragt. Wenn aus den Kinderzimmern ihres Nachwuchses pornografische und gewaltverherrlichende Texte schallen, sollten sie Acht geben und das Gespräch mit ihren Kindern suchen.

Gangsterrap hat sich zu einer festen Form des Hip Hops entwickelt und auch in Zukunft werden Rapper auf ihren Einstellungen beharren und diese in ihren Texten verbreiten. Dennoch sollte klar sein, dass nicht jeder Rapper, der über Verbrechen und Kriminalität rappt, diese auch begangen hat. Genau wie Filmemacher es mit ihren Filmen tun, möchten Musiker mit ihren Liedern in erster Linie Geschichten erzählen. Trotzdem sollten Erziehungsberechtigte darauf achten welche Musik ihre Kinder konsumieren und gegebenfalls mit ihnen darüber sprechen.

Martin Schober

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