Ein neuer (kleiner) Mozart?

27. Mai 2011

Untersuchungen ergaben, dass es keine unmusikalischen Menschen gibt, denn das Feingefühl für Musik und Klang ist notwendig für den Spracherwerb. In begrenzten Zeiträumen öffnet  das Gehirn sogenannte Entwicklungsfenster. In dieser Phase können die jeweiligen Fähigkeiten besonders wirksam aufgebaut werden. Danach schließen sich diese Fenster und die Fähigkeit des absoluten Gehörs nimmt ab. Viele Eltern denken über eine musikalische Förderung erst recht spät nach, dabei kann der effektivste Zeitpunkt bereits ab dem vierten Lebensmonat beginnen. medienbewusst.de besuchte eine Musikschule in Erfurt und beobachtete das rege Treiben.

Das spielerische Erwachsenwerden mit Musik bereitet Kindern nicht nur Spaß und Freude, sondern hat auch noch einige positive Nebeneffekte. Wird die Musikalität eines Babys gefördert, verbessert sich zugleich die Sprachentwicklung. Zudem werden Konzentrations- und Teamfähigkeit neben weiteren sozialen Kompetenzen wie Mitgefühl, Toleranz, Rücksichtnahme ausgebaut. Fähigkeiten, die Kinder ihr gesamtes Leben lang benötigen.

In der YAMAHA Musikschule in Erfurt – 1997 von Verena Fränzel gegründet – setzt man von Anfang an darauf, die Musikalität von Kindern zu fördern. Jede Altersstufe wird individuell betreut. Getreu dem Prinzip “Je früher, desto besser” lernen schon die Kleinsten im Alter von vier bis 18 Monaten mit dem passend auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Programm musizieren. Besonders viel Spaß macht den Kindern dabei das Entdecken und Erzeugen von Tönen und  rhythmischen Klängen auf den unterschiedlichsten Instrumenten wie der Gitarre, der Blockflöte, dem Klavier, der Trommel oder dem Tamburin.

Für Kinder ab vier Jahren gibt es wiederum spezielle Kurse. In diesem Alter beginnen die  Kinder spielerisch die Welt der Erwachsenen nachzuahmen. Das Programm nimmt diese Neigung auf und ermöglicht den Vorschulkindern durch die Kombination von Musik und Bewegung, ihre Koordinationsfähigkeit bewusst einzusetzen und ihre  Fähigkeiten in der Grob- und Feinmotorik zu entwickeln. Unterschiedliche Instrumente werden in diesem Alter von den Kindern nun differenzierter in ihren Klangmöglichkeiten wahrgenommen und geschickt mit den kleinen Fingern bedient. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ausbildung des musikalischen Gehörs, das Singen und Spielen von Kinderliedern, das spielerische Erlernen von Noten und Instrumentenkunde.

Die Eltern dürfen bei allen Kursen dabei sein. Sie übernehmen allerdings keine führende Rolle, sondern sind Beobachter und sehen ihren Kindern beim musikalischen Entdecken zu. Sie sind besonders dann stolz, wenn die Kinder bei Auftritten ihr Gelerntes präsentieren können. So wird nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert, sondern die gemeinsame Freude über die Erfolge verbindet Eltern und Kinder auch in besonderem Maße.

Eines der Kinder auf der YAMAHA Musikschule ist Rufus. Er ist fünf Jahre alt und besucht seit mittlerweile dreieinhalb Jahren die frühkindliche Musikerziehung der Schule. Angefangen hatte der Musikunterricht in einem Musikkindergarten. Seit zwei Jahren geht er nun auf eine richtige Musikschule und lernt dort in einem Trommelkurs. Seine Mutter Nicole EIß probierte zuvor schon einiges aus: sie besuchte mit ihrem Kind verschiedene Krabbelgruppen und das Kinderturnen, aber Rufus schien das alles nicht recht zu gefallen. Da bei Familie Elß jedoch schon von Hause aus viel musiziert wird und Rufus irgendwann anfing, einfach mitzutanzen oder mitzuklatschen  und später dann auch mitzusingen, entschied sich Nicole Elß für die Musikschule: “Rufus kann gut singen und hat ein sehr gutes Rhythmusgefühl, aber ich kann nicht sagen, ob ihm das nun schon im Blut und Temperament lag oder ob das dort erlernt wurde”.

Auch Stefanie Heym meldete ihre dreijährige Tochter Ronja bei einem der Kindermusikkurse in Erfurt an, entschied sich aber nach den ersten paar Stunden doch gegen die Schule, als sie merkte, dass Ronja nur wenig Interesse zeigte: “Sie ist eben eher die Abenteuerin und ich wollte meiner Tochter auf keinen Fall etwas gegen ihren Willen aufzwängen”.

Die meisten Kinder bleiben der Musikschule allerdings viele Jahre treu. Gründe dafür sind vor allem das Konzept der aufeinander aufbauenden Programme und die durch fortlaufende Weiterbildung qualifizierten Lehrkräfte. Zudem versuchen alle Mitarbeiter mit pädagogischem Geschick  individuell auf die Kinder einzugehen:  auf die Entdecker und Schüchternen, die Bewegungsfreudigen und Beobachter. In jedem Unterricht werden die Wünsche und Interessen der Kinder und Eltern von den Lehrkräften berücksichtigt. Rückmeldungen über den erlebten Unterricht und die allgemeine Betreuung begrüßt das Team der Musikschule Fränzel mit offenen Armen und Ohren, denn nur wenn Eltern und Kinder sich wohlfühlen, kann sich gemeinsames Musizieren entfalten und Spaß machen. Frühe Förderung von Kindern ist sicher nicht verkehrt, jedoch zeigen eben nicht alle Kinder vollstes Interesse dafür und Eltern sollten auf keinen Fall versuchen, Talent zu erzwingen.

Alice End

Bildquellen:
© Sandra N – flickr.com

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Kommentare

Ein Kommentar zum Artikel “Ein neuer (kleiner) Mozart?”

  1. Positiv am 29. September 2011

    Alle Kinder mögen Musik. Davon ausgehend kann man dem Kind eigentlich nur die Möglichkeiten in die Hand geben, selbst die Musik für sich zu erschließen, sie es ein Instrument, gesang, oder einfach nur hören und Tanzen. Kindern ein Instrument aufzuzwingen halte ich für Grundfalsch, und es hat schon genügend Generationen das Musizieren verleidet.

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