Einfluss von Rap auf Jugendliche: Macht Rapmusik aggressiv?
Gangster-Rap gilt als aggressiv - macht er Jugendliche auch so? Die Forschung zeigt: Entscheidend ist, wie gut Ihr Kind die Texte einordnen kann, nicht das Genre selbst.
Nein, Rap macht Jugendliche nicht automatisch aggressiv. Jugendliche hören Gangster-Rap aus unterschiedlichen Gründen - manche nutzen ihn gezielt, um sich in eine aggressivere Stimmung zu versetzen, etwa vor dem Sport, andere zur Beruhigung am Abend. Das zeigt eine Studie der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz von 2018. Entscheidender als das Genre ist, wie gut Ihr Kind die oft übertriebenen, teils frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Texte einordnen kann.
Woher „Babo“ kommt und was es bedeutet
Bekannt wurde der Begriff durch den Rapper Haftbefehl und seine Single „Chabos wissen wer der Babo ist“. 2013 wählte der Verlag Langenscheidt, der das Jugendwort des Jahres seit 2008 kürt, „Babo“ zum Jugendwort des Jahres. Laut Duden kommt das Wort über das Türkische und Kurdische von „baba“ (Vater), ursprünglich aus einer iranischen Sprache, und bedeutet in der Jugendsprache „Chef, Boss, Anführer“.
Der Text von 2019: Wirkung von Rap auf Jugendliche
Unter Jugendlichen ist Gangster-Rap das derzeit beliebteste Genre. Diese Musikrichtung gibt seit seiner Entstehung ethnischen Minderheiten eine Stimme. Der oft vulgäre und menschenfeindliche Sprachgebrauch sorgt jedoch dafür, dass die Wirkung von Gangster-Rap immer wieder öffentlich diskutiert wird. Jugendliche empfinden Rap als gute und einfache Ausdrucksmöglichkeit ihrer Gedanken und Gefühle. Doch sollten Eltern dennoch kritisch mit den Hörgewohnheiten ihres Kindes sein?
Jugendkultur, Rebellion und Identität
Mit seinen Wurzeln in den afroamerikanischen Ghettos der USA ging es im Hip-Hop schon in den 1970er-Jahren um ‚harte Themen‘, um gesellschaftliche Missstände, soziale Ungleichheiten und anderes mehr. Kommerziellen Erfolg und Popularität über die Landesgrenzen hinaus erreichte Hip-Hop, als die Rapmusik auf Tonträger und ins Radio kam. Schnell wurde so auch die Begeisterung der Jugendlichen in anderen Ländern geweckt: Hip-Hop (Rap ist dem Genre Hip-Hop zuzuordnen) mauserte sich weltweit zur wichtigsten musikbezogenen Jugendkultur- und ist dies bis heute geblieben.
"Gangsta-Rap" ist eine Ausprägung einer spezifischen Jugendkultur. Um diese Jugendkultur als Erwachsener verstehen zu können, bedarf es genauerer Betrachtungen. Die Musik ist ein wichtiger Teil unserer Sozialisation und prägt zusammen mit dem Freundeskreis unsere Sichtweisen, die Art, wie wir uns kleiden oder uns ausdrücken. Derzeit ist Rapmusik besonders beliebt bei der Jugend und ein (teilweise) großer Bestandteil der Kommunikation. Jeder möchte mitreden können. Viele Interessen, die im eigenen Freundeskreis vorherrschend sind, werden übernommen und so immer weiter gegeben.
Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass es bei „Gangsta-Rap“ vornehmlich um Rebellion geht. Rapper rebellieren, indem sie absichtlich Regeln missachten und Grenzen überschreiten. "Das krasse Feiern von materiellem Besitz, Frauenfeindlichkeit und Gewalt im Gangsta Rap ist eine verspätete Manifestation einer allgemeinen Rebellion gegen die Werte der Mittelklasse, die etablierte Gesellschaft und politische Korrektheit." So eine Expertin für Gangster Rap. Durch das Hören dieser Musik fühlen sich viele automatisch wie ein Rebell. Skandale, für die die meisten Rapper bekannt sind, verstärken diesen Effekt weiter.
Vielmehr beschreiben viele Jugendliche Rap als eine Möglichkeit auf ihrer Muttersprache ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken. Die am deutlichsten spürbare Wirkung ist jedoch die Sprachliche. Jugendliche benutzen nicht mehr so viele englischsprachige Begriffe im Alltag wie noch vor einigen Jahren und die Sprache der Deutsch-Migranten hält Einzug. Das ist auch wichtig, um ins Gespräch zu kommen und sich kennenzulernen. Dadurch werden Jugendliche ebenfalls früh mit dem Thema Integration konfrontiert. Das hat vorher in Kunst und Kultur noch nicht auf diese Weise stattgefunden.
medienbewusst.de meinte 2019: Gangster-Rap wird in der öffentlichen Diskussion meist hauptsächlich negativ dargestellt. Dabei wird zumeist vergessen, welche positiven Aspekte das Genre mit sich bringt. Es gibt Texte, die Grenzen überschreiten, aber sie sind nicht die Regel, sondern Ausnahmen. So lange ihr Kind keine menschenfeindlichen Aussagen macht, sollten Sie sich um die Hörgewohnheiten keine Sorgen machen. Vielmehr sollte Rap als Form von Jugendkultur angenommen werden.
Was die Forschung heute dazu sagt
Eine Studie des Instituts für Musiksoziologie der mdw Wien, veröffentlicht 2018 in BPJM-Aktuell (heute Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz), zeichnet ein differenzierteres Bild als die Richtungsaussagen von 2019: „So hören Jugendliche Gangsta-Rap, um sich in eine bestimmte Stimmung zu versetzen, um sich aggressiver zu machen, sich zum Sport zu motivieren oder am Abend sogar zur Ruhe zu kommen.“
Entscheidend ist dabei der Bildungshintergrund: Er beeinflusst zentral, wie gut Jugendliche gewaltverherrlichende, frauenfeindliche und diskriminierende Texte als Übertreibung einordnen können. Das Kernpublikum von Gangster-Rap sind Jugendliche in der Identitätsentwicklung, die durch Vorbilder beeinflusst werden können - je geringer der Bildungsstand, desto eher werden problematische Botschaften versehentlich für bare Münze genommen.
Was Sie als Eltern tun können
Gemeinsam hinhören
Hören Sie sich ein Lied zusammen mit Ihrem Kind an und fragen Sie, was der Text für es bedeutet. So merken Sie, ob es Übertreibungen als Rolle oder als reale Aussage versteht.
Das lyrische Ich erklären
Erklären Sie, dass Rapper oft in einer Rolle sprechen, nicht als Privatperson. Das hilft, Härte und Prahlerei im Text einzuordnen, statt sie wörtlich zu nehmen.
Diskriminierende Begriffe benennen
Sprechen Sie frauenfeindliche, homophobe oder abwertende Begriffe direkt an, statt sie zu überhören. Fragen Sie, was Ihr Kind davon hält.
Auf echte Warnzeichen achten
Sorgen Sie sich nicht wegen des Genres, sondern wenn Ihr Kind selbst menschenfeindliche Aussagen macht oder andere abwertet. Das ist der Moment für ein Gespräch, nicht der Musikgeschmack selbst.
Interesse zeigen statt verbieten
Fragen Sie nach Lieblingskünstlern und hören Sie mit. Ein Verbot macht die Musik oft nur interessanter, ein echtes Gespräch wirkt stärker.
Zum Mitnehmen
Checkliste: Rap und Ihr Kind
Vier Punkte für die Einschätzung:
Ihre Haken werden nicht gespeichert.
Macht Rapmusik aggressiv?
Nicht automatisch. Jugendliche hören Gangster-Rap aus unterschiedlichen Gründen, auch um sich bewusst in eine aggressivere Stimmung zu versetzen. Wie sie die Texte einordnen, hängt laut einer Studie der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz von 2018 stärker vom Bildungshintergrund ab als vom Hören selbst.
Was bedeutet „Babo“?
Laut Duden „Chef, Boss, Anführer“ - das Wort kommt über das Türkische und Kurdische von „baba“ (Vater). Bekannt wurde es durch Haftbefehls Song „Chabos wissen wer der Babo ist“ und wurde 2013 zum Jugendwort des Jahres gewählt.
Gibt es eine Altersfreigabe für Rapmusik?
Nein. Anders als bei Filmen (FSK) oder Spielen (USK) regeln die Paragrafen 12 und 14 Jugendschutzgesetz nur Bildträger mit Filmen oder Spielen, keine reine Musik. Richten Sie sich deshalb danach, ob Ihr Kind die Texte einordnen kann.
Ist Rap für Jugendliche schädlich?
Das Genre selbst ist laut aktueller Forschung nicht das Problem. Entscheidend ist, ob Jugendliche gewaltverherrlichende oder frauenfeindliche Texte als Übertreibung erkennen - das gelingt eher Jugendlichen mit stärkerer Lesekompetenz.
Wenn Sie wissen möchten, worauf Sie bei Podcasts und Hörspielen für Ihr Kind achten können, steht das unter Podcasts und Hörspiele für Kinder. Einen Überblick über einen bewussten Umgang mit Medien insgesamt gibt Medien sinnvoll nutzen, und was Medienkompetenz für Ihr Kind bedeutet, erklärt Medienkompetenz und Medienbewusstsein.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Quellen
- § 14 Jugendschutzgesetz - Kennzeichnung von Filmen und Spielprogrammen · Bundesamt für Justiz
- Gangsta-Rap - Wie soll man das verstehen? · Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ), BPJM-Aktuell 3/2018, Autor Michael Huber (Institut für Musiksoziologie, mdw Wien) · 01.03.2018
- Babo, der · Duden
- Jugendwort-Archiv: Babo (2013) · Langenscheidt (jugendwort.de)
- JIM-Studie 2025: Jugend, Information, Medien · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) · 14.11.2025
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 5 Quellen, unten aufgeführt
- Wiedervorlage
- 04.10.2028
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