Wieso hört sich mein Kind sowas an? – Die Wirkung von Rapmusik auf Jugendliche

 

Unter Jugendlichen ist Gangster-Rap das derzeit beliebteste Genre. Diese Musikrichtung gibt seit seiner Entstehung ethnischen Minderheiten eine Stimme. Der oft vulgäre und menschenfeindliche Sprachgebrauch sorgt jedoch dafür, dass die Wirkung von Gangster-Rap immer wieder öffentlich diskutiert wird. Dass es keinen Zusammenhang zwischen Gewalt und Rap gibt, wurde mehrfach wissenschaftlich belegt. Jugendliche empfinden Rap als gute und einfache Ausdrucksmöglichkeit ihrer Gedanken und Gefühle. Doch sollten Eltern dennoch kritisch mit den Hörgewohnheiten ihres Kindes sein?

 

„Babo“: Jugendwort 2013

Der Rapper Haftbefehl, aus dessen Feder der unten abgedruckte Songtext aus dem Album „Russisch Roulette“ stammt, ist derzeit einer der bekanntesten und erfolgreichsten Rapper in Deutschland. Der Durchbruch gelang ihm mit seiner Single „Chabos wissen wer der Babo ist“. Der Begriff „Babo“, zazaisch für Vater oder auch Chef, fand Eingang in die Jugendsprache und wurde 2013 sogar zum Jugendwort des Jahres gewählt. Ein Indiz dafür, wie viel Einfluss Deutschrap auf die heutige Jugend hat. Nur welche Wirkung hat dieser Einfluss genau?

Weltweit wichtigste musikbezogene Jugendkultur

Mit seinen Wurzeln in den afroamerikanischen Ghettos der USA ging es im Hip-Hop schon in den 1970er-Jahren um ‚harte Themen‘, um gesellschaftliche Missstände, soziale Ungleichheiten und anderes mehr. Kommerziellen Erfolg und Popularität über die Landesgrenzen hinaus erreichte Hip-Hop, als die Rapmusik auf Tonträger und ins Radio kam. Schnell wurde so auch die Begeisterung der Jugendlichen in anderen Ländern geweckt: Hip-Hop (Rap ist dem Genre Hip-Hop zuzuordnen) mauserte sich weltweit zur wichtigsten musikbezogenen Jugendkultur- und ist dies bis heute geblieben.

“bin zwar Arier wie Saladin, doch Haft fickt dich du Rassist

Au-Au-Automatik Machine Guns. Die Uzis sind zwar aus Tel Aviv

doch Hafti macht für die Achis á la Habibi free Palestine

es ist Hafti Abi, achi. Zu nem Schwanz gehört Cojones

38er an den Eiern, Hurensöhne sind Willkommen”

Musik als wichtiger Teil unserer Sozialisation

„Gangsta-Rap“ ist eine Ausprägung einer spezifischen Jugendkultur. Um diese Jugendkultur als Erwachsener verstehen zu können, bedarf es genauerer Betrachtungen. Die Musik ist ein wichtiger Teil unserer Sozialisation und prägt zusammen mit dem Freundeskreis unsere Sichtweisen, die Art, wie wir uns kleiden oder uns ausdrücken. Derzeit ist Rapmusik besonders beliebt bei der Jugend und ein (teilweise) großer Bestandteil der Kommunikation. Jeder möchte mitreden können. Viele Interessen, die im eigenen Freundeskreis vorherrschend sind, werden übernommen und so immer weiter gegeben.

Eine Form der Rebellion

Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass es bei „Gangsta-Rap“ vornehmlich um Rebellion geht. Rapper rebellieren, indem sie absichtlich Regeln missachten und Grenzen überschreiten. „Das krasse Feiern von materiellem Besitz, Frauenfeindlichkeit und Gewalt im Gangsta Rap ist eine verspätete Manifestation einer allgemeinen Rebellion gegen die Werte der Mittelklasse, die etablierte Gesellschaft und politische Korrektheit.“ So eine Expertin für Gangster Rap. Durch das Hören dieser Musik fühlen sich viele automatisch wie ein Rebell. Skandale, für die die meisten Rapper bekannt sind, verstärken diesen Effekt weiter.

Macht Rapmusik aggressiv?

Der angebliche Zusammenhang zwischen Gewalt und Rap wurde mehrfach widerlegt. Lediglich kam man zu der Erkenntnis, dass Menschen, die zu aggressiven Verhalten neigen, stärker assoziative Musik hören als andere. Der Zusammenhang ist also genau andersrum. Bedeutet im Klartext:  Zu Gewalt neigende Menschen hören oft gewaltverherrlichende Musik. „Assoziativ“  bedeutet so viel wie „verbindend“.  Die Sprache dieser Musik stellt eine Verbindung zu ihren Vorstellungen dar.

Eine einfache Möglichkeit Gefühle und Gedanken auszudrücken

Vielmehr beschreiben viele Jugendliche Rap als eine Möglichkeit auf ihrer Muttersprache ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken. Die am deutlichsten spürbare  Wirkung ist jedoch die Sprachliche. Jugendliche benutzen nicht mehr so viele englischsprachige Begriffe im Alltag wie noch vor einigen Jahren und die Sprache der Deutsch-Migranten hält Einzug. Das ist auch wichtig, um ins Gespräch zu kommen und sich kennenzulernen. Dadurch werden Jugendliche ebenfalls früh mit dem Thema Integration konfrontiert. Das hat vorher in Kunst und Kultur noch nicht auf diese Weise stattgefunden.

 

Fazit:

Gangster-Rap wird in der öffentlichen Diskussion meist hauptsächlich negativ dargestellt. Dabei wird zumeist vergessen, welche positiven Aspekte das Genre mit sich bringt. Es gibt Texte, die Grenzen überschreiten, aber sie sind nicht die Regel, sondern Ausnahmen. So lange ihr Kind keine menschenfeindlichen Aussagen macht, sollten Sie sich um die Hörgewohnheiten keine Sorgen machen. Vielmehr sollte Rap als Form von Jugendkultur angenommen werden.

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