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„Die Welt mit Kinderaugen sehen“ - Interview mit Kinderliedermacher Burghardt Wegner

Ein Kind kniet vor einem Regal mit Kinder-CDs und zieht eine Hülle heraus, eine erwachsene Person sitzt daneben und wählt eine zweite CD aus.
Kindermusik läuft nicht automatisch mit - Eltern wählen sie bewusst aus, wie Wegner es schon 2015 riet.

Kinderliedermacher Burghardt Wegner (Grünschnabel) im Interview von 2015: warum er Lieder für Kinder schreibt - und was Eltern beim Musikhören heute beachten können.

Der Kinderliedermacher Burghardt Wegner trat 2015 im Interview mit medienbewusst.de auf: Er erzählte, wie sein Künstlername Grünschnabel entstand, was ihn an der Arbeit mit Kindern reizt und was er Eltern bei der Musikauswahl rät. Das Gespräch steht hier im Wortlaut, ergänzt um das, was sich seitdem bei ihm und beim Musikhören von Kindern geändert hat.

Wer Burghardt Wegner ist

Schon seit vielen Jahren macht Burghardt Wegner unter dem Künstlernamen „Grünschnabel“ Kindermusik. Laut seiner eigenen Internetseite ist er ein ausgebildeter Musikpädagoge aus Schleswig-Holstein und tritt dort seit 1997 professionell mit Mitmach-Konzerten, Workshops und Auftragsproduktionen auf - auch auf Plattdeutsch.

Das folgende Interview führte die Redaktion 2015, kurz nachdem sein damals zwölftes Album „Lazuli. Kindermusik für die ganze Familie“ erschienen war.

Das Interview im Wortlaut (2015)

Dein Künstlername ist Grünschnabel, was bedeutet dieser Name für dich?

Das ist eine Art Alter Ego, also im Prinzip eine andere Daseinsform von mir selber. Entstanden ist das, weil meine Schwester mir einen Plüschpapagei mit grünem Schnabel geschenkt hat. Zeitgleich habe ich an meiner ersten Kassette als Kinderliedermacher gearbeitet. Auf das Cover kam dann der Papagei. Und weil der einen grünen Schnabel hatte, war der Name naheliegend.

Zum anderen sind Grünschnäbel, also die Kinder, meine Hauptzielgruppe. Erwachsene sagen das Wort eigentlich, weil sie neidisch auf die Kinder sind, weil die noch alles dürfen und die Erwachsenen nicht mehr. Das hat einen negativen Anklang. Ich wollte das durch die Namensauswahl zum Positiven wenden. Und wenn ich mich selbst als Grünschnabel bezeichne, erwähne ich damit auch das Kind in mir, das immer noch da ist.

Du warst schon Lehrer und Mitglied einer Folk-Rock Band. Wie kamst du dazu, Kinderlieder zu schreiben?

Ich hab als Kind schon sehr intensiv Musik wahrgenommen, habe leidenschaftlich gern gesungen und bereits im Grundschulalter einige Gedichte und Melodien erfunden. Irgendwann mit zwanzig hab ich in einen Kinderwagen reingeguckt, da lag ein schlafendes Kind, da habe ich spontan ein Schlaflied geschrieben. Das ist prompt bei einem Wettbewerb aufgenommen und abgedruckt worden.

Es war toll, die Kindermusik zu entdecken und mich selber zu erinnern, dass es solche Musik damals nicht gegeben hat, als ich Kind war und sie gut hätte gebrauchen können. Während meines Lehramtsstudiums habe ich eine musikalische Früherziehungsgruppe betreut. Es sind dann durch diese Arbeit mit Kindern immer mehr neue Kinderlieder entstanden und das wurde dann immer größer.

Würdest du deinen Beruf als Traumberuf bezeichnen?

Musik spielt eine sehr große Rolle in meinem Leben. Sich was auszudenken und davon zu leben, das ist wirklich ein Traum. Mit Kindern zu arbeiten und sie zu unterhalten, sie dazu zu bringen, dass sie mitsingen und Spaß an der Musik haben, das ist einfach wunderschön.

Du sagst, deine Lieder sind für Kinder von 0 bis 100. Was willst du den Erwachsenen mit deiner Musik geben?

Ich bin überzeugt, dass in jedem Erwachsenen noch ein Kind steckt. Es ist wichtig, dass man nicht verlernt, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Man sollte offen wie ein Kind durch die Welt gehen, natürlich mit dem Verantwortungsbewusstsein eines Erwachsenen. Ich möchte den Erwachsenen zeigen, dass ich mit meiner Musik auch sie anspreche. Sie sollen sich trauen, mitzumachen und Spaß zu haben.

Woher bekommst du die Ideen für deine Lieder?

Die Musik schreib ich oft ohne zu wissen, wovon sie handeln wird. Manchmal entstehen auch mit einer Idee sofort die Melodie und der Text. Der Text dauert meistens ein bisschen länger. Große Zubringer von Ideen waren immer meine Kinder, die sind jetzt aber schon ein bisschen rausgewachsen. Sie versorgen mich trotzdem mit Anregungen, aber nicht mehr so oft wie früher.

Das Leben in der Familie mit Kindern ist einfach so inspirierend. Eigentlich muss man nur aufschreiben, was man erlebt, so sind auch viele meiner Lieder entstanden. Jetzt besuche ich manchmal meine Frau in dem Kindergarten, in dem sie arbeitet, da schnapp ich oft was auf. Ich fahre einfach mit offenen Augen durch die Welt und stolpere über Sachen, aus denen dann ein Lied wird.

Dein zwölftes Album „Lazuli“ ist vor Kurzem erschienen. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis und hast du schon Vorstellungen, was als nächstes kommen soll?

Ich bin damit wirklich sehr zufrieden, ich finde das neue Album schön. Es steckt voller Abwechslung und ich hatte großen Spaß daran, die Lieder aus meinem Kopf für alle hörbar zu machen. Dabei hatte ich viel Unterstützung von weiteren Musikern und, wie immer, von singenden Kindern. Besonders gern mag ich die Lieder "Papa grill", das Saxophonquartett-Stück "Scheibenwische" und den Dance-Titel "Glück", den ich für meine drei Töchter komponiert habe. Und 2016 wird es dann Zeit für eine Best-Of-CD, mit Liedern von all meinen Alben und natürlich auch neuen Bonustracks.

Möchtest du den Lesern von medienbewusst.de noch etwas mitteilen?

Mit der Selbstverständlichkeit, mit der Erwachsene den Kindern spezielle Bücher, Hörspiele und Filme für Kinder kaufen, sollten sie auch Musik für Kinder auswählen. Bei Büchern würde man nie sagen: Es braucht keine Kinderliteratur geben, die Kinder können das lesen, was die Erwachsenen lesen. Die Wichtigkeit aktueller Kindermusik wird oft unterschätzt, dabei gibt es so viele gute Kinderliedermacher.

Was heute gilt: Musik, die nicht automatisch mitläuft

Aus dem damals zwölften Album sind laut Wegners eigener Internetseite inzwischen 16 CDs geworden, dazu mehr als 20 Musikclip-Produktionen für den Kinderkanal KiKA im Auftrag des ZDF (Stand Oktober 2026). Grünschnabel macht also weiterhin das, wovon er 2015 sprach.

Wie viel Raum Musik im Alltag von Kindern hat, zeigt die KIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest: Rund zwei Drittel der 6- bis 13-Jährigen hören mindestens einmal pro Woche Musik, ein Viertel täglich. Nach ihrem liebsten Musik-Star gefragt, nennen sie die US-Sängerin Taylor Swift mit 17 Prozent klar am häufigsten, vor den deutschsprachigen Künstlern Mark Forster (6 Prozent) und Helene Fischer (4 Prozent) - ein Kinderliedermacher taucht unter den meistgenannten nicht auf.

Genau das macht Wegners Rat von 2015 heute nicht überflüssig: Wer will, dass sein Kind auch Musik hört, die für sein Alter gemacht ist, muss sie wie ein Buch gezielt dazugeben - automatisch läuft sie bei Streaming-Charts und Radio nicht mit.

Was Eltern daraus mitnehmen können

  1. Musik so auswählen wie ein Buch

    Wählen Sie Musik für Ihr Kind so bewusst aus wie ein Buch, statt nur laufen zu lassen, was im Radio oder in den Streaming-Charts läuft.

  2. Mitsingen statt nur zuhören

    Hören Sie nicht nur zu, sondern singen und tanzen Sie mit. Wegner beschreibt im Interview, wie wichtig ihm genau das beim Auftritt vor Kindern ist.

  3. Eigene Playlist anlegen

    Stellen Sie eine eigene Playlist mit Kinderliedern zusammen, statt das dem Algorithmus eines Streaming-Dienstes zu überlassen.

  4. Mitmach-Konzerte nutzen

    Nutzen Sie, wo es sie gibt, Mitmach-Konzerte oder Kita-Workshops vor Ort - laut seiner Internetseite ein fester Teil von Wegners Arbeit.

  5. Kinder selbst musizieren lassen

    Lassen Sie Ihr Kind auch selbst Musik machen, zum Beispiel ein eigenes kurzes Lied oder Hörspiel aufnehmen.

Zum Mitnehmen

Woran Sie sich halten können

Fünf Fragen, die sich aus Interview und KIM-Studie ergeben:

  • Kennt Ihr Kind auch Musik, die eigens für sein Alter gemacht ist?Laut KIM-Studie 2024 nennen Kinder als Lieblingsstars Chart-Größen, keine Kinderliedermacher.
  • Haben Sie eine eigene Playlist für Ihr Kind zusammengestellt?Sonst läuft meist mit, was Radio oder Streaming-Charts vorgeben.
  • Singen oder tanzen Sie manchmal gemeinsam mit Ihrem Kind mit?Das macht aus Zuhören ein gemeinsames Erlebnis, wie Wegner es im Interview beschreibt.
  • Kennt Ihr Kind mindestens einen deutschsprachigen Kinderliedermacher?Grünschnabel ist einer von vielen, die es laut dem Interview von 2015 gibt.
  • Gibt es in Ihrer Nähe ein Mitmach-Konzert oder einen Workshop?Kitas und Schulen buchen solche Angebote oft, ein Blick auf die Internetseite des Künstlers lohnt sich.

Wie gute Hörspiele und Podcasts für Kinder zu erkennen sind, steht unter Podcasts und Hörspiele für Kinder. Wer aus dem Zuhören selbst etwas gestalten will, findet unter Trickfilm, Foto und Podcast: Medien selbst gestalten Anregungen für ein eigenes Hörspiel oder Lied. Einen Überblick über weitere Themen rund um sinnvolle Mediennutzung gibt Medien sinnvoll nutzen.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Quellen

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Belege
2 Quellen, unten vollständig aufgeführt
Wiedervorlage
04.10.2028

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