Tellonym: Steckbrief für Eltern
Anonyme Fragen und Antworten über einen geteilten Link. Wer schreibt, bleibt für die Eltern des Kindes unsichtbar - genau das macht die App laut schau-hin.info zum Einfallstor für Mobbing.
Ab welchem Alter?
ab 17 Jahren
Eine Regel aus den Nutzungsbedingungen, also ein Vertrag - kein Gesetz. Der Dienst prüft das Alter in der Regel nicht nach.
18+
Apples eigene Einstufung im deutschen App Store, unabhängig von der USK. Apple hat seine Altersstufen zum 31. Januar 2026 umgestellt (4+, 9+, 13+, 16+, 18+); zu sehen sind sie auf Geräten ab iOS 26. Auf einem älteren iPhone kann noch die frühere Einstufung 17+ stehen. Im App Store ansehen · Apple zur Umstellung
Diese Angaben setzen voraus, dass im Konto das richtige Alter steht. Eine verlässliche Altersprüfung bei der Anmeldung gibt es hier nicht - ein Kind, das ein falsches Geburtsjahr einträgt, bekommt die Einstellungen der älteren Altersgruppe.
Steckbrief
Angaben geprüft am 08.10.2026.
Der Dienst
| Anbieter | Callosum Software GmbH, Berlin |
|---|---|
| Art des Dienstes | Anonymes Frage-und-Antwort-Netzwerk (Social Q&A) |
| Verfügbar auf | Android über Google Play, iPhone über den App Store, dazu eine Web-Version |
| Geschäftsmodell | kostenlos; laut Google Play mit Werbung und In-App-Käufen |
Wer Kontakt aufnehmen kann
| Direktnachrichten | nein im klassischen Sinn - Nachrichten heißen „Tells“ und gehen anonym an das Profil, nicht in einen Chatverlauf zwischen zwei bekannten Personen |
|---|---|
| Kontakt durch Unbekannte | ja, das ist die Kernfunktion - laut schau-hin.info kann jeder, der den Profillink hat, eine Nachricht schicken, auch ohne eigenen Tellonym-Account |
| Öffentliches Profil | ja - laut schau-hin.info wird eine eingegangene Nachricht erst öffentlich auf dem Profil sichtbar, sobald die Profilinhaberin oder der Profilinhaber darauf antwortet |
Was es kostet
| Werbung | ja, laut Google-Play-Eintrag enthält die App Werbung |
|---|---|
| Käufe in der App | ja, laut Google-Play-Eintrag gibt es In-App-Käufe; welche Funktionen das betrifft, nennt die Anbieterseite nicht öffentlich |
Was Eltern einstellen können
| Elternfunktionen | ja, laut schau-hin.info lassen sich die Sicherheitseinstellungen mit einem Code sperren, damit das Kind sie nicht selbst zurücksetzen kann |
|---|---|
| Melden und blockieren | ja - laut schau-hin.info können einzelne Nachrichten gemeldet werden; die Prüfung läuft über einen lernenden Sprachfilter, nicht über eine Rückverfolgung der Absenderin oder des Absenders |
Daten und Nutzen
| Eigene Inhalte | ja, Textnachrichten als Antworten auf eingegangene „Tells“ |
|---|---|
| Was an Daten anfällt | Laut dem Datensicherheit-Abschnitt des Google-Play-Eintrags erhebt die App unter anderem Standort und personenbezogene Daten und gibt Standort und personenbezogene Daten auch an Dritte weiter; die Übertragung ist laut demselben Eintrag verschlüsselt. |
| Wofür der Dienst gut ist | Eigenwerbung des Anbieters ist, ehrliches Feedback aus dem eigenen Umfeld zu bekommen, losgelöst von Aussehen und Likes anderer Plattformen (laut schau-hin.info) |
Dazu haben wir keine belastbare Angabe gefunden: Standort, Live-Funktionen, Vorgeschlagene Inhalte, Endloses Scrollen, Automatisch nächstes Video. Wir tragen es nach, sobald der Anbieter es selbst dokumentiert.
Was bei Tellonym wirklich passiert
Tellonym dreht das übliche Prinzip sozialer Netzwerke um: Nicht die eigenen Beiträge stehen im Mittelpunkt, sondern das, was andere - anonym - über das eigene Profil schreiben. Wer sich einen Account anlegt, bekommt einen persönlichen Link. Diesen Link teilt das Kind meist dort, wo es ohnehin unterwegs ist, in der Instagram- oder Snapchat-Bio, und jeder, der ihn öffnet, kann eine Nachricht schicken, ohne sich selbst zu zeigen.
Entscheidend für die Risikoeinschätzung ist eine Reihenfolge, die auf den ersten Blick nicht auffällt: Eine eingehende Nachricht sieht zunächst nur das Kind selbst. Erst wenn es darauf antwortet, wird sie öffentlich auf seinem Profil sichtbar. Das Kind entscheidet also, was andere später lesen können - aber nicht, was bei ihm ankommt. Genau diesen Punkt benennt jugendschutz.net laut schau-hin.info als das eigentliche Risiko: Anonymität schützt die Absenderin oder den Absender, nicht das Kind.
Zwei Altersangaben, die leicht verwechselt werden
Der Google-Play-Eintrag zeigt eine Altersfreigabe von 13 Jahren - das ist eine Einstufung des Stores, keine gesetzliche Grenze und keine Aussage des Anbieters zum Mindestalter für die Nutzung. Die eigentliche Regel steht laut schau-hin.info in den Nutzungsbedingungen von Tellonym selbst: Ein eigenständiger Account ist dort erst ab 17 Jahren vorgesehen, mit der ausdrücklichen Zustimmung der Eltern schon ab 13 Jahren. Die Nutzungsbedingungen selbst waren beim Abruf nicht erreichbar (Fehlermeldung 403), weshalb hier die Wiedergabe der Fachstelle gilt.
Für Eltern heißt das in der Praxis: Ohne ihre ausdrückliche Zustimmung ist ein Account vor 17 laut Anbieter nicht vorgesehen - kontrolliert wird das bei der Anmeldung aber nicht. Wie bei den meisten sozialen Netzwerken ist das Geburtsdatum eine Angabe, keine Prüfung.
Was Sie einstellen können
Sprach- und Wortfilter einschalten und mit einem Code schützen
In den Sicherheitseinstellungen lässt sich laut schau-hin.info ein Sprachfilter graduell anpassen und ein eigener Wortfilter mit gesperrten Begriffen anlegen. Beide Einstellungen können mit einem Code belegt werden, damit das Kind sie nicht selbst wieder zurücksetzt.
Account gemeinsam anlegen
Richten Sie den Tellonym-Account zusammen mit Ihrem Kind ein und gehen Sie dabei die Sicherheitseinstellungen gemeinsam durch, statt sie nachträglich zu ändern.
Einzelne Nachrichten melden
Eine eingegangene Nachricht lässt sich melden. Die Prüfung läuft über einen lernenden Sprachfilter - nicht über eine Rückverfolgung der Absenderin oder des Absenders, das sollten Eltern ihrem Kind auch so erklären.
Vorher über Risiken sprechen, nicht erst danach
Sprechen Sie offen an, dass anonyme Nachrichten verletzend sein können, bevor der erste unangenehme „Tell“ ankommt. Bieten Sie sich als erste Ansprechperson an, auch wenn die Nachricht peinlich oder unangenehm ist.
Verantwortung als Absenderin oder Absender ansprechen
Anonymität verleitet auch zum Senden verletzender Nachrichten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind ebenso darüber, was ein anonymer „Tell“ bei der oder dem Empfangenden auslösen kann.
Häufige Fragen
Ab wie viel Jahren ist Tellonym erlaubt?
Laut Nutzungsbedingungen (wiedergegeben von schau-hin.info) ist ein eigenständiger Account ab 17 Jahren vorgesehen, mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern schon ab 13. Der Google-Play-Eintrag zeigt daneben eine Altersfreigabe von 13 Jahren - das ist eine Store-Einstufung, keine Nutzungsregel des Anbieters. Geprüft wird keine der beiden Angaben bei der Anmeldung.
Kann ich sehen, wer meinem Kind eine Nachricht schickt?
Nein. Tellonym ist auf Anonymität der absendenden Seite aufgebaut. Laut schau-hin.info kann sogar schreiben, wer selbst keinen eigenen Tellonym-Account besitzt.
Ist Tellonym gefährlich wegen Mobbing?
Jugendschutz.net sieht laut schau-hin.info in der Anonymität ein hohes Risiko für Cybermobbing: Das Kind entscheidet, was auf seinem Profil später sichtbar wird, aber nicht, welche Nachrichten bei ihm eingehen.
Was kann ich bei Tellonym einstellen, um mein Kind zu schützen?
Laut schau-hin.info gibt es einen einstellbaren Sprachfilter und einen eigenen Wortfilter, beide lassen sich mit einem Code gegen Zurücksetzen durch das Kind schützen. Die Option, nur Nachrichten von registrierten Nutzerinnen und Nutzern zuzulassen, rät der Anbieter selbst ab, weil sie häufig umgangen wird.
Zuletzt geprüft am 08.10.2026
Quellen
- Tellonym Info Center - Impressum/Unternehmensangaben · Callosum Software GmbH (Tellonym)
- Tellonym: Anonyme Fragen · Google Play (Eintrag des Anbieters Callosum Software)
- Tellonym - ein Überblick für Eltern · SCHAU HIN! - Was Deine Kinder machen
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 08.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 3 Quellen, unten aufgeführt
- Wiedervorlage
- 08.10.2027
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