Medien und Schlaf: Was Bildschirme abends wirklich stören
Bildschirme am späten Abend verzögern das Einschlafen und verkürzen die Nachtruhe; eine feste Abschaltzeit und ein geräteloses Kinderzimmer helfen dagegen.
Fernsehen, Smartphone oder Tablet am Abend verzögern bei Kindern das Einschlafen und verkürzen die Nachtruhe, besonders wenn das Gerät mit ins Bett wandert oder bis kurz vor dem Licht-aus läuft. Die ärztliche Leitlinie zur Mediennutzung empfiehlt dagegen zwei Dinge: ein Kinderzimmer ohne Bildschirmgeräte in der Nacht und eine bildschirmfreie letzte Stunde vor dem Schlafengehen. Beides lässt sich leichter einführen, wenn die Regel für alle im Haushalt gilt.
Warum Bildschirme den Schlaf stören
Mehrere Studien, auf die sich die Leitlinie stützt, nennen drei Gründe: Bildschirmzeit verdrängt Schlafzeit unmittelbar, Medieninhalte wirken psychisch aufwühlend statt beruhigend, und das Licht der Geräte beeinflusst den Schlaf zusätzlich. Je mehr Bildschirmgeräte im Schlafzimmer stehen, desto schlechter ist laut Leitlinie die Schlafqualität. Bei Jugendlichen steht Bildschirmnutzung kurz vor dem Schlafengehen zudem in Zusammenhang mit depressiven Symptomen.
Wie verbreitet abendliche Nutzung ist, zeigt die KIM-Studie 2024: Von den 6- bis 13-Jährigen mit eigenem Smartphone nehmen 58 Prozent das Gerät mit ins Bett, und nur in einem Viertel der Familien ist Mediennutzung kurz vor dem Schlafengehen ausdrücklich untersagt. Beim Schlafengehen lesen Kinder am häufigsten (21 Prozent), danach folgen Hörspiele oder Podcasts (20 Prozent) und Bewegtbild (17 Prozent). Jungen schauen dabei häufiger Videos, Mädchen greifen öfter zu Hörspielen und Büchern. Mit steigendem Alter hören Kinder beim Schlafengehen seltener Hörspiele.
Feste Zeit und ein geräteloses Zimmer
Eine feste Abschaltzeit setzen
Bildschirmmedien eine Stunde vor dem Schlafengehen ausschalten, so empfiehlt es die Leitlinie. Ein Timer oder eine feste Uhrzeit macht die Regel für das Kind nachvollziehbar, statt sie jeden Abend neu auszuhandeln.
Geräte aus dem Kinderzimmer holen
Smartphone, Tablet und Fernseher nachts woanders laden, auch wenn das Gerät sonst als Wecker oder Einschlafhilfe dient. Ein Ladeplatz im Flur oder in der Küche macht den Griff zum Gerät nachts unbequemer.
Einen ruhigen Übergang einplanen
Lesen, ein Hörspiel oder ein kurzes Gespräch statt Video als letzte Aktivität vor dem Licht-aus. So entsteht keine Lücke dort, wo der Bildschirm wegfällt.
Die Tageszeit mitdenken
Laut Leitlinie kann auch Mediennutzung tagsüber mit unzureichendem Schlaf zusammenhängen, nicht nur die letzte Stunde vor dem Schlafengehen. Wer insgesamt viel Bildschirmzeit hat, kann deshalb auch die zweite Tageshälfte ruhiger gestalten.
Die Zeit auch am Wochenende halten
Dieselbe Abschaltzeit an Schul- und freien Tagen einhalten, sonst verschiebt sich der Rhythmus wieder und die Woche beginnt übermüdet.
Checkliste: bildschirmfreier Abend
Checkliste: bildschirmfreier Abend
Für den Abend zu Hause:
- Letzte Bildschirmstunde vor dem Schlafengehen aussetzeneine der beiden zentralen Schlaf-Empfehlungen der Leitlinie, auch wenn sie zuerst auf Widerstand stößt.
- Smartphone, Tablet und Fernseher nachts aus dem Kinderzimmerauch wenn das Gerät als Wecker, Nachtlicht oder Einschlafmusik dient.
- Ladestation außerhalb des Schlafzimmers einrichtenverhindert, dass das Gerät nachts griffbereit im Bett liegt.
- Ruhigen Übergang statt Video einplanenLesen oder ein Hörspiel wirkt weniger aufwühlend als Bewegtbild kurz vor dem Einschlafen.
- Die Abschaltzeit auch am Wochenende haltensonst verschiebt sich der Rhythmus immer wieder neu, und der Montag beginnt übermüdet.
Häufige Fragen
Wie lange vor dem Schlafen sollte das Handy weg?
Mindestens eine Stunde vorher, so die Leitlinie. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren kommt als zusätzlicher Richtwert eine Abschaltzeit spätestens um 21 Uhr dazu, dazu höchstens 1 bis 2 Stunden Bildschirmzeit insgesamt am Tag.
Darf das Handy nachts stummgeschaltet im Kinderzimmer bleiben?
Die Leitlinie empfiehlt, mobile Bildschirmmediengeräte während des Schlafens ganz aus dem Zimmer zu nehmen - stummgeschaltet oder nicht. Liegt das Handy in Reichweite, ist der Griff danach nachts leichter.
Mein Kind sagt, es braucht das Handy als Wecker - was tun?
Ein einfacher, analoger Wecker übernimmt diese Aufgabe genauso gut und nimmt den Vorwand, das Smartphone über Nacht im Zimmer zu behalten.
Wirkt sich auch Mediennutzung am Nachmittag auf den Schlaf aus, nicht nur abends?
Ja, laut Leitlinie kann auch Mediennutzung tagsüber mit unzureichendem Schlaf zusammenhängen. Für die letzte Stunde vor dem Schlafengehen gibt die Leitlinie aber eine ausdrückliche Empfehlung, und sie lässt sich gut als feste Regel einführen.
Wie viel Bildschirmzeit insgesamt zum Alter passt, zeigt die Tabelle zur Medienzeit nach Alter. Wer Abschaltzeiten nicht nur fürs Schlafzimmer, sondern für den ganzen Tag festlegen will, findet Ansätze unter Medienregeln in der Familie. Bleibt der Schlaf trotz fester Regeln dauerhaft gestört oder zieht sich das Kind zunehmend zurück, lohnt zusätzlich ein Blick auf woran Eltern Mediensucht wirklich erkennen.
Zuletzt geprüft am 08.10.2026 · fachlich geprüft
Quellen
- Leitlinie Medienzeit, Kapitel Einführung (AWMF 027-075) · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ·
- Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (AWMF 027-075, S2k), Kapitel 3: Empfehlungen · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (federführend) mit weiteren Fachgesellschaften · 01.07.2023
- KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) · 01.05.2025
- Elternberatung 0800 111 0550 - Zeiten, Anonymität, Kosten · Nummer gegen Kummer e. V.
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 08.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
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- 4 Quellen, unten vollständig aufgeführt
- Wiedervorlage
- 06.04.2027
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