Mit Trick 17 zum Kurzfilm: Die Trickboxx und wie Kinder heute Trickfilme drehen
Die Trickboxx ließ Kinder ab 1986 eigene Stop-Motion-Filme drehen. Was davon noch gilt, wie die Technik funktioniert und wie Ihr Kind heute mit Tablet oder App selbst einen Trickfilm dreht.
Die „Trickboxx“ war eine Holzkiste mit zwei Lampen und einer Kamera, mit der Kinder eigene Stop-Motion-Filme drehen konnten - laut dem Artikel von medienbewusst.de aus dem Jahr 2010 erfunden 1986 vom schwedischen Produzenten Erling Ericsson. Ganz verschwunden ist die Idee nicht: Beim Berliner Verein Kinderfilm Berlin e.V. gibt es bis heute ein Trickfilmstudio mit „Trickboxen“, und mit einer Stop-Motion-App auf Tablet oder Smartphone funktioniert das Prinzip auch zuhause.
Die Trickboxx auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Prinzip | Stop Motion: Standbild für Standbild aufnehmen, am Ende ergibt die Abfolge eine Bewegung |
| Ursprung | laut Ursprungsartikel von 2010 erfunden 1986 vom schwedischen Produzenten Erling Ericsson |
| Damals | KiKA strahlte fertige Filme laut Ursprungsartikel von 2010 in der wöchentlichen Sendung „Trickboxx“ aus |
| Heute | kein Treffer zur Sendung in der KiKA-Suche, kika.de/trickboxx liefert einen Serverfehler (eigene Prüfung, Oktober 2026); Kinderfilm Berlin e.V. bietet ein Trickfilmstudio mit „Trickboxen“ an, ab 8 Jahren |
Die Trickboxx: Wie es damals funktionierte (2010)
Im Jahre 1986 entwickelte der schwedische Produzent und Grafiker Erling Ericsson eine Box, die es Kindern ermöglicht, selbst Trickfilme zu erstellen. Mit dem Namen „The Box“ rief Ericsson ein medienpädagogisches Projekt ins Leben, das Kinder aktiv in den Filmproduktionsprozess integriert, ohne dabei technisch zu überfordern.
Das Projekt erregte in der Debatte um Medienkompetenz großes Aufsehen, da es vor allem das praktische, mediale Verständnis der Kinder und Jugendlichen fordert und sich damit klar vom theoretischen Ansatz der Vermittlung von Medienkompetenz abhebt. 120cm (Länge) x 100cm (Höhe) x 50 cm (Tiefe) - das sind die Maße jener mittlerweile fast 25 Jahre alten Box. Hinter dieser, zu deutsch „Trickboxx“, verbirgt sich eine einfache Kiste aus Holz, die von zwei Lampen ausgeleuchtet wird und mit Hilfe einer Videokamera Bilder schießt.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um Bewegtbilder sondern um Standbilder. Und genau darin steckt auch die Magie der Box: Mit Hilfe der Stop Motion Technik können scheinbar tote Gegenstände zum Leben erweckt und filmisch kreativ verarbeitet werden.
Dabei ist Stop Motion eine Technik, die schon Ende des 19. Jahrhunderts bekannt war. Filme wie „Godzilla“ oder „Sindbads siebte Reise“ verdanken dieser Art der Animation ihre großen Erfolge. Auch der klassische Zeichentrickfilm besteht aus nichts anderem, als einer großen Anzahl von Standbildern, die rasch hintereinander abgespielt werden. Die Trickboxx macht sich genau diese Technik zunutze. Auf deren Arbeitsfläche können Kinder beispielsweise ihre Lieblingsfiguren platzieren und in eine erdachte Geschichte verwickeln. Nach jedem geschossenen Bild müssen sie ihr Objekt ein wenig verändern, damit ein Eindruck von Bewegung entsteht.
Am Ende werden diese Bilder aneinandergereiht und damit die Figuren zum Leben erweckt.
Neben der korrekten technischen Umsetzung steht bei der Trickboxx v.a. die intensive Beschäftigung mit dem Medium Film im Vordergrund. Angefangen von der Idee, über das Storyboard bis hin zur Nachvertonung werden alle Phasen eines Medienproduktionsprozesses durchlaufen. Inspiriert durch Erling Ericsson verleiht auch der Kinderkanal Trickboxxen an Vereine, Schulklassen oder filminteressierte Gruppen. Gunnar Gerstel vom Ki.Ka-Team betont dabei gegenüber medienbewusst.de die besondere Bedeutung der Trickboxx: “Die Kinder müssen aktiv werden, mitdenken, Ideen entwickeln und die Technik beherrschen.
Nur gemeinsam erreichen sie das Ziel, einen Trickfilm herzustellen.“ Als Motivation und Belohnung für einen erfolgreichen Film winkt den Teilnehmern die Ausstrahlung ihres Projekts in der gleichnamigen wöchentlichen Sendung „Trickboxx.“
Auch der Kinderfilm Berlin e.V. bietet neben Aktionen wie Bilderkino oder Hörspielen die Erstellung von Filmen per Trickboxx an. Ehrenamtliche Medienpädagogen betreuen die Kinder bei ihrer Arbeit, so auch Ingrid Maire. Sie fordert insbesondere eine kritische Auseinandersetzung mit dem Medium Film: „Wie werde ich durch schon fertige Produkte in bestimmte Richtungen gelenkt oder manipuliert“, fragt sie beispielsweise in ihren Workshops für Eltern und Kinder. In der Debatte um Medienkompetenz ist sie sich sicher: „Das Selbst-Tun hinterlässt die meisten und beeindruckendsten Spuren.
Man kann nur hinter die Kulissen schauen, indem man Medien anwendet - ganz egal welcher Art.“
An das Prinzip „Learning by Doing“ glaubt auch Erfinder Ericsson. Für die schwedische Behörde für Bildung im Medienbereich entwickelte er einen filmwissenschaftlichen Unterricht und behauptet stolz: „Natürlich sind nicht alle der vielen tausend Kinder, die ich bei meiner Arbeit getroffen habe, Trickfilmer geworden, aber alle erinnern sich an ihre Schulzeit, als sie mit der Trickboxx Trickfilme machen durften.“
Was heute gilt
Die Stop-Motion-Technik selbst ist nicht veraltet: Figur für Figur umlegen, Bild für Bild aufnehmen, am Ende ergibt die Abfolge eine Bewegung - genau das Prinzip der alten Trickboxx. Was fehlt, ist die bundesweite Verleihaktion des Kinderkanals von 2010: In der eigenen Suche auf kika.de taucht die Sendung „Trickboxx“ nicht mehr auf, und kika.de/trickboxx liefert einen Serverfehler (eigener Abruf, 05.10.2026).
Was es dafür gibt: Der Kinderfilm Berlin e.V., der schon im Artikel von 2010 genannt wird, bietet laut eigener Website weiterhin ein Trickfilmstudio an - in eigenen Worten: „Ihr nutzt unsere Trickboxen und Filmtechnik.“ Das Angebot richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, mit höchstens neun Kindern und einer Dauer von etwa 2,5 Stunden und wird dort als Kindergeburtstag angeboten.
Für zuhause braucht es weder Holzkiste noch Verein: Eine Stop-Motion-App auf Tablet oder Smartphone reicht, dazu Lieblingsfiguren und etwas Tageslicht oder eine Schreibtischlampe. Welche Apps sich eignen und wie der Einstieg gelingt, steht unter Trickfilm, Foto und Podcast: Medien selbst gestalten.
So gelingt der erste eigene Trickfilm
Figuren und Ort festlegen
Ob Spielfigur, Knetfigur oder Alltagsgegenstand: Legen Sie mit Ihrem Kind fest, wer die Hauptrolle spielt und wo die Szene steht - ein Tisch oder ein Regal reicht.
Kamera ruhig aufstellen
Das Tablet oder Smartphone bleibt für die ganze Szene an derselben Stelle, am besten auf einem Stapel Bücher oder einem kleinen Stativ.
Bild für Bild aufnehmen
Nach jedem Foto wird die Figur nur ein kleines Stück bewegt. Je kleiner der Schritt, desto ruhiger wirkt die Bewegung später.
Reihenfolge zusammensetzen
Eine Stop-Motion-App reiht die Fotos automatisch zu einem kurzen Film zusammen - für den ersten Versuch reichen wenige Sekunden.
Gemeinsam anschauen
Schauen Sie sich das Ergebnis zusammen an und fragen Sie, was Ihr Kind beim nächsten Mal anders machen würde.
Bevor es losgeht
Bevor es losgeht
Vier Punkte für den ersten eigenen Trickfilm:
- Figuren, die stabil stehenWackelnde Figuren kippen bei jedem Bildwechsel um - das kostet die meiste Zeit.
- Gleichmäßiges LichtOhne Blitz und möglichst von derselben Seite, sonst flackert die Aufnahme später.
- Eine kurze, einfache IdeeEine Szene mit drei bis vier Schritten reicht für den ersten Versuch völlig aus.
- Genug Zeit und Geduld einplanenFür wenige Sekunden Film braucht es leicht mehrere Dutzend Einzelbilder.
Trickfilme sind nur ein Baustein für aktive Medienarbeit mit Kindern: Weitere Ideen zum Selbermachen stehen unter Medien sinnvoll nutzen, ein Überblick über Medienkompetenz insgesamt unter Medienkompetenz und Medienbewusstsein.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Quellen
- Startseite / Suche kika.de · KiKA
- Trickfilmstudio · Kinderfilm Berlin e.V.
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 2 Quellen, unten vollständig aufgeführt
- Wiedervorlage
- 04.10.2028
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