Ein neuer kleiner Mozart? Musikalische Früherziehung
Kein Kind ist unmusikalisch: Das Gefühl für Klang und Rhythmus entwickelt sich früh und lässt sich fördern. Ein Besuch in einer Musikschule zeigt, wie Eltern den Einstieg finden.
Wie stark ein Kind Musik mag, hängt selten an einem fehlenden Talent, sondern daran, ob und wie früh es Gelegenheit dazu bekommt. Ein Besuch in einer Musikschule zeigt, wie Kinder dort schon im Kleinkindalter an Klang, Rhythmus und Instrumente herangeführt werden - und was Eltern dabei erleben.
Ein Besuch in der Musikschule
Untersuchungen ergaben, dass es keine unmusikalischen Menschen gibt, denn das Feingefühl für Musik und Klang ist notwendig für den Spracherwerb. In begrenzten Zeiträumen öffnet das Gehirn sogenannte Entwicklungsfenster. In dieser Phase können die jeweiligen Fähigkeiten besonders wirksam aufgebaut werden. Danach schließen sich diese Fenster und die Fähigkeit des absoluten Gehörs nimmt ab. Viele Eltern denken über eine musikalische Förderung erst recht spät nach, dabei kann der effektivste Zeitpunkt bereits ab dem vierten Lebensmonat beginnen. medienbewusst.de besuchte eine Musikschule in Erfurt und beobachtete das rege Treiben.
Das spielerische Erwachsenwerden mit Musik bereitet Kindern nicht nur Spaß und Freude, sondern hat auch noch einige positive Nebeneffekte. Wird die Musikalität eines Babys gefördert, verbessert sich zugleich die Sprachentwicklung. Zudem werden Konzentrations- und Teamfähigkeit neben weiteren sozialen Kompetenzen wie Mitgefühl, Toleranz, Rücksichtnahme ausgebaut. Fähigkeiten, die Kinder ihr gesamtes Leben lang benötigen.
In der YAMAHA Musikschule in Erfurt - 1997 von Verena Fränzel gegründet - setzt man von Anfang an darauf, die Musikalität von Kindern zu fördern. Jede Altersstufe wird individuell betreut. Getreu dem Prinzip „Je früher, desto besser“ lernen schon die Kleinsten im Alter von vier bis 18 Monaten mit dem passend auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Programm musizieren.
Besonders viel Spaß macht den Kindern dabei das Entdecken und Erzeugen von Tönen und rhythmischen Klängen auf den unterschiedlichsten Instrumenten wie der Gitarre, der Blockflöte, dem Klavier, der Trommel oder dem Tamburin.
Kurse für Vorschulkinder
Für Kinder ab vier Jahren gibt es wiederum spezielle Kurse. In diesem Alter beginnen die Kinder spielerisch die Welt der Erwachsenen nachzuahmen. Das Programm nimmt diese Neigung auf und ermöglicht den Vorschulkindern durch die Kombination von Musik und Bewegung, ihre Koordinationsfähigkeit bewusst einzusetzen und ihre Fähigkeiten in der Grob- und Feinmotorik zu entwickeln.
Unterschiedliche Instrumente werden in diesem Alter von den Kindern nun differenzierter in ihren Klangmöglichkeiten wahrgenommen und geschickt mit den kleinen Fingern bedient. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ausbildung des musikalischen Gehörs, das Singen und Spielen von Kinderliedern, das spielerische Erlernen von Noten und Instrumentenkunde.
Die Rolle der Eltern
Die Eltern dürfen bei allen Kursen dabei sein. Sie übernehmen allerdings keine führende Rolle, sondern sind Beobachter und sehen ihren Kindern beim musikalischen Entdecken zu. Sie sind besonders dann stolz, wenn die Kinder bei Auftritten ihr Gelerntes präsentieren können. So wird nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder gefördert, sondern die gemeinsame Freude über die Erfolge verbindet Eltern und Kinder auch in besonderem Maße.
Erfahrungen aus der Praxis
Eines der Kinder auf der YAMAHA Musikschule ist Rufus. Er ist fünf Jahre alt und besucht seit mittlerweile dreieinhalb Jahren die frühkindliche Musikerziehung der Schule. Angefangen hatte der Musikunterricht in einem Musikkindergarten. Seit zwei Jahren geht er nun auf eine richtige Musikschule und lernt dort in einem Trommelkurs. Seine Mutter Nicole Elß probierte zuvor schon einiges aus: sie besuchte mit ihrem Kind verschiedene Krabbelgruppen und das Kinderturnen, aber Rufus schien das alles nicht recht zu gefallen.
Da bei Familie Elß jedoch schon von Hause aus viel musiziert wird und Rufus irgendwann anfing, einfach mitzutanzen oder mitzuklatschen und später dann auch mitzusingen, entschied sich Nicole Elß für die Musikschule: „Rufus kann gut singen und hat ein sehr gutes Rhythmusgefühl, aber ich kann nicht sagen, ob ihm das nun schon im Blut und Temperament lag oder ob das dort erlernt wurde“.
Auch Stefanie Heym meldete ihre dreijährige Tochter Ronja bei einem der Kindermusikkurse in Erfurt an, entschied sich aber nach den ersten paar Stunden doch gegen die Schule, als sie merkte, dass Ronja nur wenig Interesse zeigte: „Sie ist eben eher die Abenteuerin und ich wollte meiner Tochter auf keinen Fall etwas gegen ihren Willen aufzwängen“.
Warum viele Kinder dabeibleiben
Die meisten Kinder bleiben der Musikschule allerdings viele Jahre treu. Gründe dafür sind vor allem das Konzept der aufeinander aufbauenden Programme und die durch fortlaufende Weiterbildung qualifizierten Lehrkräfte. Zudem versuchen alle Mitarbeiter mit pädagogischem Geschick individuell auf die Kinder einzugehen: auf die Entdecker und Schüchternen, die Bewegungsfreudigen und Beobachter. In jedem Unterricht werden die Wünsche und Interessen der Kinder und Eltern von den Lehrkräften berücksichtigt.
Rückmeldungen über den erlebten Unterricht und die allgemeine Betreuung begrüßt das Team der Musikschule Fränzel mit offenen Armen und Ohren, denn nur wenn Eltern und Kinder sich wohlfühlen, kann sich gemeinsames Musizieren entfalten und Spaß machen. Frühe Förderung von Kindern ist sicher nicht verkehrt, jedoch zeigen eben nicht alle Kinder vollstes Interesse dafür und Eltern sollten auf keinen Fall versuchen, Talent zu erzwingen.
Wie Sie den Einstieg finden
Beobachten, was Ihr Kind schon tut
Tanzt, klatscht oder summt Ihr Kind von sich aus mit? Das ist oft der beste Hinweis, ob ein musikalisches Angebot gerade passt - mehr als ein festes Alter.
Eine Probestunde vereinbaren
Viele Musikschulen bieten ein Schnuppern an. So sehen Sie, wie Ihr Kind auf die Gruppe, die Instrumente und die Lehrkraft reagiert, bevor Sie sich festlegen.
Als Beobachter dabei sein
In den Kursen für die Kleinsten sind Eltern meist Teil des Raumes, aber nicht der Anleitung. Setzen Sie sich dazu, statt vorzugeben, wie Ihr Kind mitmachen soll.
Zuhause weitermachen
Gemeinsames Singen, Klatschen oder einfache Rhythmusspiele im Alltag wirken wie eine Fortsetzung der Stunde - ganz ohne Instrument.
Geduld mit dem Tempo des Kindes
Manche Kinder brauchen mehrere Anläufe oder wechseln den Kurs, bis es passt. Das ist kein Zeichen fehlender Musikalität, sondern normal.
Bevor es losgeht
Checkliste vor dem ersten Kurs
Fragen, die vor der Anmeldung helfen:
- Zeigt mein Kind von sich aus Interesse an Klängen, Singen oder Bewegung?Das ist oft ein besserer Zeitpunkt als ein festes Alter.
- Bietet die Musikschule eine Probestunde an?So lässt sich prüfen, ob Gruppe und Lehrkraft passen, bevor man sich bindet.
- Darf ich als Elternteil zu Beginn mit im Raum sein?Gerade kleine Kinder brauchen anfangs oft eine vertraute Person in der Nähe.
- Passt der Kurstermin zum Tagesrhythmus meines Kindes?Müde Kinder haben weniger von der Stunde als ausgeruhte.
- Bin ich bereit, auch einen Kurswechsel zuzulassen?Nicht jedes Kind findet beim ersten Angebot die passende Form.
Gibt es wirklich unmusikalische Kinder?
Nach Einschätzung von Musikpädagogen nicht: Das Gefühl für Klang und Rhythmus gehört zur Sprachentwicklung und lässt sich früh fördern - wie stark, hängt vom Angebot und vom Interesse des Kindes ab, nicht von einer festen Begabung.
Ab welchem Alter lohnt sich eine Musikschule?
Das hängt von der einzelnen Schule ab - manche nehmen schon die jüngsten Kinder auf, wie die im Artikel beschriebene Musikschule. Entscheidender als ein genaues Alter ist, ob Ihr Kind von sich aus Interesse an Musik zeigt.
Wer die musikalische Frühförderung mit anderen Alltagsthemen verbinden will, findet unter Podcasts und Hörspiele für Kinder Anregungen fürs gemeinsame Zuhören, und unter Kinderseiten, die taugen altersgerechte Angebote für den Bildschirm. Einen Überblick über weitere Wege, Kinder beim Aufwachsen mit Medien zu begleiten, gibt Medien sinnvoll nutzen.
Zuletzt geprüft am 07.10.2026
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 07.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Wiedervorlage
- 06.10.2028
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