Wie viel Spielzeit ist in Ordnung?
Eine gesetzliche Grenze für Spielzeit gibt es nicht. Die DGKJ-Leitlinie nennt Richtwerte nach Alter, die Eltern an Spiel und Kind anpassen.
Wie viel Zeit am Controller oder Smartphone in Ordnung ist, hängt vom Alter ab, nicht von einer festen Zahl für alle Kinder. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nennt in ihrer Leitlinie von 2023 Richtwerte: Je älter das Kind, desto mehr freizeitliche Bildschirmzeit ist vertretbar, mit einer klaren Grenze nach oben. Welches Spiel läuft und was sonst noch im Tag Platz haben muss, entscheidet am Ende mehr als die Minutenzahl allein.
Richtwerte nach Alter
Diese Werte sind eine fachliche Empfehlung, kein Gesetz - eine Orientierung für die eigene Regel, kein Automatismus für jedes Kind.
| Alter | Richtwert Bildschirmzeit (Freizeit) | Besonderheit |
|---|---|---|
| 6 bis 9 Jahre | 30 bis 45 Minuten, nicht an jedem Tag | Begleitet, mit altersgerechten Inhalten |
| 9 bis 12 Jahre | 45 bis 60 Minuten täglich | Keine eigene Spielkonsole vor 9 Jahren |
| 12 bis 16 Jahre | 1 bis 2 Stunden täglich, bis 21 Uhr | Leitlinie fasst diese Spanne zusammen |
Die Minuten gelten für Bildschirmmedien insgesamt, nicht zusätzlich je Gerät. Fernsehen, Handyspiele und Konsole zählen zusammen, nicht einzeln.
Wie Kinder wirklich spielen
In der Praxis liegt die Nutzung oft über diesen Werten. Laut KIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest spielen 64 Prozent der 6- bis 13-Jährigen mindestens wöchentlich digitale Spiele, 28 Prozent sogar täglich. Mit dem Alter steigt der Anteil deutlich: Bei den Sechs- bis Siebenjährigen sind es 45 Prozent, bei den Zwölf- bis 13-Jährigen bereits 80 Prozent.
Auch Eltern sehen das kritisch: 16 Prozent sagen laut KIM-Studie 2024, ihr Kind verbringe zu viel Zeit mit Computer-, Konsolen- oder Handyspielen. Bei Eltern von Zwölf- bis 13-Jährigen sind es 27 Prozent - mehr als bei den jüngeren Altersgruppen.
Woran Sie merken, dass die Zeit nicht passt
Signale, die für eine Grenze sprechen
Keines dieser Signale ist für sich ein Problem - als Muster über mehrere Wochen schon:
- Hausaufgaben oder Schlafenszeit verschieben sich regelmäßig nach hinten.Nicht einmal, sondern als wiederkehrendes Muster.
- Das Kind kann eine angekündigte Spielpause nicht selbst einhalten.Auch nach Erinnerung wird weitergespielt oder nachverhandelt.
- Verabredungen, Sport oder andere Hobbys fallen zunehmend aus.Das Spiel verdrängt andere Freizeit, statt sie zu ergänzen.
- Streit um das Abschalten gehört zum Alltag.Nicht die einzelne Diskussion zählt, sondern wie oft sie vorkommt.
- Spielzeiten verschieben sich zunehmend in den späten Abend.Besonders bei Spielen mit täglichen Belohnungen oder Freunden in anderen Zeitzonen.
Grenzen setzen, die halten
Eine feste Zeit vereinbaren
Legen Sie gemeinsam fest, wann gespielt wird - zum Beispiel nach den Hausaufgaben, nicht unmittelbar vor dem Schlafen.
Die Zeit am Gerät hinterlegen
Konsolen, Smartphones und Tablets bringen eigene Zeitlimits mit. Stellen Sie die Grenze dort ein, statt sie nur mündlich zu vereinbaren.
Vorher ankündigen, nicht mitten im Spiel abbrechen
Eine Ankündigung einige Minuten vorher lässt eine laufende Runde zu Ende spielen - ein abrupter Abbruch mitten in einer Partie erzeugt unnötigen Streit.
Das Spiel in die Regel einbeziehen
Ein offline gebautes Projekt braucht andere Zeiten als eine Online-Partie mit Freunden. Passen Sie die Minutenzahl an das Spiel an, nicht an eine pauschale Zahl.
Konsequenz vorher klären
Legen Sie fest, was bei Überschreiten passiert, bevor es passiert - spontane Strafen mitten im Streit wirken selten.
Die Altersfreigabe eines Spiels sagt nichts über die passende Spielzeit - wie sich USK- und PEGI-Freigaben unterscheiden, ist eine eigene Frage. Wie unterschiedlich sich Spielzeit je nach Titel auswirkt, zeigt der Steckbrief zu Minecraft im Vergleich von Kreativmodus und Online-Runden. Tägliche Boni und Battle-Pässe halten Kinder länger am Gerät, als sie eigentlich wollten - was das mit In-App-Käufen zu tun hat, erklärt die Übersicht dazu. Wie sich feste Zeiten direkt auf Konsole, Switch und Xbox einstellen lassen, ist ein eigenes Thema.
Zuletzt geprüft am 04.10.2026
Quellen
- Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend, Kapitel 3 Empfehlungen (AWMF-Register 027-075) · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) · 15.07.2023
- KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) · 01.05.2025
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 04.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 2 Quellen, unten vollständig aufgeführt
- Wiedervorlage
- 04.10.2027
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