Temu und Shein: Was Eltern über Billig-Shopping-Apps wissen sollten
Shein nennt 16 Jahre für die Nutzung und 18 Jahre für Bestellungen. Bestellt ein Kind heimlich, können Eltern die Genehmigung verweigern. Am besten hilft: keine gespeicherten Zahlungsdaten.
Shein nennt in seinen Bedingungen zwei Altersgrenzen: 16 Jahre, um die Dienste zu nutzen, und 18 Jahre für Bestellungen. Kinder dürfen dort also nicht selbst einkaufen. Ob ein Kind es trotzdem tut, hängt an Ihrem Handy: Sind Zahlungsdaten hinterlegt, ist die Bestellung nur wenige Fingertipps entfernt.
Mindestalter: Was die Bedingungen sagen
Shein schreibt in den Allgemeinen Nutzungsbedingungen (Fassung vom 31. August 2026): „Sofern gesetzlich zulässig, müssen Sie mindestens 16 Jahre alt sein, um unsere Dienste nutzen zu können.“ In den Allgemeinen Verkaufsbedingungen (Fassung vom 1. Juli 2026, für Deutschland und Luxemburg) steht: „Um eine Bestellung auf dem Marktplatz aufzugeben, erklärt der Kunde, dass er mindestens 18 Jahre alt ist.“ Das sind Vertragsbedingungen, keine technische Sperre.
Auch Temu nennt ein Mindestalter in seinen Nutzungsbedingungen. Lesen Sie es dort nach, bevor Ihr Kind ein Konto anlegt. Was für Shein gilt, gilt sinngemäß: Eine Altersangabe ist eine Vertragsbedingung, keine Kontrolle.
Was die EU-Kommission gegen Temu entschieden hat
Die Kommission hat am 28.05.2026 nach dem Gesetz über digitale Dienste „eine Geldbuße in Höhe von 200 Mio. EUR gegen Temu verhängt“. Der Grund: Temu hatte die Risiken rechtswidriger Produkte auf seiner Plattform nicht sorgfältig ermittelt und bewertet. Das Verfahren hat die Kommission damit abgeschlossen. Temu musste bis zum 28. August 2026 einen Aktionsplan vorlegen, wie die Mängel behoben werden.
Für Eltern wichtig ist der Testkauf, der Teil der Untersuchung war. Danach bestand „ein sehr hoher Prozentsatz der ausgewählten Ladegeräte“ grundlegende Sicherheitsprüfungen nicht. Und ein „großer Anteil der getesteten Babyspielzeuge“ barg mittlere bis hohe Sicherheitsrisiken, durch Chemikalien über den gesetzlichen Grenzwerten oder durch abnehmbare Teile mit Erstickungsgefahr. Das betrifft die getestete Auswahl, nicht jedes Produkt. Eine Geldbuße ist kein Verbot: Temu bleibt erreichbar.
Schon 2024 war der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen Temu vorgegangen. Nach einer Abmahnung gab Temu im Mai 2024 eine Unterlassungserklärung ab. Im Dezember 2024 zahlte Temu laut vzbv eine Vertragsstrafe von 5.100 Euro, weil es sich nicht daran gehalten hatte: Auf einem geprüften Tablet für Kinder fehlte die vorgeschriebene CE-Kennzeichnung. Wie die Kauftricks solcher Apps wirken, erklärt die Seite Dark Patterns.
Wenn das Kind schon bestellt hat
Kinder und Jugendliche ab 7 Jahren können im Rahmen ihres Taschengeldes etwas kaufen. Bei Bestellungen im Internet wird aber meist erst hinterher bezahlt. Die Verbraucherzentrale schreibt deshalb, das falle „gerade nicht unter den Taschengeldparagraph“. Eltern müssen vorher einwilligen oder den Kauf nachträglich genehmigen.
Was Eltern vorher tun können
Zahlungsdaten entfernen
Löschen Sie gespeicherte Karten und PayPal-Verknüpfungen im Shop-Konto und im Browser, soweit Ihr Kind das Gerät nutzt.
Wissen, was die Kaufgenehmigung kann
Die Kaufgenehmigung von Google Play gilt laut Google „nur für Käufe über das Abrechnungssystem von Google Play“. Eine Bestellung im Shop, die mit Karte oder PayPal bezahlt wird, hält sie nicht auf.
Kein eigenes Shop-Konto fürs Kind
Ohne eigenes Konto und ohne Zugang zu Ihrem Konto ist die Spontanbestellung schwer.
Gemeinsam in die App schauen
Zeigen Sie, wie Countdowns, Glücksräder und Zähler wirken, und lassen Sie das Kind sagen, was es kaufen wollte.
Bestellungen bei sich bündeln
Wünsche gehen auf Ihre Liste, bestellt wird mit Ihrem Konto und zu einem festen Zeitpunkt.
Das hilft am schnellsten
Vier Punkte, die ohne Zusatzsoftware gehen.
Ihre Haken werden nicht gespeichert.
Ab wann dürfen Kinder bei Temu oder Shein bestellen?
Shein nennt 16 Jahre für die Nutzung und 18 Jahre für Bestellungen. Temu nennt ein Mindestalter in seinen Nutzungsbedingungen, lesen Sie es dort nach.
Mein Kind hat heimlich bestellt. Was kann ich tun?
Teilen Sie dem Anbieter mit, dass Sie die Genehmigung verweigern. Laut Verbraucherzentrale ist der Kaufvertrag dann unwirksam, ein Widerruf ist nicht nötig. Hat das Kind über Ihr Konto bestellt, holen Sie sich Rat bei der Verbraucherzentrale.
Ist Temu verboten?
Nein. Die EU-Kommission hat 2026 eine Geldbuße verhängt, weil Temu die Risiken rechtswidriger Produkte nicht sorgfältig bewertet hatte. Ein Verbot ist das nicht. Temu muss die Mängel mit einem Aktionsplan beheben.
Weiter: Wie solche Tricks wirken, erklärt Dark Patterns. Taschengeld und eigene Zahlungsmittel stehen unter Taschengeldkonto und Kinder-Girokonto, Käufe in Apps unter In-App-Käufe.
Zuletzt geprüft am 02.11.2026
Quellen
- Kommission verhängt Geldbuße von 200 Mio. EUR gegen Temu (IP/26/1178) · Europäische Kommission · 28.05.2026
- Kaufgenehmigungen bei Google Play · Google LLC, Google für Familien-Hilfe · 08.11.2026
- Shein: Allgemeine Nutzungsbedingungen (31.08.2026) und Allgemeine Verkaufsbedingungen (01.07.2026) · SHEIN · 01.08.2026
- Geschäftsfähigkeit: Was dürfen Kinder im Internet einkaufen? · Verbraucherzentrale · 12.08.2026
- Verstoß gegen Unterlassungserklärung: vzbv verhängt Vertragsstrafe gegen Temu · Verbraucherzentrale Bundesverband · 18.12.2024
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 02.11.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 5 Quellen, unten aufgeführt
- Wiedervorlage
- 02.11.2027
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