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Kindersendungen und Wortschatz: Was wirklich hilft

Ein Kind sitzt vor dem Fernseher und zeigt auf den Bildschirm, ein Erwachsener sitzt daneben und spricht mit.
Den Unterschied macht nicht die Sendung allein, sondern ob jemand die Wörter mit ins Gespräch nimmt.

Fernsehen allein erweitert den Wortschatz kaum. Unter etwa 30 Monaten lernen Kinder vom Bildschirm fast nichts, die Leitlinie rät bis drei Jahre zu bildschirmfrei.

Ob eine Kindersendung den Wortschatz voranbringt, hängt vom Alter des Kindes ab und davon, wer mitschaut. Unter etwa 30 Monaten stellt sich kaum ein Lerneffekt ein, weil kleine Kinder Bildschirminhalte noch nicht auf die reale Welt übertragen können. Bis drei Jahre rät die aktuelle Leitlinie ohnehin zu bildschirmfrei. Danach kommt es vor allem darauf an, dass ein Erwachsener mitschaut, mitspricht und die Wörter im Alltag wieder aufgreift.

Aktiver und passiver Wortschatz: der Unterschied

BegriffWas es bedeutet
Aktiver WortschatzWörter, die ein Kind selbst sagt und im Satz benutzt
Passiver WortschatzWörter, die ein Kind versteht, aber (noch) nicht selbst sagt

Der Ratgeber von 2013 ging davon aus, dass Fernsehen vor allem das Verstehen anspricht, seltener das Sprechen. Ein Kind erkennt ein Wort beim Zuschauen womöglich wieder, ohne es selbst zu benutzen. Ob es in den aktiven Wortschatz wandert, entscheidet dann das Gespräch: Greift ein Erwachsener das Wort im Alltag auf - beim Anziehen, beim Essen, beim Spielen -, bekommt das Kind Gelegenheit, es selbst zu sagen.

Warum jüngere Kinder aus dem Fernsehen kaum lernen

Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum in der Kindheit und späteren Verzögerungen der sprachlichen Entwicklung, so die aktuelle Leitlinie zum Bildschirmmediengebrauch. Kinder unter etwa 30 Monaten haben zusätzlich Schwierigkeiten, aus zweidimensionalen Inhalten zu lernen, weil ihnen die Übertragung in die reale Welt noch schwerfällt.

Bildschirmzeit nach Alter: was die Leitlinie empfiehlt

AlterEmpfehlung der Leitlinie (Elternfassung)
0 bis 3 JahreBildschirmfrei
3 bis 6 JahreHöchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen, mit einem Erwachsenen
6 bis 9 JahreHöchstens 30 bis 45 Minuten an einzelnen Tagen, mit einem Erwachsenen
9 bis 12 JahreHöchstens 45 bis 60 Minuten freizeitliche Bildschirmnutzung

Die Leitlinie trägt den Stand 2023 und war laut eigener Angabe für Juli 2026 zur Überprüfung vorgesehen; bis zu einer Neufassung gilt sie weiter. Für ältere Kinder und Jugendliche steht die vollständige Tabelle unter Medienkompetenz und Medienbewusstsein.

Der Ratgeber von 2013 im Wortlaut

Der Erwerb der Sprache gehört zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben im Kindesalter. Laut Forsa-Umfrage besitzt das Fernsehen in unserer Gesellschaft mittlerweile einen hohen Stellenwert und die Anzahl der Kindersendungen nimmt stetig zu. Kinder werden von ihren Eltern oder Großeltern immer früher an dieses Medium herangeführt -häufig mit der Begründung: „die Kleinen lernen ja auch was dabei“. Aber ist dies wirklich so? Können Kinder ihren Wortschatz und ihre Sprachfertigkeiten tatsächlich durch das Fernsehen festigen oder gar verbessern?

Das JFF (Institut Jugend Film Fernsehen) und Medienzentrum Parabol erstellte 2010 eine Expertise über sprachförderliche Potenziale der Medienarbeit in Kindertagesstätten. Demzufolge sind die strukturellen Eigenschaften des Fernsehens für eine Sprachförderung nicht optimal. Ein Kind sollte vor dem Fernseher also nicht nur „bespaßt“ werden, sondern wenn möglich auch noch etwas dabei lernen. Es sind jedoch einige Dinge, wie zum Beispiel die Altersbeschränkung, bei der Auswahl des Fernsehprogramms zu beachten.

Generell lässt sich sagen, dass Fernsehen für unter Dreijährige aus medienpädagogischer Sicht nicht sinnvoll ist, da Kleinkinder die bunten Bilder nur in Bruchstücken erfassen und sehr begrenzt einschätzen und verarbeiten können.

Menschen haben einen aktiven und einen passiven Wortschatz. Schaut ein Kind eine Fernsehsendung, ohne dabei aktiv mitzumachen, kann sich so der passive Wortschatz erhöhen, selten jedoch der aktive. Deshalb ist es empfehlenswert, wenn Kinder sogenanntes „educational TV“ oder auch „Mitmach-Sendungen“ wie zum Beispiel „Die Sesamstraße“, „Dora the Explorer“ oder „Blues Clues“ schauen. Solche Sendungen sind durch einfache Strukturen, häufige Wiederholungen, langsames und deutliches Sprechen gekennzeichnet. Die Kinder werden hierbei direkt von den Figuren und Personen angesprochen und zum Mitmachen animiert.

Durch Beobachtung und Nachahmung erlernen die Kleinen spielerisch verschiedene Fertigkeiten. Die Sendungen orientieren sich in der Regel an den Interessen und den Alltagsproblemen von Kindern. Dadurch fühlt sich die Zielgruppe angesprochen und verstanden und ihr Interesse an der Sendung wird gehalten. Zudem erinnern sich die kleinen Zuschauer viel länger an Dinge, die sie mit ihrer eigenen Lebenssituation verbinden.

Da sich die Entwicklungsschritte bei Kindern von Alter zu Alter unterscheiden, werden die verschiedenen Fernsehsendungen meist speziell auf die Entwicklungsstufe der Zielgruppe zugeschnitten, wodurch dann der Lerneffekt verbessert werden kann.

Aus logopädischer Sicht sollte jedoch beachtet werden, dass viele beliebte Sendungen aus anderen Ländern stammen und lediglich für das deutsche Fernsehen synchronisiert wurden. Die Folge davon ist, dass sich so ein falsches Mundbild für die deutsche Sprache ergibt, was Kinder bei der Aussprache der Wörter verwirren kann. Eben dies geschieht auch bei Cartoons - wobei hier auch noch hinzukommt, dass die menschliche Mimik auf ein Minimum reduziert ist. Des Weiteren nehmen die Kinder eine passive Rolle bei dem Schauen von Cartoons ein.

Dadurch wird der aktive Wortschatz in der Regel nicht gefördert.

Es wurde bestätigt, dass beim Fernsehen neben der Sprache auch spezielle Bildformen, Töne und Geräusche sprachliche Mitteilungen erklären und kommentieren können. Dadurch kann das Verständnis des dargebotenen Inhalts unterstützt werden. Idealerweise sollte die Mediennutzung durch erwachsene Bezugspersonen begleitet werden und die Fernsehdauer sollte altersgemäß beschränkt werden.

Bei der Kindersendung „Teletubbies“ wurde von amerikanischen Psychologen der Wake Forest University in einer Studie herausgefunden, dass Kinder die jünger als 22 Monate sind, von der Sendung zwar unterhalten werden, ihr Wortschatz sich dadurch aber nicht erweitert. Besonders Kleinkinder lernen die Sprache am besten, wenn ihnen diese in direkter Interaktion mit einem Menschen vermittelt wird, so Marina Krcmar, Associate Professor der Wake Forest University.

So beendete der Ratgeber von 2013 seine Betrachtung:

Kinder können die Sprache durch Fernsehen allein nicht lernen. Zwar ist eine Erweiterung des Wortschatzes durch Sendungen wie „die Sesamstraße“ möglich, jedoch betrifft dies in der Regel nur ältere Kinder. Bei Kleinkindern bis zu zwei Jahren bleibt der Lerneffekt aus. Sie sollten am besten durch direkte menschliche Interaktion an das Erlernen der Sprache herangeführt werden. Ab einem Alter von etwa drei Jahren kann dann, durch die passende Auswahl von altersgerechten Fernsehsendungen, der Wortschatz der Kinder tatsächlich erweitert und das Sprachverständnis verbessert werden.

Welche Sendungen Vorschulkinder heute tatsächlich sehen

2023 sah jedes siebte Vorschulkind täglich klassisches Fernsehen, zwei von fünf mindestens wöchentlich - beides rückläufig gegenüber 2020, so die miniKIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. Unter den Wissenssendungen, die Vorschulkinder dabei am häufigsten sehen, liegt „Die Sendung mit der Maus“ vorn, vor „Woozle Goozle“, „Löwenzahn/Löwenzähnchen“ und der „Sesamstraße“ - die internationalen Beispiele des alten Ratgebers sind hier eher die Ausnahme.

Was Sie als Eltern tun können

  1. Vor drei Jahren auf direkte Interaktion setzen

    Singen, Vorlesen und Benennen von Alltagsdingen helfen dem Wortschatz mehr als jeder Bildschirm.

  2. Ab drei Jahren eine Sendung gezielt auswählen

    Der Ratgeber von 2013 riet zu Mitmach-Sendungen mit Wiederholungen und deutlichem Sprechen statt zu synchronisierten Cartoons.

  3. Gemeinsam schauen statt nebenbei laufen lassen

    Die Leitlinie sieht für Drei- bis Sechsjährige Bildschirmzeit nur mit einem Erwachsenen vor. Wer mitspricht, macht aus Zuschauen ein Gespräch.

  4. Wörter nach der Sendung wieder aufgreifen

    Ein gesehenes Wort im Alltag noch einmal benutzen - das macht es zu aktivem Wortschatz.

  5. Bildschirmzeit nach Alter begrenzen

    Die Tabelle oben nennt die Richtwerte der aktuellen Leitlinie.

Zum Mitnehmen

Fördert die Sendung den Wortschatz Ihres Kindes?

Fragen, die vor dem Einschalten helfen:

  • Ist Ihr Kind jünger als drei Jahre?Die Leitlinie rät bis drei Jahre zu bildschirmfrei, direktes Sprechen trägt mehr.
  • Spricht die Sendung langsam und deutlich, mit Wiederholungen?Das erleichtert das Verstehen neuer Wörter.
  • Schaut ein Erwachsener mit und spricht mit?Die Leitlinie sieht bis sechs Jahre Bildschirmzeit nur mit einem Erwachsenen vor.
  • Greifen Sie ein gesehenes Wort später wieder auf?So wird aus einem verstandenen Wort ein benutztes.
  • Liegt die Bildschirmzeit im Rahmen der Altersempfehlung?Die Tabelle oben nennt die Richtwerte.

Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Wortschatz bei Kindern?

Der passive Wortschatz sind Wörter, die ein Kind versteht. Der aktive Wortschatz sind Wörter, die es selbst benutzt. Nach älterer medienpädagogischer Einschätzung erweitert Fernsehen, wenn überhaupt, vor allem den passiven Wortschatz.

Ab welchem Alter kann Fernsehen den Wortschatz von Kindern erweitern?

Unter etwa 30 Monaten kaum, so die aktuelle Leitlinie. Sie rät bis drei Jahre zu bildschirmfrei, von drei bis sechs Jahren zu höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen mit einem Erwachsenen. Ob eine Sendung dann Wörter mitgibt, hängt vor allem vom Gespräch danach ab.

Welche Kindersendungen fördern die Sprache am ehesten?

Eine aktuelle Studie, die Sendungen nach ihrer Sprachwirkung vergleicht, ist nicht belegt. Der Ratgeber von 2013 empfahl Mitmach-Sendungen mit Wiederholungen und deutlicher Sprache. Am häufigsten sehen Vorschulkinder laut miniKIM 2023 „Die Sendung mit der Maus“, vor „Woozle Goozle“, „Löwenzahn/Löwenzähnchen“ und der „Sesamstraße“ - das zeigt die Beliebtheit, nicht die Wirkung.

Warum lernen Kinder bei synchronisierten Cartoons schlechter sprechen?

Das Mundbild der Figuren passt nicht zur deutschen Sprache, was die Aussprache erschweren kann. Kinder schauen dabei zudem meist passiv zu.

Wer die Sprache lieber ganz ohne Bildschirm fördern will, findet Anregungen unter Podcasts und Hörspiele für Kinder und bei Kinderseiten, die taugen. Welche Apps zum Alter passen, steht unter Gute Apps nach Alter.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Quellen

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Belege
3 Quellen, unten vollständig aufgeführt
Wiedervorlage
04.10.2028

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