Die neuen Helden der Kindheit: Was Kinder heute wirklich bewundern
2012 waren Barbie, SpongeBob und Kim Possible die Helden der Kindheit. Laut KIM-Studie 2024 kommen die meisten Vorbilder der Kinder heute aus Sport, Musik und dem eigenen Umfeld.
2012 beschrieb dieser Artikel Barbie, SpongeBob und Kim Possible als die wichtigsten Fernsehvorbilder von Kindern. Heute sieht die Antwort anders aus: Laut der KIM-Studie 2024 hat nur noch gut die Hälfte der Kinder überhaupt ein Vorbild, und die meisten davon kommen aus Sport, Musik oder dem eigenen Umfeld. Eine eigene Kategorie für Fernsehfiguren führt die Studie nicht mehr.
Damals und heute im Vergleich
| Damals (2012) | Heute (KIM-Studie 2024) |
|---|---|
| Wichtigste Vorbilder laut diesem Artikel: Barbie, SpongeBob, Kim Possible, Bart Simpson | Die meisten Kinder nennen Personen aus Sport, Musik oder dem eigenen Umfeld; Fernsehfiguren führt die Studie nicht mehr als eigene Kategorie |
| Unbelegte Angabe: nur 7 Prozent fänden ihr Vorbild im privaten Umfeld | Bei allen Kindern mit Vorbild nennt rund ein Fünftel eine Person aus dem persönlichen Umfeld; in der Einzelnennungsliste der Jungen steht die eigene Familie mit 9 Prozent an erster Stelle |
| Unbelegte Angabe: Gewalt in Sendungen mache besonders Jungen aggressiver | Die Medienleitlinie (2023) sieht einen Zusammenhang mit kurzfristiger, aber nicht mit dauerhafter Gewaltbereitschaft |
| Barbie wird für klischeehaftes, geschöntes Äußeres kritisiert | FLIMMO bewertet einen aktuellen Barbie-Film als weniger klischeehaft als frühere Filme der Reihe |
Die Helden von 2012 im Wortlaut
Der Originalartikel erschien am 18. Mai 2012 unter dem Titel „Die neuen Helden der Kindheit“ und beschrieb, welche Fernsehfiguren Mädchen und Jungen damals als Vorbilder nannten. Diese Passagen stammen wörtlich aus dem Original:
Sie sind mutig und schön, aber auch neurotisch, ängstlich und tollpatschig. Die zahlreichen Züge der Fernsehidole sind in einem Punkt gleich: Sie bestehen Abenteuer trotz aller Hindernisse und Probleme. Den von ihnen gezeigten Umgang mit Problemen übertragen Kinder auf ihren Alltag und entdecken so Lösungsansätze für eigene Schwierigkeiten.
Zu den beliebtesten Figuren gehören bei den Mädchen Kim Possible, Prinzessin Lillifee und Bibi Blocksberg. Allesamt eigenständige und junge Mädchen, die mit ungewöhnlichen Kräften jede Situation bewältigen und trotzdem mit den typischen Problemen zu kämpfen haben. Das alltagsnahe Bild, in dem die Heldin clever und mit Humor für Harmonie und Freundschaft einsteht, entspricht den Vorstellungen vieler Mädchen.
Die Jungs präferieren dagegen Bart Simpson, Yu-Gi-Oh und Spiderman als Vorbild für ihren Alltag. Faszinierend sind für Jungs diejenigen Charaktere, die nicht dem typischen Heldenbild entsprechen, aber mutig für Recht und Ordnung sorgen und sich zu behaupten wissen.
Eines aber haben die Fernsehhelden von Mädchen und Jungen gemeinsam: Humor ist ein wichtiger Aspekt. Wohl auch deshalb ist Spongebob Schwammkopf bei beiden Geschlechtern die beliebteste Figur.
Wenn zweifelhafte Helden zu Vorbildern werden, können die Muster, die Kinder aus der Sendung in ihren Alltag übernehmen, negativen Naturells sein. Auch sexistische Rollenbilder und unnatürliche Schönheitsideale können problematisch sein. Aus pädagogischer Sicht wird beispielsweise seit Jahren das klischeehafte und geschönte Äußere von Barbie kontrovers diskutiert. Ein positiver Trend zeichnet sich jedoch durch die Barbie-Filme ab, da hier vielmehr eine tolerante und selbstständige Frau gezeigt wird als eine hirnlose Schönheit.
Dennoch wirkt auch die neue Heldin der Mädchen Kim Possible mit ihrer Wespentaille auf groteske Art überzeichnet, sodass es an Ähnlichkeit mit den jungen Zuschauerinnen mangelt. Auffällig ist zudem, dass die Bandbreite der männlichen Zeichentrickhelden wesentlich größer ist und somit Platz für diejenigen Jungs bleibt, die auf den ersten Blick nicht cool und gutaussehend sind.
Die Gefahr der emotionalen Bindung an eine problematische Identifikationsfigur kann negative Folgen für die Entwicklung des Kindes haben. Es liegt deshalb in der Verantwortung der Eltern, den Medienkonsum nicht nur zu kontrollieren, sondern bei den Kindern auch zu lenken.
Fernsehhelden helfen den Kindern mit Stärke, Fantasie und Humor beim Großwerden - unabhängig davon ob es nun die alten Helden wie die Maus oder Heidi sind oder die neuen Helden wie Harry Potter oder Prinzessin Lillifee.
Was heute gilt
Laut der KIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest hat nur noch gut die Hälfte der Kinder (54 Prozent) überhaupt ein Vorbild - 2022 waren es noch 58 Prozent. Die rund 200 genannten Personen und Charaktere stammen heute vor allem aus dem Sport (etwa ein Drittel), gefolgt von Musik und dem eigenen Umfeld (je etwa ein Fünftel) und Social Media (8 Prozent). Fernsehfiguren wie die aus dem Artikel von 2012 tauchen in dieser Aufteilung der Studie nicht mehr als eigene Kategorie auf.
Bei den konkreten Namen unterscheiden sich die Geschlechter deutlich. Bei den Jungen steht laut KIM-Studie 2024 die eigene Familie mit 9 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Fußballnamen wie Cristiano Ronaldo oder Manuel Neuer (je 6 Prozent). Mädchen nennen am häufigsten Familienmitglieder oder Taylor Swift (je 12 Prozent), gefolgt von Anna und Elsa aus „Die Eiskönigin“ (8 Prozent) und eigenen Lehrkräften (5 Prozent).
Zur These von 2012, Gewalt in Sendungen mache besonders Jungen aggressiver, liegt heute eine differenziertere Einordnung vor. Die Medienleitlinie zur Bildschirmmediennutzung (Stand 2023) findet zwar vermehrt Zusammenhänge zwischen Gewaltdarstellungen und aggressivem Verhalten, aber vor allem mit kurzfristiger, weniger mit dauerhafter Gewaltbereitschaft.
Auch der Blick auf Barbie hat sich seither gewandelt. FLIMMO, der Programmratgeber für Eltern, bewertet einen aktuellen Barbie-Weihnachtsfilm als „weniger klischeehaft dargestellt als in anderen Filmen der Reihe“ (Stand Oktober 2026) - der 2012 beschriebene Trend hat sich demnach fortgesetzt.
Was Eltern heute tun können
Nach der Faszination fragen
Fragen Sie, was genau Ihr Kind an seinem Vorbild gut findet, statt es gleich zu bewerten. Das zeigt oft mehr über eigene Wünsche als über die Figur selbst.
Bei Sport- und Musikidolen über Aufwand sprechen
Profisportler und Popstars wirken makellos. Sprechen Sie darüber, wie viel Training, Diät oder Inszenierung hinter diesem Bild steckt.
Social-Media-Vorbilder einordnen
Weisen Sie darauf hin, dass Inhalte von Influencern oft Werbung sind, auch wenn sie nicht immer klar gekennzeichnet ist.
Vorbilder aus dem eigenen Umfeld sichtbar machen
Viele Kinder nennen laut KIM-Studie 2024 ohnehin Familie oder Freunde als Vorbild. Ermutigen Sie das - etwa Patentante, Trainer oder ältere Geschwister.
Gemeinsam schauen oder hören
Wenn das Vorbild aus einer Serie oder einem Film kommt, schauen Sie gelegentlich mit und sprechen Sie über die Szene.
Zum Mitnehmen
Woran Sie sich halten können
Fünf Punkte für den Umgang mit den Vorbildern Ihres Kindes:
- Nach dem Grund der Faszination fragen, nicht nur nach dem Namen.Das verrät mehr über das Kind als über die Figur.
- Bei Sport- und Musikidolen über Training und Inszenierung sprechen.Das relativiert den makellosen Eindruck.
- Influencer-Inhalte als Werbung einordnen.Viele Empfehlungen sind bezahlt, auch ohne deutliche Kennzeichnung.
- Vorbilder aus dem eigenen Umfeld sichtbar machen.Laut KIM-Studie 2024 nennt rund ein Fünftel der Kinder ohnehin eine Person aus der eigenen Familie oder Umgebung.
- Bei Gewaltszenen nachfragen statt nur zu verbieten.Gewaltdarstellungen hängen laut Medienleitlinie vor allem mit kurzfristiger Aggressionsbereitschaft zusammen.
Wer sind die Helden der Kindheit heute?
Laut KIM-Studie 2024 nennt nur noch gut die Hälfte der Kinder überhaupt ein Vorbild - meist aus Sport, Musik oder dem eigenen Umfeld. Eine eigene Kategorie für Fernsehfiguren führt die Studie nicht mehr.
Wie haben sich die Helden der Kindheit verändert?
2012 nannten Kinder vor allem Zeichentrickfiguren wie Barbie oder SpongeBob. Heute stammen die meisten Vorbilder laut KIM-Studie 2024 aus dem echten Leben: Sport, Musik, Social Media und dem eigenen Umfeld.
Finden Kinder ihre Vorbilder eher im Fernsehen oder im echten Leben?
Im echten Leben: Rund ein Drittel nennt eine Person aus dem Sport, je etwa ein Fünftel aus Musik oder dem eigenen Umfeld. Fernsehfiguren tauchen in der aktuellen KIM-Studie nicht mehr als eigene Kategorie auf.
Macht Gewalt in Sendungen Kinder aggressiver?
Die Medienleitlinie von 2023 findet einen Zusammenhang vor allem mit kurzfristiger, weniger mit dauerhafter Gewaltbereitschaft - eine pauschale Aussage wie im Artikel von 2012 lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie Kinder lernen, Medien und auch ihre eigenen Idole kritisch einzuordnen, erklärt die Übersicht zur Medienkompetenz und Medienbewusstsein. Wo Kinder ihren Serien- und Filmfiguren heute vor allem begegnen, lässt sich unter Netflix kindersicher machen sicher einstellen. Weitere Ideen für eine ausgewogene Medienzeit stehen unter Medien sinnvoll nutzen.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Quellen
- Leitlinie Medienzeit, Kapitel Einführung (AWMF 027-075) · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ·
- Barbie in: Eine Weihnachtsgeschichte - ab 5 Jahren · FLIMMO (JFF - Institut für Medienpädagogik)
- KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) · 01.05.2025
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 3 Quellen, unten vollständig aufgeführt
- Wiedervorlage
- 04.10.2028
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