Warum Arielle neu synchronisiert wurde
Disney tauschte 1998 bei „Arielle, die Meerjungfrau“ Stimmen und Liedtexte komplett aus - angeblich für mehr Qualität. Warum Fans das bis heute kritisieren.
1998, neun Jahre nach dem Kinostart, synchronisierte Disney „Arielle, die Meerjungfrau“ in Deutschland komplett neu: andere Sprecherinnen, neue Liedtexte, sogar eine eigene österreichische Fassung kam dazu. Offiziell ging es laut Disney Studios um bessere Qualität und eine Übersetzung näher am englischen Original. Seit der DVD von 2000 ist die erste Fassung von 1989 praktisch nicht mehr erhältlich - nur die neue Version läuft seither im Fernsehen, auf DVD und im Streaming.
Die deutschen Fassungen im Überblick
| Fassung | Besetzung und Produktion |
|---|---|
| 1. Synchronisation (1989) | Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke, Dialogbuch Klaus-Peter Bauer - Arielle: Dorette Hugo (Sprache), Ute Lemper (Gesang) |
| 2. Synchronisation (1998) | FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH, Dialogbuch Frank Lenart - Arielle: Anna Carlsson (Sprache), Naomi van Dooren (Gesang) |
| 3. Synchronisation (1998, österreichisch) | Eigene österreichische Fassung mit eigener Besetzung, laut Deutscher Synchronkartei |
| Realfilm-Remake (2023) | FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH, Dialogbuch Manuel Straube - Liedtexte von Christopher Noodt, bearbeitet auf Grundlage der Texte von Frank Lenart (1998), dazu neue Texte für neue Songs |
Warum Disney die Stimmen tauschte
Den Anfang machten die Filme “Schneewittchen und die sieben Zwerge”, “Pinocchio” und “Dumbo”, die bereits in den 60er und 70er Jahren in neuen Fassungen auf den Markt kamen und später sogar noch mit einer dritten Neu-Synchronisation versehen wurden. Die Entscheidung für eine Neuvertonung wurde meist aus Gründen der Qualitätsverbesserung getroffen oder um die Filme „kindgerechter“ zu gestalten. Während die Überarbeitungen dieser Filme vom Publikum als “Modernisierung” empfunden und hingenommen wurden, gab es nach der Neusynchronisation des ersten Teils von “Arielle, die Meerjungfrau” heftige Proteste.
Die erste Version des Filmes kam 1989 in die Kinos und galt damals als der Film, mit dem Disney zum Musical-Filmformat zurückkehren wollte. Mit Erfolg. Der Film gewann zwei Oscars: Den einen erhielt er für die beste Filmmusik und den anderen für den besten Filmsong mit “Unter dem Meer”. Auch erhielt der Film zahlreiche weitere Preise für den Soundtrack.
1998 folgte die Rückkehr auf die Kinoleinwände: mit Originalbildern und komplett neuer Synchronisation. Nicht nur neue Stimmen sollten Eindruck machen, sondern auch überarbeitete Texte, die - so die Disney Studios - näher am Original der englischen Version und kindgerechter sein sollten.
Aus “Unter dem Meer” wurde “Unten im Meer” und Textpassagen wie “wo wär´ das Wasser besser und nasser als es hier wär” lauten nun “bei jedem Wetter ist es viel netter und bietet mehr”. Auch Arielles Lied “Ein Mensch zu sein” wurde verändert und wird in einer neuen Version als “in deiner Welt” von der Meerjungfrau vorgetragen.
Verlorener Charme: der Protest der Fans
Als schließlich auf der im Jahr 2000 veröffentlichten “Special Edition DVD” lediglich die Stimmen der neuesten Variante zu hören waren, verfassten die Fans der Originalversion hunderte Petitionen und Briefe an Disney und forderten die Synchronisation von 1989 zurück. Fragen wie “Ist es wirklich notwendig, dass Texte von Klassikern für Kinder modernisiert werden und dabei an Charme verlieren?” stehen seither im Raum. Und besonders harte Kritiker*innen wollten wissen: “Wieso darf man in diesem Land ungestraft Kunstwerke schänden?”
Disney ließ sich von solchen Kritiken nicht beeindrucken. “Aus kreativen Gründen” blieb es bei der Neuvertonung. Gleichwohl scheint Disney aus seinen Fehlern gelernt zu haben: Die 3D-Version von “Der König der Löwen” im Jahre 2011 kam mit den Stimmen und Liedern der ersten Fassung in die Kinos. Lediglich Optik und Technik wurden modernisiert.
Es ist sicherlich eine Geschmacksfrage, ob die originalen Versionen oder die Neu-Synchronisationen alter Disney-Klassiker besser klingen und vor allem für unsere Kinder, die diese Filme nicht anders kennen, spielen die Neuerungen keine Rolle. Jedoch hätte Disney den Klassikern getrost ihre alten Synchronisationen lassen können, denn auch so hätten sie den Kids von heute mit Sicherheit gefallen. Nun kann lediglich gehofft werden, dass sich Disney nicht an weiteren Klassikern und Kindheitserinnerungen vergreift und nun alles stimmlich lässt, wie es immer war.
Was heute gilt
Die Debatte ist nicht vorbei. Seit dem Realfilm-Remake von 2023 gibt es „Arielle“ in mehreren deutschen Fassungen gleichzeitig - mit jeweils eigenen Stimmen. Die Liedtexte von 1998 dienten dabei als Grundlage: Christopher Noodt bearbeitete sie und schrieb die Texte für die neuen Songs. Wer mit seinem Kind unterschiedliche Versionen hört, hört also nicht falsch: Es gibt sie wirklich, nebeneinander.
Was Sie tun können, wenn Ihr Kind eine andere Stimme hört
Erklären, dass es mehrere Fassungen gibt
Ihr Kind hat sich nichts falsch gemerkt. Von „Arielle“ gibt es seit 1998 mindestens zwei deutsche Synchronisationen, seit 2023 kommt die Fassung des Realfilms dazu.
Die laufende Fassung erkennen
Fernsehen, DVD und Streaming zeigen heute meist die Fassung von 1998. Ein kurzer Blick auf Verpackung oder Senderinfo zeigt, welche Version läuft.
Im Streaming die Sprachspur prüfen
Manche Anbieter listen mehrere deutsche Tonspuren. In den Audio-Einstellungen des jeweiligen Players lässt sich das vor dem Schauen prüfen.
Über die Veränderung sprechen
Fragen Sie, was Ihrem Kind an der einen oder anderen Version besser gefällt. Das macht aus einem Trivia-Fund ein kleines Gespräch über Medien.
Liedtexte vergleichen
Wer mag, hört sich mit dem Kind „Unter dem Meer“ und „Unten im Meer“ hintereinander an und bespricht, was sich an den Worten geändert hat.
Zum Mitnehmen
Was Sie zu Disneys Neuvertonungen wissen können
Fünf Punkte aus der Geschichte von „Arielle“:
- Die deutsche Stimme ist nicht die englische Originalstimme.Für „Arielle“ unterscheiden sich zusätzlich die deutschen Fassungen von 1989 und 1998 voneinander.
- Die DVD von 2000 enthält nur noch die Fassung von 1998.Die Originalsynchronisation von 1989 ist seither nicht mehr regulär im Handel.
- Liedtexte ändern sich bei Neuvertonungen oft stärker als Dialoge.Sie müssen zur Melodie passen - das lässt weniger Spielraum als eine reine Übersetzung.
- Nicht jeder Klassiker bekommt eine neue Synchronisation.Bei „Der König der Löwen“ blieb die Fassung von 1994 auch bei der 3D-Wiederaufführung 2011 erhalten.
- Besetzungen deutscher Synchronisationen lassen sich nachschlagen.Die Deutsche Synchronkartei listet Sprecher, Dialogbuch und -regie frei einsehbar je Fassung.
Warum wurde Arielle neu synchronisiert?
Disney ließ „Arielle, die Meerjungfrau“ 1998 neu synchronisieren, offiziell aus Gründen der Qualitätsverbesserung und für eine Übersetzung näher am englischen Original. Die neuen Liedtexte stießen bei Fans der Fassung von 1989 auf Kritik.
Wer sprach und sang Arielle in der ersten Fassung von 1989?
Laut Deutscher Synchronkartei sprach Dorette Hugo die Dialoge, die Gesangsstimme stammte von Ute Lemper. Seit der zweiten Synchronisation von 1998 sind es Anna Carlsson und Naomi van Dooren.
Ist die alte Synchronisation von 1989 noch zu bekommen?
Nicht regulär: Schon die „Special Edition DVD“ von 2000 enthielt nur noch die Stimmen der Fassung von 1998. Fernsehen, aktuelle DVDs und Streaming zeigen seither ebenfalls die neuere Version.
Seit wann gibt es die neue Synchro von Arielle?
Seit der Wiederaufführung im Kino 1998. Die neue Fassung entstand laut Deutscher Synchronkartei bei der FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH nach einem Dialogbuch von Frank Lenart, Arielle sprechen und singen seither Anna Carlsson und Naomi van Dooren. Der Realfilm von 2023 hat eine eigene Fassung, deren Liedtexte auf denen von 1998 aufbauen.
Wie sich Medien über die Jahrzehnte verändert haben, zeigt auch Vom Buchdruck zum Internet: Die Geschichte der Medien. Wer mit seinem Kind lieber zuhört als zuschaut, findet unter Podcasts und Hörspiele für Kinder, woran gute Angebote zu erkennen sind. Weitere Ideen für gemeinsame Medienzeit stehen unter Medien sinnvoll nutzen.
Zuletzt geprüft am 04.10.2026
Quellen
- Arielle, die Meerjungfrau (1989) - 1. Synchro · Deutsche Synchronkartei
- Arielle, die Meerjungfrau (1989) - 2. Synchro (1998) · Deutsche Synchronkartei
- Arielle, die Meerjungfrau (2023) · Deutsche Synchronkartei
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 04.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Belege
- 3 Quellen, unten vollständig aufgeführt
- Wiedervorlage
- 03.10.2028
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