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Weibliche Charaktere in Kinderfilmen: Die Frauentypen im Überblick

Ein Kind sitzt auf dem Boden und zeichnet Filmfiguren, ein Erwachsener sitzt daneben und zeigt auf die Zeichnung.
Nicht nur schauen, auch fragen: Welche Rolle hat die weibliche Figur im Film wirklich gespielt?

Welche Frauentypen in Kinderfilmen immer wieder auftauchen und was eine bundesweite Studie über weibliche Figuren im Kinderfernsehen seit 2016 zeigt.

Mutige Helden retten hübsche Prinzessinnen, treue Freundinnen stehen ihnen zur Seite, und das Böse trägt im Kinderfilm oft ein weibliches Gesicht: Diese vier Frauentypen beschrieb ein Redaktionstext von medienbewusst.de 2009 an konkreten Filmbeispielen - unten im Wortlaut. Wie ungleich weibliche und männliche Figuren tatsächlich vorkommen, misst inzwischen eine bundesweite Studie: 2020 waren 44 Prozent der Hauptfiguren in neu produzierten deutschen Kinderserien und -filmen weiblich, zehn Prozentpunkte mehr als bei der ersten Erhebung.

Vier Frauentypen im Überblick

FrauentypBeispielTypisches Merkmal
Die zu RettendeJasmin (Aladdin), Belle (Die Schöne und das Biest)Hübsch, wird vom Helden aus einer Notlage befreit
Die treue WeggefährtinNala (Der König der Löwen)Steht dem Helden zur Seite, bleibt aber Nebenfigur
Die kluge NebenfigurHermine Granger (Harry Potter)Klug und besonnen, aber nicht im Mittelpunkt der Handlung
Die BösewichtinCruella de Vil (101 Dalmatiner)Gerissen und intrigant statt körperlich gewaltsam

Die Analyse von 2009: Weibliche Figuren im Kinderfilm

Das Heimchen am Herd? Oder „nur“ die schöne Begleiterin des mutigen Helden? Glaubt man den Aussagen der Küchenhoff-Studie zum Thema „Darstellung der Frau und die Behandlung von Frauenfragen in der medienspezifischen Wirklichkeit des Deutschen Fernsehen“ aus dem Jahre 1993, dann ist die Frau, beziehungsweise das Mädchen, im Spielfilm nur auf eine Nebenrolle festgelegt. Sie wird auf ihre äußerliche Attraktivität reduziert, ist häufig der Typ „jung, ledig, sucht“ oder im anderen Extrem Hausfrau und Mutter.

Bezieht man dieses nunmehr 15 Jahre alte Phänomen auf Kinderfilme aus der heutigen Zeit, ausgenommen dem Typ „jung, ledig, sucht“, der wohl eher weniger in solcher Art von Film vorkommen dürfte, findet man sie relativ schnell wieder, die typische weibliche Nebendarstellerin.

Aber ist dieses veraltete Frauenbild der hilflosen Schönheit denn wirklich die Regel? Nein, ist es nicht! Es gibt sie, die starken, intelligenten und mutigen Mädchen! Als Paradebeispiel kann man hier Hermine aus „Harry Potter“ nennen. Zwar ist sie nicht die Hauptakteurin, aber doch immerhin der kluge Kopf im Hintergrund, der sich für kein Abenteuer zu schade ist. Hermine ist ernster, vernünftiger und intelligenter als ihre männlichen Mitstreiter und ihnen deshalb so manches Mal überlegen!

Hier lässt sich ein Vergleich zu einem Film für Erwachsene ziehen, denn auch „M.“, die Chefin von James Bond, ist so eine kompetente Frau, die die Fäden aus dem Hintergrund zieht. Dieser neue Frauentyp ist selbstständig und schreckt vor keiner Gefahr zurück. Es gibt bereits viele weitere Kinderfilmbeispiele auf deren weibliche Figuren diese Charaktereigenschaften zutreffen, zum Beispiel die kleine Alice aus dem Wunderland, Pippi Langstrumpf oder Ada aus „My Girl“.

Sie alle haben ein schweres Schicksal, sind in einer fremden Umgebung, alleine auf sich gestellt oder haben gar ihre Mutter verloren! Und trotzdem überstehen sie jede noch so kniffelige Situation, natürlich immer mit ein paar Freunden an der Seite, aber letztendlich sind sie die starke Persönlichkeit.

Wenn man ein bisschen weiter denkt, kommt einem ein weiterer weiblicher Charakter in den Sinn, nämlich das Böse in Person. Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“, Aschenputtels Stiefmutter oder die böse Hexe aus „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, sie alle sind schlau und gerissen, aber genauso auch intrigant und bösartig.

Speziell aus dem Grund der Schlauheit werden gerade Frauen für die Rolle des Bösewichts ausgesucht: Im Gegensatz zu den männlichen Rollen agieren sie nicht mit Gewalt, um ihre Gegner zu bekämpfen, vielmehr denken sie sich listige Intrigen aus, mit denen sie ihre Widersacher ins Abseits befördern. Eine Rolle, die wohl noch lange erhalten bleiben wird, denn sonst würde der Kinderfilm an Spannung verlieren.

Und was ist mit dem Stereotyp Hausfrau und Mutter in Kinderfilmen? Auch diese Rolle gibt es noch, wenn man an Alice im Wunderland, oder, ein aktuelleres Beispiel, Stuart Little denkt. Doch auch dieses Bild bleibt so nicht bestehen! Die Mutter der Lottchen-Zwillinge muss ihre Tochter alleine groß ziehen und arbeitet von früh bis spät. Und was ist mit Heidis Mutter, die ohne Mann eine Pension führt, bevor sie stirbt?

Was bisher noch fehlt, ist der Muttertyp, der nicht aufgrund einer misslichen Lage arbeiten geht, sondern aus freien Stücken, um sich selbst zu verwirklichen. Besinnt man sich nun wieder auf die Küchenhoff-Studie, ist festzuhalten, dass das hilflose hübsche Mädchen weiterhin im Kinderfilm vorkommt, gleichwohl bahnt sich aber auch die intelligente Abenteurerin ihren Weg in die Kinderherzen. Man sieht, der Kinderfilm entwickelt sich weiter!

Was heute gilt: weibliche Figuren in Zahlen

Eine Fortsetzung der Küchenhoff-Studie von 1993 gibt es nicht. Die umfassendste neuere Untersuchung zu Geschlechterdarstellungen im deutschen Fernsehen und Film stammt vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock im Auftrag der MaLisa Stiftung und großer deutscher Sender. Für das Jahr 2016 war das Ergebnis im Kinderfernsehen deutlich: Insgesamt war nur eine von vier Figuren weiblich, auf eine weibliche Tierfigur kamen neun männliche.

Eine Folgeuntersuchung von 2021 maß das Jahr 2020 und fand Fortschritt: Bei den fiktionalen deutschen Produktionen des Kinderfernsehens stieg der Anteil weiblicher Hauptfiguren auf 44 Prozent - ein Plus von 10 Prozentpunkten gegenüber der ersten Erhebung. Bei Tier- und Fantasiefiguren blieb die Schieflage: 82 Prozent der Tierfiguren waren weiterhin männlich, bei Pflanzenfiguren und Objekten 95 Prozent.

Die vier Frauentypen aus der Analyse von 2009 gibt es damit weiterhin - aber seltener als einzige Möglichkeit. Welche Rolle eine einzelne Figur spielt, lässt sich an keiner Statistik ablesen, wohl aber im Gespräch nach dem gemeinsamen Schauen.

Was Sie als Eltern tun können

  1. Nach dem Schauen fragen

    Fragen Sie, was die weibliche Figur im Film selbst entschieden hat - nicht nur, wie sie aussah.

  2. Gegenbeispiele suchen

    Wählen Sie bewusst auch Filme und Serien, in denen Mädchen die Handlung antreiben, nicht nur begleiten.

  3. Rollen vergleichen

    Schauen Sie gemeinsam, welche Aufgabe die weiblichen und männlichen Figuren im selben Film übernehmen.

  4. Vorbilder breiter fassen

    Fragen Sie auch nach Vorbildern aus Sport, Wissenschaft oder dem echten Leben, nicht nur aus Film und Serie.

  5. Ernst nehmen, was Ihr Kind bemerkt

    Wenn ein Kind von sich aus eine Rollenverteilung komisch findet, ist das der beste Gesprächseinstieg.

Zum Mitnehmen

Worauf Sie bei Filmfiguren achten können

Vier Fragen für das Gespräch nach dem Film:

  • Hat die weibliche Figur ein eigenes Ziel?Oder dient sie vor allem dazu, die Geschichte des Helden voranzubringen?
  • Wird sie nach ihrem Handeln beschrieben oder nach ihrem Aussehen?Im Gespräch merken Kinder den Unterschied oft selbst.
  • Gibt es eine ältere Frau, die weder Mutter noch Bösewicht ist?Diese Rolle fehlt in vielen Kinderfilmen bis heute.
  • Wie reagiert Ihr Kind auf die Bösewichtin?Weibliche Bösewichte wirken oft durch List, nicht durch Gewalt - das lohnt ein Gespräch.

Welche Frauentypen gibt es in Kinderfilmen?

Vor allem vier wiederkehrende Rollen: die zu rettende Schönheit, die treue Weggefährtin, die kluge Nebenfigur und die Bösewichtin. Die Tabelle oben zeigt Beispiele.

Sind weibliche Figuren in Kinderserien genauso häufig wie männliche?

Noch nicht. 2020 waren 44 Prozent der Hauptfiguren in neu produzierten deutschen Kinderserien und -filmen weiblich, zehn Prozentpunkte mehr als bei der Erhebung von 2016.

Warum sind Tierfiguren in Kindersendungen fast immer männlich?

Die Studie der Universität Rostock misst das, ohne den Grund zu nennen: 2020 waren noch 82 Prozent der Tierfiguren männlich, 2016 kamen auf eine weibliche Tierfigur neun männliche.

Wie Sie passende Filme und Serien überhaupt erst finden, steht unter Medien sinnvoll nutzen. Wie Sie mit Ihrem Kind allgemein über das Gesehene sprechen, auch über Rollenbilder, zeigt Medienkompetenz und Medienbewusstsein.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Quellen

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Belege
2 Quellen, unten vollständig aufgeführt
Wiedervorlage
04.10.2028

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