Sandmann, lieber Sandmann - es ist noch nicht soweit
Das Sandmännchen gibt es seit dem 22. November 1959 in der DDR und seit dem 1. Dezember 1959 in Westdeutschland - nur die ostdeutsche Figur blieb und wird bis heute von rbb, MDR und NDR gemeinsam produziert.
Das Sandmännchen gibt es seit dem 22. November 1959: An diesem Abend lief in der DDR erstmals „Unser Sandmännchen“, wenige Tage später, am 1. Dezember 1959, startete in Westdeutschland die eigene Fassung „Sandmännchens Gruß für Kinder“. Nach der Wiedervereinigung verschwand die westdeutsche Figur, die ostdeutsche blieb und wird bis heute gemeinsam von den Rundfunkanstalten rbb, MDR und NDR produziert.
Wie aus einer Idee zwei Sandmännchen wurden
Die Erfolgsgeschichte des kleinen Mannes begann vor über 50 Jahren. Als in der Zeit des geteilten Deutschlands der ostdeutsche DFF (Deutscher Fernsehfunk) von den Plänen des westdeutschen SFB (Sender Freies Berlin) zur Entwicklung eines Gute-Nacht-Grußes erfuhr, sah man sich in Zugzwang: Eine solche Sendung sollte auch den Kindern im Ostteil Deutschlands angeboten werden können. Angetrieben vom Wettlauf der beiden deutschen Staaten wurde unter Leitung von Gerhard Behrendt in nur zwei Wochen die Figur des Ost-Sandmännchens entwickelt.
Schließlich flackerte am 22. November 1959 um 18:55 Uhr erstmals „Unser Sandmännchen“ über die Fernsehbildschirme der DDR, noch bevor am 1. Dezember desselben Jahres „Sandmännchens Gruß für Kinder“ in Westdeutschland Premiere feierte.
Die Vorlage und das Leben in der DDR
Geschaffen nach der Vorlage von Hans Christian Andersens „Ole Lukoje“, wurde die Figur schnell ein Publikumsliebling. Während Optik und Sendeplatz des West-Sandmännchens häufiger wechselten, hat sich das Äußere seines östlichen Pendants bis zum heutigen Tag nicht verändert. Obwohl gelegentlich zu subtiler politischer Propaganda missbraucht, etwa durch Besuche bei der Nationalen Volksarmee oder im Pionierferienlager, wurde das Sandmännchen in der DDR zu einem beliebten Dauerbrenner. Als 1978 Siegmund Jähn in den Weltraum flog, begleitete ihn eine Puppe des ostdeutschen Sandmännchens auf seine Reise.
Unterschiede zwischen Ost und West
| Merkmal | Ost-Sandmännchen | West-Sandmännchen |
|---|---|---|
| Erste Ausstrahlung | 22. November 1959, DFF | 1. Dezember 1959, SFB |
| Beliebte Nebenfiguren | Pittiplatsch, Schnatterinchen | Piggeldy und Frederick |
| Aussehen über die Jahre | bis heute kaum verändert | wechselte mehrfach |
| Nach der Wiedervereinigung | blieb erhalten, seit 1992 bei rbb, MDR und NDR | verschwand von den Bildschirmen |
Im Osten erreichten vor allem die Figuren Pittiplatsch und Schnatterinchen Kultstatus, dagegen begleiteten die Schweine Piggeldy und Frederick Generationen von Kindern in der BRD auf ihren Weg ins Bett.
Nur zwei Ausfälle in der DDR-Geschichte der Sendung
Überhaupt mussten die kleinen und großen Fans in fast 51 Jahren nur zweimal auf das allabendliche Ritual verzichten: An den Todestagen des ersten Ministerpräsidenten der DDR, Otto Grotewohl (21.09.1964), und des Vize-Staatsratsvorsitzenden Johannes Dieckmann (22.02.1969), fand keine Ausstrahlung der Sendung statt. Selbst am Tag des Mauerfalls lief das Sandmännchen wie gewohnt im Fernsehen: „Als die Nachricht kam, war die Sandmann-Sendung längst gelaufen“, so Redakteurin Anne Knabe (rbb).
Diese Zählung bezieht sich auf das Erscheinungsjahr des Originaltextes, nicht auf heute.
Seit 1992 eine gemeinsame Produktion
Seit der Wiedervereinigung muss sich Deutschland mit einem Abendgruß begnügen. Während das West-Sandmännchen von der Bildfläche verschwand, überlebte sein Bruder die Auflösung des Deutschen Fernsehfunks und wird seit 1992 als gesamtdeutsches Projekt von den Rundfunkanstalten rbb, MDR und NDR, unter Federführung des rbb (bis 2003 ORB), produziert.
Ein eigenständiges West-Sandmännchen gibt es seitdem nicht mehr - nur noch die ostdeutsche Figur, inzwischen für ganz Deutschland produziert.
Die Sandmann-Geschichte mit Kindern besprechen
Vier Punkte, falls das Thema beim Anschauen alter Aufnahmen aufkommt:
- Kurz erklären, dass Deutschland bis zur Wiedervereinigung geteilt war.Sonst ist die Idee von zwei Sandmännchen schwer zu verstehen.
- Beide Figuren zeigen, nicht nur die bekannte.Alte Aufnahmen des West-Sandmännchens finden sich in Mediatheken und auf Videoplattformen.
- Nachfragen, was dem Kind an der heutigen Figur auffällt.Kinder bemerken oft selbst, dass sich am Aussehen über die Jahre wenig geändert hat.
- Keine Wertung zwischen Ost und West vornehmen.Es geht um zwei Sendungen, nicht um ein Urteil.
Häufig gestellte Fragen
Seit wann gibt es das Sandmännchen?
Seit dem 22. November 1959 in der DDR und seit dem 1. Dezember 1959 in Westdeutschland - zunächst als zwei getrennte Sendungen.
Was ist der Unterschied zwischen Ost- und West-Sandmännchen?
Das Ost-Sandmännchen sieht bis heute fast genauso aus wie 1959 und wird von rbb, MDR und NDR gemeinsam produziert. Das West-Sandmännchen wechselte häufiger sein Aussehen und verschwand nach der Wiedervereinigung ganz.
Woher kommt das Sandmännchen?
Die Figur geht auf Hans Christian Andersens Märchenfigur „Ole Lukoje“ zurück. Gerhard Behrendt entwickelte das Ost-Sandmännchen 1959 in nur zwei Wochen, im Wettlauf mit den Plänen des westdeutschen Senders SFB.
Wer sich für die Geschichte der Medien insgesamt interessiert, findet unter Vom Buchdruck zum Internet: Die Geschichte der Medien einen weiteren Rückblick. Für den Weg ins Bett eignen sich auch Podcasts und Hörspiele für Kinder. Worauf es bei Kindermedien grundsätzlich ankommt, zeigt Medienkompetenz und Medienbewusstsein.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
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- Redaktion medienbewusst.de
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