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Als das Kinderfernsehen noch in den Kinderschuhen steckte

Eine Familie sitzt in den 1950er Jahren gemeinsam vor einem alten Fernsehgerät und schaut eine frühe Kindersendung.
Die „Kinderstunde“ von Ilse Obrig gehörte zu den ersten Kindersendungen im deutschen Fernsehen der 1950er Jahre.

Vom skeptisch beäugten Neuling zum eigenen Sender: Wie sich das deutsche Kinderfernsehen seit den 1950er Jahren entwickelt hat, mit der „Kinderstunde“ und Ilse Obrig am Anfang.

Die „Kinderstunde“ war eine der ersten eigenständigen Sendungen für Kinder im deutschen Fernsehen und lief ab den frühen 1950er Jahren beim Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR), maßgeblich mitgeprägt von Ilse Obrig. Die allerersten Kindersendungen in Deutschland liefen bereits 1953 über den Bildschirm. Wie es dazu kam, warum Pädagogik und Kirche zunächst skeptisch waren und was daraus wurde, zeigt ein Blick in die Geschichte des Kinderfernsehens.

Die frühen Jahre: Skepsis gegenüber dem neuen Medium

„Aller Anfang ist schwer!“ - Auch das Kinderfernsehen hatte es in den ersten Jahren nicht leicht. Das neue Medium Fernsehen wurde Anfang der 50er Jahre nicht ganz ohne Kritik von der Bevölkerung angenommen. Die Angst vor Reizüberflutung und Suchtgefahr, gerade für Kinder, war groß.

Mit der Zunahme der Fernsehgeräte in deutschen Haushalten stieg in logischer Konsequenz auch die Zahl der Zuschauer. Fernsehen war nun für Alle, unabhängig von sozialem Status und Alter, zugänglich. Um interessendeckend zu arbeiten und somit die unterschiedlichen Zielgruppen zu bedienen, entstanden neue Sendekonzepte. Aus dieser Entwicklung heraus entstand auch das Kinderfernsehen.

Die „Kinderstunde“ und Ilse Obrig

Schon 1953 flimmerten die ersten Kindersendungen in Deutschland über den Bildschirm. Dies war unter anderem auch dem Engagement von Ilse Obrig zu verdanken. Bereits während ihres Psychologie Studiums begann sie 1928 ihre Karriere beim Kinderfunk bei der Mitteldeutschen Rundfunk AG in Leipzig.

Von 1945 bis 1949 war sie am Aufbau des Kinderfunks beim (Ost-) Berliner Rundfunk beteiligt und wechselte ein Jahr später zum Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Dort wirkte sie am Aufbau des Kinderfernsehens maßgeblich mit und erreichte Anfang der 50er Jahre große Beliebtheit mit ihren Sendungen „Kinderstunde“ und „Kinderfernsehfunk“. In Bastel-, Turn- und Singübungen sollten die Kinder auf spielerische Art und Weise wichtige Grundkenntnisse erlernen.

Widerstand von Pädagogik und Kirche

Doch die Kinder- und Jugendpädagogen in den 50er Jahren, sahen in den Medien eine Gefahr für die Entwicklung der Kinder. Die Medien standen in Konkurrenz zu schulischen Erziehungs- und Sozialisationsbemühungen. Auch seitens der Kirche gab es Befürchtungen, das Kinderprogramm besäße eine „wertzerstörenden Wirkung“. Diese Schwierigkeiten gipfelten dann 1957, in Verbindung mit dem Jugendschutzgesetz, in einem Kinoverbot für Kinder unter sechs Jahren.

Diese Verordnung bedeutete das Ende der deutschen Märchen- und Kinderfilmproduktion und führte zu der Entscheidung der ARD, auch zukünftig keine Fernsehsendungen mehr für Kinder unter sechs Jahren anzubieten. Diese ablehnende Haltung gegenüber dem Kinderfernsehen war einmalig in Europa und stieß international auf Unverständnis.

Erziehungsanspruch statt Unterhaltung: die 60er Jahre

Anfang der 60er Jahre versuchte das Kinderfernsehen, sich den Erwartungshaltungen der „Erwachsenen“ an eine ordentliche Kindheit unterzuordnen. So wurden die Kinder aufgefordert sich „sinnvoll“ zu beschäftigen, Kindergottesdienste angeboten, Schulaufgaben gelöst und man versuchte mit „moralisch-sittlichen erzieherischen Anweisungen“ den Kindern wichtige gesellschaftliche Werte beizubringen. Damit war das Kinderfernsehen Teil des sogenannten „Bildungs- und Erziehungsprojekt der Moderne“ geworden.

Meilensteine auf einen Blick

JahrEreignis
1953Erste eigenständige Kindersendungen im deutschen Fernsehen, mitgeprägt von Ilse Obrig beim NWDR
1957Kinoverbot für Kinder unter sechs Jahren im Zuge des Jugendschutzgesetzes, Ende klassischer Kinderfilmproduktionen
1960er JahreKinderfernsehen vor allem als Erziehungsprogramm mit Kindergottesdiensten und Schulaufgabenhilfe
1990er JahreEigene Kindersender wie Nickelodeon und der Kinderkanal (KiKA) gehen auf Sendung

Vom Erziehungsprogramm zum eigenen Sender

In den nächsten Jahrzehnten entwickelte sich das Kinderprogramm rasant. Es wurden Kindersendungen importiert, wie zum Beispiel „Sailor Moon“ oder „Superman“ und auch die ganz Kleinen wurden in der „Fernsehvorschule“ wieder aktiv mit eingebunden. Zeichentrickfilme und Buchverfilmungen erfreuten sich großer Beliebtheit. In den 90er Jahren entstanden einige Sender, wie Nickelodeon und der Kinderkanal, die sich voll den Kindern widmeten.

Wie sich das Kinderfernsehen mit dem aufkommenden Internet veränderte, beschrieb die Redaktion damals, im Jahr 2009, so:

Der Trend der Zukunft geht wohl eindeutig zur Multimedialität der Kinderprogramme. Fast alle Kindersender besitzen eigene Webseiten und präsentieren sich mit einer großen Fülle an Angeboten. Darüber hinaus bietet die Internetaktivität der Sender auch eine neue Form der Kommunikation für die Kleinen. Neben der Vorschau zu neuen Fernsehserien, Kinofilmen oder spannenden Reportagen, können die Kinder auch zum Beispiel beim Kika-Kummerkasten auf wertvolle Tipps für Alltagsprobleme zurückgreifen.

Was war die „Kinderstunde“ im deutschen Fernsehen?

Die „Kinderstunde“ war eine der ersten Kindersendungen im deutschen Fernsehen der 1950er Jahre. Sie entstand beim Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) unter maßgeblicher Mitwirkung von Ilse Obrig, die zuvor beim Kinderfunk in Leipzig und Berlin gearbeitet hatte. In Bastel-, Turn- und Singübungen sollten Kinder spielerisch wichtige Grundkenntnisse lernen.

Wann liefen die ersten Kindersendungen im deutschen Fernsehen?

Die ersten eigenständigen Kindersendungen liefen 1953 über den Bildschirm, zu einer Zeit, als Fernsehgeräte gerade erst in mehr deutschen Haushalten standen. Viele Erwachsene begegneten dem neuen Medium zunächst mit Skepsis, aus Sorge vor Reizüberflutung bei Kindern.

Welche Kindersendungen gab es in den 60er Jahren?

In den 1960er Jahren stand vor allem der Erziehungsanspruch im Vordergrund: Sendungen forderten Kinder zu „sinnvoller“ Beschäftigung auf, boten Kindergottesdienste und halfen bei Schulaufgaben. Erst in den folgenden Jahrzehnten kamen importierte Serien wie „Sailor Moon“ und eigene Kindersender hinzu.

Wer war Ilse Obrig?

Ilse Obrig begann ihre Karriere 1928 beim Kinderfunk der Mitteldeutschen Rundfunk AG in Leipzig, wirkte danach beim Berliner Rundfunk und wechselte zum NWDR. Dort prägte sie mit Sendungen wie „Kinderstunde“ und „Kinderfernsehfunk“ das frühe deutsche Kinderfernsehen.

Was aus der frühen Geschichte des Kinderfernsehens für heute bleibt

Vier Gedanken aus der Vergangenheit, die sich auf Streaming und Apps übertragen lassen:

  • Gemeinsam schauen statt allein lassenSchon die ersten Kindersendungen setzten auf Formate zum Mitmachen - diese Idee trägt auch bei Streaming und Apps.
  • Pauschale Ängste vor neuen Medien kritisch hinterfragenDie Sorge vor „Reizüberflutung“ gab es schon beim Fernsehen selbst, lange vor Smartphone und Internet.
  • Auf die Quelle schauen, nicht nur auf das FormatOb eine Sendung oder App Kindern gut tut, hängt weniger vom Medium ab als davon, wer sie macht und mit welchem Anspruch.
  • Geschichte einordnen, nicht nur bewertenWer weiß, woher heutige Debatten um Medienzeit kommen, kann gelassener auf neue Technik reagieren.

Wer die Geschichte der Medien insgesamt nachlesen möchte, findet sie unter Vom Buchdruck zum Internet: Die Geschichte der Medien. Wie Kinder heute lernen, Medien bewusst einzuordnen, erklärt die Übersicht zur Medienkompetenz und Medienbewusstsein. Und wer nach einem zeitgemäßen Gegenstück zur „Kinderstunde“ sucht: Eine Auswahl an Kinderseiten, die taugen hilft bei der Suche.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Redaktioneller Stand

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