Klassiker oder Neuverfilmung - sind Remakes wertvoll?
Ob eine Neuverfilmung einem Kinderfilm-Klassiker gut tut, lässt sich nicht pauschal sagen - das hängt vom Einzelfall ab, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht: Manche Zuschauer feiern die neue Fassung eines alten Kinderfilms, andere vermissen genau das, was das Original ausgemacht hat. Beide Reaktionen tauchen bei denselben Themen auf, je nachdem, mit welcher Fassung jemand selbst aufgewachsen ist. Die Beispiele unten zeigen, woran das liegt.
Wie oft Kinderfilm-Klassiker neu verfilmt werden
Jeder kennt das Gefühl: ein Film aus der eigenen Kinderzeit. Er war beliebt, immer noch in Erinnerung, man erzählt seinen Kindern davon und dann wird er nach Jahren neu verfilmt. Doch können die Remakes mit den Eindrücken und Erinnerungen der Originalfilme mithalten? Ist es sinnvoll, einen Film neu umzusetzen, insbesondere, wenn der Originalfilm sehr beliebt war oder noch immer ist?
Wie in den letzten Jahren immer wieder bewiesen wurde, sind Neuverfilmungen an der Tagesordnung. Dabei liegen die Erstverfilmungen oder die letzten Versionen manchmal nur wenige Jahre zurück. So zum Beispiel im Fall Peter Pan (Original: 1924, letzte Verfilmung 2004; Anzahl der Verfilmungen zehn, davon allein vier Verfilmungen zwischen 2000 und 2004). Manchmal jedoch liegen sie auch über 45 Jahre zurück wie beispielsweise bei Pünktchen und Anton.
Doch ab wann ist eine Neuverfilmung nötig? Dienen Neuverfilmungen nur dazu, die Geschichten nicht zu vergessen oder auch um sich mit den Inhalten neu identifizieren zu können?
Was für eine Neuverfilmung spricht
Fakt ist, dass Filmemacher von heute ganz andere filmtechnische Möglichkeiten haben. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das allein eine Neuverfilmung rechtfertigt. Befasst man sich näher mit den Remakes und den Meinungen der Rezipienten, werden die Seiten schnell klar.
Wie man Blogs und Foren entnehmen kann, ist das Publikum im Großteil der Fälle begeistert von der Neuverfilmung (Das fliegende Klassenzimmer, Emil und die Detektive, Der König von Narnia). Nur selten sind sie der Meinung, dass der Originalfilm/-serie besser war (Die rote Zora, Das doppelte Lottchen). Oft sind sie unschlüssig, da die Neuverfilmung sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt (Der Räuber Hotzenplotz).
Neuverfilmung also als Fortschritt? Und selbst wenn ja, sollte dieser bestärkt werden? Nichtsdestotrotz ist ein Großteil der Eltern von Neuverfilmungen überzeugt. Ihre Hauptgründe sind: Verstärkte Identifikation der Kinder mit den Darstellern durch Modernisierung (Kleidung, Landschaften, Einstellungen) und die Versicherung, dass wertvolle, teilweise geschichtliche Inhalte nicht verloren gehen und durch Neuverfilmungen wieder einmal angesprochen werden (die Währung "Deutsche Mark" in „Emil und die Detektive", DDR-Zeiten in „Das fliegende Klassenzimmer").
| Spricht für eine Neuverfilmung | Spricht gegen eine Neuverfilmung |
|---|---|
| Kinder identifizieren sich leichter mit modernisierten Darstellern | Der Charme des Originals kann verloren gehen |
| Ältere Geschichten geraten nicht in Vergessenheit | Vertraute Figuren wirken in neuer Form fremd |
| Die Geschichte bleibt im Gespräch, auch für neue Generationen | Wer das Original kennt, vergleicht automatisch |
Was gegen eine Neuverfilmung spricht
Allgemein spricht gegen eine Neuverfilmung, dass der Charme des Originals durch die Modernisierung verloren gehen kann. Wenn das doppelte Lottchen plötzlich nicht mehr schwarz-weiß sondern in Farbe über den Bildschirm hüpft und das immer noch in Kleidern des 50er-Jahre-Stils, aber mittlerweile aus Schauspielern Zeichentrickfiguren wurden, fragt sich doch mancher, wo die Atmosphäre hin ist. Wenn aus den Figuren der Augsburger Puppenkiste im Film "Räuber Hotzenplotz" menschliche Darsteller werden, stellt sich die Frage, ob die Kinder von morgen überhaupt noch wissen, was ein Puppentheater ist.
Warum es auf den Einzelfall ankommt
Doch oft gehen die Meinungen weit auseinander, nicht zuletzt dadurch bestimmt, mit welchen Filmen wir selbst aufwachsen. Wie die oben genannten Beispiele verdeutlichen, kann man die Entscheidung pro oder contra Neuverfilmungen nicht allgemein treffen, sondern muss es jeweils in den Einzelfällen tun. Erst dann kann man feststellen, ob die Neuverfilmung besser oder schlechter war als das Original (oder die jeweilige Verfilmung, mit der man selbst groß wurde).
Die Beispiele oben - vom Fliegenden Klassenzimmer über Das doppelte Lottchen bis zum Räuber Hotzenplotz - stammen aus der Zeit, als diese Neuverfilmungen gerade neu in Kinos und Fernsehen liefen. Die Einschätzung von damals lässt sich auf aktuelle Neuverfilmungen genauso anwenden: Es lohnt sich, jede Neuverfilmung für sich zu betrachten, statt Neuverfilmungen grundsätzlich abzulehnen oder zu bevorzugen.
Original oder Neuverfilmung - was zu Ihrem Kind passt
Ein paar Fragen, bevor Sie sich für eine Fassung entscheiden:
- Kennt Ihr Kind das Original schon?Wer die alte Fassung kennt, vergleicht automatisch - das gibt Gesprächsstoff oder macht den neuen Film madig.
- Stört es Sie, wenn Kleidung, Technik oder Sprache modernisiert sind?Manche Eltern vermissen genau das, was eine Neuverfilmung bewusst verändert hat.
- Geht es Ihnen vor allem um die Geschichte oder um eine bestimmte Fassung?Wer vor allem die Geschichte mag, kommt mit beiden Fassungen zurecht.
- Haben Sie danach Zeit für ein kurzes Gespräch mit Ihrem Kind?Was war anders, was war gleich: Ein kurzes Gespräch bringt oft mehr als die Fassung selbst.
Sind Neuverfilmungen genauso gut wie das Original?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Manche Neuverfilmungen kommen beim Publikum gut an, bei anderen vermissen viele Zuschauer den Charme des Originals - das hängt stark vom einzelnen Film ab.
Warum werden Kinderfilm-Klassiker überhaupt neu verfilmt?
Zwei Gründe werden besonders häufig genannt: Kinder identifizieren sich leichter mit modernisierten Darstellern, und Geschichten mit älteren Inhalten geraten so nicht in Vergessenheit.
Warum sind die Meinungen zu Das doppelte Lottchen als Neuverfilmung so unterschiedlich?
Ein Teil des Publikums hält die Neuverfilmung für gelungen, ein anderer Teil vermisst die Atmosphäre der alten Fassung - gerade bei sehr bekannten Klassikern gehen die Meinungen oft weit auseinander.
Sollte ich meinem Kind erst das Original zeigen?
Nicht unbedingt. Wer das Original schon kennt, vergleicht automatisch - das kann ein Gespräch bereichern, aber auch die Neuverfilmung madig machen. Beides ist möglich.
Wer sich noch grundsätzlicher mit Medien im Familienalltag beschäftigen will, findet unter Medien sinnvoll nutzen weitere Themen. Wie sich Mediennutzung über die Jahrzehnte verändert hat, zeigt Vom Buchdruck zum Internet: Die Geschichte der Medien. Und wer nach einer Alternative zum Bildschirm sucht, wird unter Kinderseiten, die taugen fündig.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Wiedervorlage
- 04.10.2028
Wir prüfen Angaben gegen die Stelle, die zuständig ist - Gesetzestext, Behörde, Anbieter oder Studie - und nennen sie. Veraltet eine Angabe, gilt das Datum oben als Hinweis darauf, wie alt sie ist. Wie wir arbeiten
