Hilfe, mein Kind ist in die Abofalle getappt!- Wann muss gezahlt werden?

 

Viele Eltern geben ihren Kindern hin und wieder das Smartphone in die Hand, was soll dabei auch groß passieren? Eigentlich wurde nur ein Spiel gespielt, doch die vermeintlich kostenlose App entpuppt sich auf einmal als eine versteckte Kostenfalle. In-Game-Käufe zum Vorankommen im Spiel oder das versehentliche Abschließen von Abonnements können schnell teuer werden. Doch müssen Eltern tatsächlich zahlen, wenn der Nachwuchs das Geld ausgibt?

 

So leicht können Apps Geld kosten

Wir alle freuen uns, wenn wir eine neue App herunterladen wollen und diese augenscheinlich erst einmal kostenlos ist. Doch viele Smartphone-Applikationen bergen versteckte Kosten, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Dabei gehen die Macher der App nach bestimmten Mustern vor.

  1. In-App-Käufe: Bei diesem Schema ist die App von Beginn an kostenlos und kann oftmals auch dauerhaft kostenlos genutzt werden. Jedoch kann man zumeist viele Hauptfunktionen der App, bei einem Spiel beispielsweise neue Charaktere, erst nutzen, wenn dafür Geld gezahlt wird. Die kostenlose App dient dabei vor allem als „Türöffner“, um Nutzern*innen die App schmackhaft zu machen. Auch kann es vorkommen, dass die zu Beginn kostenlose App bei längerer Nutzung schließlich anfängt zu kosten.

  2. Premium-SMS: Bei diesem System handelt es sich um Dienste, die über SMS bestellt oder abgerechnet werden. Diese Variante wird oft für Gewinnspiele, Klingeltöne aber auch bei Handyspielen benutzt und kann am Ende des Monats für einen Schock sorgen. Das Geld, das für die SMS bezahlt werden muss, wird nämlich zum Vertragspreis des Handys hinzugefügt oder vom Prepaid-Guthaben abgezogen. Dass solche SMS Geld kosten, wird zumeist auch nur wenig oder gar nicht kommuniziert, weswegen vor allem Kinder und Jugendliche oft auf diese Masche hereinfallen.

  3. Abofallen: Oft sind die Bedingungen für die App-Nutzung so versteckt, dass man leichtgläubig seine Daten angibt. Vielleicht sollte die App eh nur einmal genutzt werden, doch auf einmal kommt das üble Erwachen. Das Risiko in eine Abofalle zu tappen ist vor allem beim Herunterladen von Wallpaper und Klingeltönen groß. Man klickt sich so durch, kommt auf ein Werbebanner, gibt unüberlegt seine Daten an und zack hat man einen 2-Jahres-Vertrag abgeschlossen.

Müssen Eltern tatsächlich zahlen?

Jedem kann es passieren, unbeabsichtigt ein Abo abzuschließen. Doch vor allem Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Kostenfallen, welche sich unter anderem in Apps verstecken können. Aber müssen Eltern tatsächlich zahlen, wenn Kinder unbeabsichtigt ein Abo abschließen?

Die Antwort lautet glücklicherweise: in der Regel nicht. Denn wenn ein minderjähriges Kind einen Vertrag ohne Erlaubnis der Eltern abschließt, ist dieser zuerst unwirksam. Dieser gilt nämlich erst als abgeschlossen, wenn ein Elternteil oder der Erziehungsberechtigte sein Einverständnis gibt. Diese Regelung gilt für persönlich abgeschlossene Verträge genauso, wie Verträge, die über eine App, ein Spiel oder eine Internetseite abgeschlossen werden. 

Wie kann das Problem gelöst werden?

Kommt es tatsächlich soweit, dass der Nachwuchs einen In-App-Kauf tätigt oder versehentlich ein Abo abschließt, können Eltern dagegen rechtlich vorgehen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Kauf beispielsweise über die Handyrechnung der Eltern bezahlt wird. Diese haben dennoch nachträglich das Recht, die Genehmigung zum Vertragsabschluss zu verweigern und eine Rückerstattung des Geldes einzufordern.

So wäre es ja auch, wenn ein Kind in einen Laden geht, bar für etwas bezahlt und die Mutter diesem Kauf nicht zustimmt. Diese würde das Kind sofort zurück in den Laden bringen und das Geld zurückfordern. Verkäufer*innen müssen dieser Rückerstattung zustimmen und das gleiche gilt auch für Vertragsabschlüsse im Internet. 

Wie kann ich mein Kind und mich schützen?

Versteckte Abonnements und In-App-Käufe sind heimtückisch und leicht zu übersehen. Aber glücklicherweise gibt es Wege sich und seine Kinder davor zu schützen und dafür muss man lediglich die Smartphone-Einstellungen ändern.

IOS:

Im Normalfall kennzeichnet Apple jede App, die In-App-Käufe ermöglicht. Jedoch ist dieser Hinweis für viele, vor allem Kinder, oft zu undeutlich. Daher gibt es eine einfache Möglichkeit diese Käufe komplett zu deaktivieren. Dafür musst du lediglich in die iPhone-Einstellungen gehen. Klicke dann auf „Allgemein“, auf „Einschränkungen“ und letztlich auf „Einschränkungen erlauben“. Hier gibt es die Auswahlmöglichkeit „In-App-Käufe“, welche deaktiviert werden sollte. Falls du nicht alle In-App-Käufe deaktivieren möchtest, kannst du die Einschränkungen auch noch verfeinern. 

Android:

Für Android-Nutzer*innen ist das Umgehen der Kostenfalle ähnlich. Jedoch können In-App-Käufe nicht komplett deaktiviert werden, können jedoch mit einem Passwort gesichert werden. Auf den Android-Geräten muss zuerst der Google Play Store geöffnet und dann dort in „Einstellungen“ gegangen werden. Dort gibt es die Option „Passwort für Käufe erforderlich“, welche ausgewählt werden muss. Zusätzlich zu dieser Option kann entschieden werden, wie lange das Zeitfenster für In-App-Käufe geöffnet bleibt, nachdem das Passwort eingegeben wurde. Aber es kann ebenfalls so eingerichtet werden, dass nach jedem Einkauf das Passwort erneut eingegeben werden muss. 

 

Fazit:

Eltern müssen erst einmal keine Angst haben, dass Kinder womöglich hohe Kosten beim Spielen von Handyspielen verursachen könnten. Schließlich ist das Recht auf ihrer Seite und im Falle könnte das bezahlte Geld zurückgefordert werden. Dennoch sollte auf dieses Wissen nicht vertraut werden, denn es kann auch Ausnahmen geben. Am sichersten ist es, In-App-Käufe zu deaktivieren und den Nachwuchs ausreichend aufzuklären. Am besten ist es, alle Downloads, die die Kids tätigen wollen, vorab genau zu kontrollieren. Außerdem sollte den Kindern erklärt werden, dass manche Apps versteckte Kosten bergen und sie auf solche Fallen achtgeben sollen. Mit diesem Wissen dürfte das Risiko in die Abofalle zu tappen, minimiert sein.

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