Scripted Reality – Wie erkenne ich ob Reality TV echt ist?

 

Gescriptete Formate dominieren das Programm, vor allem am Nachmittag und Vorabend, der privaten TV-Sender in Deutschland. Sie haben in den vergangenen Jahren einen wahren Aufschwung erfahren. Woher kommt dieser Erfolg? Und vor allem: Wie wichtig ist die Aufklärung bei Kindern und Jugendlichen über die Echtheit dieser Formate?

 

Was ist Scripted Reality?

Scripted Reality ist ein Genre des Reality-TV, in dem eine Reality-Show nur vorgegeben wird, die Szenen jedoch von Schauspielern (meist Laiendarstellern) nach Regieanweisung (Skript) gespielt werden. Es wird eine „Drehbuch-geschriebene Realität“ geschaffen. Mit dem gezielten Einsatz von Stilmitteln wird dem Zuschauer oder der Zuschauerin vermittelt, dass er reale Vorgänge im Fernsehen sieht. Ein aktuelles, sehr erfolgreiches Beispiel ist „Berlin Tag und Nacht“. Aber auch Formate wie „Familien im Brennpunkt“ und „Die Travotos“ fallen darunter. Eine der ersten Formate dieser Art war „Richterin Babara Salesch“.

Themen des alltäglichen Lebens

Sendungen dieser Art behandeln alle Themen, mit welchen jeder im Alltag eigentlich schon einmal konfrontiert wurde. Es geht um Betrug, Geldsorgen, Diebstahl, Streit oder Vertrauensbruch. Oft auch alles auf einmal. Komplexe soziale Themen, die in einem vereinfachten Gut-und-Böse-Schema aufgelöst werden. Die einzelnen Handlungen verfügen meist über typische Klischees und sind dramatisch verdichtet. Am Ende jeder Folge wird die vorhandene Problematik (meist) mit einem Happy End gelöst.

Vermittlung von Vertrautheit durch direkte Ansprache des Publikums

In vielen Formaten sprechen die Darstellenden auch direkt in die Kamera und kommentieren die aktuellen Geschehnisse. So geben sie noch tiefere Einblicke, in dem sie ihre Gedankenwelt zu den Geschehnissen offenbaren. So wird dem Zuschauer Nähe und Vertrautheit vermittelt. Viele Zuschauer fühlen sich in das Geschehene mit einbezogen. Die für den Fernsehpreis nominierte Sendung „Berlin Tag & Nacht“ geht sogar noch weiter. Auf Facebook werden die Geschichten weitererzählt. Der Zuschauer kann Tag und Nacht mit den Darstellern „in Kontakt treten“.  Die Serie hat in den sozialen Netzwerken fast drei Millionen Fans. So viele hat kein anderes deutsches Fernsehformat.

Faszination für Kinder und Jugendliche

Die scheinbare Realität fasziniert Kinder und Jugendliche. Durch das Sendeformat haben sie das Gefühl, tiefe Einblicke in das Leben und in die Probleme anderer, zu bekommen. Heranwachsende vergleichen und identifizieren sich mit den Protagonist*innen. Es entsteht ein Gefühl von Erleichterung über die eigene, weniger dramatische Situation und daraus resultierenden ein Gefühl von Überlegenheit. Das fördert eine unrealistische Sichtweise auf die Welt und Realität. 

Die Produktion solcher Formate ist für Sender sehr preisgünstig

Ein Grund, warum die Scripted-Reality-Formate bei den Sendern immer beliebter werden: Ihre Produktion ist besonders preisgünstig. Die einzelnen Folgen sind  immer nach dem gleichen Muster aufgebaut und produziert – Film als Fließbandarbeit. Oft bleiben auch die Drehorte gleich: Bei Gerichtsshows kann immer im gleichen Gerichtssaal gefilmt werden, es müssen keine Sets umgebaut werden und selbst die Auswahl der Kostüme hält sich in Grenzen.

Junge Zuschauer sind über Echtheit verunsichert  

Die Verunsicherung vieler Zuschauer*innen kann man zum Beispiel in Internetforen nachlesen. Viele leben in dem Glauben, dass die Protagonist*innen in ihrem Alltag von einer Kamera begleitet würden.. Immer wieder taucht dort die Frage auf, ob bestimmte Serien nun geschauspielert sind oder nicht. Es gab Fälle, wo Schauspieler*innn,  deren Figuren in einer Reality Sendung gestorben sind, auf der Straße angefeindet wurden. Und das, weil Menschen annahmen, dass sie ihren Tod vorspielen. Dies bereitet Landesmedienanstalten Sorgen und fordern eine klarer Kennzeichnung von Scripted Reality Formaten. Zwingen können sie die Sender aber nicht.

Unterschiede kaum zu erkennen

Ein oft diskutiertes Problem solcher Formate ist der Eindruck, Zuschauer werden bewusst getäuscht. Hinweise, dass es sich um eine nach gestellte Geschichte handelt, sind sehr leicht zu übersehen und meist erst im Abspann platziert. Daher haben wir fünf Anzeichen aufgelistet, woran Scripted Reality Formate erkannt werden werden können.

Fünf Anzeichen für eine Drehbuch geschriebene Realität:

  • dokumentarischer Stil als Mittel zum Aufbauen von Dramen (Vortäuschung von Authentizität) 
  • Handelnde Personen werden meist von gecasteten Laiendarstellern gespielt
  • eine gewisse Neigung zu Voyeurismus und Vulgarität
  • Die frei erfundenen Geschichten bedienen häufig bestehende Vorurteile 
  • in Deutschland Hinweis im Abspann: „Alle handelnden Personen sind frei erfunden.“

 

Fazit:

Scripted Reality Formate können eine negative Wirkung haben! Hier ist Aufklärung ganz wichtig. Ihr Kind sollte sich beim Schauen solcher Sendungen immer im Klaren sein, dass es sich dabei nicht um die Realität handelt. Sprechen Sie daher mit ihrem Kind, wie solche Formate zu erkennen sind.

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