Presseschau: «Killerspieldebatte» neu entflammt

16. März 2009

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Nach dem Amoklauf von Winnenden ist die Diskussion um ein Verbot von sogenannten „Killerspielen“ wieder neu aufgekommen. Auch die Presse widmet sich dem Thema. Die Debatte darüber halten die meisten Journalisten für richtig, glauben aber nicht an ein wirkungsvolles Verbot. Vielmehr stünden die Erwachsenen in der Pflicht, dem eigenen Nachwuchs dabei zu helfen, sich im wahren Leben besser zurechtzufinden. medienbewusst.de hat die wichtigsten Stimmen aus der deutschen Medienlandschaft zusammengetragen.

“Die Gründe für einen Amoklauf sitzen tief. Selbstverständlich werden in der ersten Bestürzung zahlreiche Überlegungen laut, worin die Ursachen dieser Bluttat liegen könnten.” Der Mannheimer Morgen hält dabei die “Diskussion über die Faszination für Ballerspiele am PC und den Hang zu Waffen” für “unumstritten notwendig”. Sie bleibe jedoch an der Oberfläche, vermutet das Blatt. “Summieren sich Frustrationen zu einem Amoklauf, dann dürfte es zuvor zahlreiche Wegmarken gegeben haben, an denen alles auch hätte ganz anders weitergehen können. Darüber muss man nachdenken und erörtern, wo genau was genau schief gelaufen ist. Nicht zuletzt: auch im Gespräch mit den Eltern.”

Für den Fränkischen Tag ist es “nicht damit getan, Computerspiele zu verbieten und Waffen einzuschmelzen”. “Vielleicht sollten wir alle uns fragen, wie viel Zeit wir aufwenden, um unseren und fremden Kindern Fachwissen beizubringen. Und uns eingestehen, wie wenig Zeit wir uns nehmen, nach dem Zustand ihrer Seele zu forschen.”

Der Nordbayerische Kurier reagiert drastischer und fragt sich: “Was ist das für eine Gesellschaft, in der vorwiegend junge Menschen Mord und Totschlag als Spiel bezeichnen? Und ihr Recht einfordern, virtuell zu töten, weil es ja nur ein Spiel sei? Da müssen einige grundlegende Wertvorstellungen völlig verbogen sein.” Das Blatt aus Bayreuth ist jedoch auch der Ansicht, dass ein Verbot von Killerspielen nicht viel bewirken würde. Die Problemlösung müsse viel früher beginnen, wobei zuerst die Eltern gefordert seien: “Wer Kinder in diese Welt setzt, muss auch dafür sorgen, dass sie sich darin zurechtfinden! Die Politik kann das unterstützen, indem sie motivierte Lehrer arbeiten lässt und mehr qualifizierte Polizisten für die Herausforderung Internet einstellt.”

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“Jemand ist frustriert, verzweifelt, vielleicht psychisch krank. Er verbringt viel Zeit mit Killerspielen am Computer. Er hat Zugang zu Waffen. Wenn das zusammenkommt, genügt ein winziger Funke, um eine Katastrophe zu entfachen”, glaubt die Allgemeine Zeitung und kommentiert den allgemeinen Internet-Hype: “Internet – Es ist Segen, aber auch Fluch. Zu beobachten ist eine mitunter hysterische Überpointierung, ja geradezu eine Vergötzung von allem, was nur irgendwie mit www. beginnt.” Doch allzu viele würden aus der realen in die virtuelle Welt fliehen. “Wenn dort dann Killerspiele Begeisterung entfachen, ist der Weg in den Abgrund zumindest vorgezeichnet”, glaubt die Zeitung. Auch in diesem Bereich werde es wahrscheinlich nicht ohne strengere Regeln gehen, doch dem Blatt aus Mainz erscheint eine Bewusstseinsveränderung weitaus wichtiger: “Wer sich nur noch in der virtuellen Welt bewegt, läuft Gefahr, darin umzukommen.”

“Es gehört mehr dazu, um aus einsamen jungen Männern Täter zu machen: Eltern, die nicht mehr an ihre Kinder rankommen; Lehrer, die sich nur noch als Wissensvermittler begreifen; kindliche Riesen-Egos, die jede Kritik als narzisstische Kränkungen in Aggression umwandeln. Wenn all das zusammenkommt, wird es brisant”, schreibt die Abendzeitung aus München. “Und wenn noch die Gelegenheit da ist, mit Vaters Waffen nachzumachen, was einen beim Ego-Shooter-Spiel aufs nächste Level bringt, dann kann es gefährlich werden.” Das Blatt wirft einen kritischen Blick auf Parallelwelten wie Online-Spiele, durch die die Realität eine neue Dimension bekommen habe. “In dieser Welt ist Gewalt eine Lösung. Wer dort viel schießt und viel trifft, ist erfolgreich und cool.” Erwachsene müssten Kindern beibringen und vorleben, dass es einen Unterschied gibt zwischen dieser Welt und der Realität. “Wir können es uns nicht leisten, noch mehr von ihnen zu verlieren.”

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Bildquellen: Ubisoft, Rockstar Games

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