USK führt neue Alterskennzeichen ein

21. Juni 2009

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Seit dem 01. Juni 2009 sind auf Computer- und Videospielen neu gestaltete Alterskennzeichnungen zu finden. Wir sprachen mit Olaf Wolters, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle und Unterhaltungssoftware GmbH (kurz: USK), über die Hintergründe.

Was waren die Gründe dafür die USK-Kennzeichnungen umzugestalten?

Das hat hauptsächlich historische Gründe. Es gab 2007 im Zuge von Emsdetten Jugendschutzdiskussionen und einen Vorstoß aus dem Bundesfamilienministerium die Kennzeichen größer zu gestalten. Was dann auch Mitte 2008 umgesetzt wurde. Damals hatten wir auch schon angeregt die Kennzeichengestaltung zu verändern, dies wurde aber am Ende des Tages nicht von der Politik aufgegriffen. Gleichwohl haben wir dann dieses Ziel weiterverfolgt. Uns war immer klar, dass eigentlich das Aussehen der Kennzeichen im Vordergrund steht und nicht die Größe. Das haben wir jetzt umgesetzt und ich denke, dass die neuen Kennzeichen deutlich klarer sind, was insofern auch eine Verbesserung des Jugendschutzes mit sich bringt.

Inwieweit hat sich dabei an dem eigentlichen Verfahren bei der Alterseinstufung etwas verändert oder ist das Verfahren gleich geblieben?

Das ist absolut gleich geblieben. Es hat sich nur das Logo verändert. Wir nutzen Verfahren, die schon sehr lange laufen. Seit 2003 gibt es diese Verfahren, wie wir sie jetzt durchführen. Da werden natürlich immer auch Dinge verbessert, verändert, modifiziert, aber momentan sind wir sehr zufrieden so, wie es läuft. Wir werden da sicherlich auch noch Veränderungen vornehmen, aber generell an der Kennzeichen-Herkunft hat sich nichts geändert.

Worauf sollten denn die Eltern, abgesehen von der entsprechenden Altersfreigabe des Spiels, noch achten, wenn ihre Kinder am Computer bzw. der Konsole spielen?

Natürlich gibt es viele Dinge, auf die auch die Eltern beim Umgang mit Computer- und Videospielen achten können. Neben dem altersgerechten Spielen gibt es die Möglichkeit Jugendschutzsysteme auf den Spielkonsolen einzurichten. Da würde ich sehr für plädieren, sich mit dieser Technik auseinanderzusetzen. Wichtig ist auch, dass man sich über die Spieldauer Gedanken macht. Den Kindern vernünftige Zeitbudgets geben, also neben dem altersgerechten Spielen kein exzessives Spielen zuzulassen. Das ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Am besten sie spielen zusammen mit dem Kind und versuchen an dem Hobby teilzuhaben. Ich denke gerade da haben wir in Deutschland Defizite, dass sich die Eltern zu wenig gemeinsam mit ihren Kindern mit dem Thema Computer- und Videospiele beschäftigen.

Auf welche Weise wird denn in diesem Zusammenhang auch der Suchtfaktor einiger Spiele bei der Beurteilung durch die USK berücksichtigt? Ich denke da besonders an Online-Rollenspiele wie beispielsweise World of Warcraft.

Zu der Problematik Suchtfaktor gab es vor kurzer Zeit erst eine Anhörung. Es ist momentan so, dass es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über Spiele gibt, die wirklich süchtig machen. Es gibt natürlich Spiele, die sehr erfolgreich sind, wie eben World of Warcraft, und es gibt Leute die viel Zeit in World of Warcraft verbringen. Ebenso gibt es sehr viele andere Online-Rollenspiele die bedeutend weniger Nutzer haben oder bei denen die Nutzer nach kurzer Zeit aufhören zu spielen. Man kann bei Computer- und Videospielen also nicht wirklich von einem Suchtfaktor sprechen. Es geht eher um die Frage wie die Spieler ihre Spielzeit kontingentieren. Das hat weniger mit dem Spiel zu tun als viel mehr mit der Art, wie man spielt. Es gibt beispielsweise auch Menschen, die spielen exzessiv FIFA Fußball oder fahren exzessiv Autorennen. An dieser Stelle gilt es also Zeitbudgets einzuteilen. Mehr als eineinhalb Stunden am Tag ist nicht empfehlenswert für Erwachsene, bei Kindern beispielsweise nicht mehr als etwa eine halbe Stunde pro Tag. Das gilt natürlich auch fürs Fernsehen oder für andere Medien. Suchtfaktoren an sich haben wir bei Spielen noch nicht ausmachen können. Hier liegt es an der Wissenschaft herauszufinden, ob ein Spiel exzessives Spielen fördert, dann würde das natürlich auch berücksichtigt werden. Bisher sind das jedoch reine Behauptungen für die die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Das sind eben Dinge, die von den Medien oder Politikern sehr pauschal behauptet werden.

medienbewusst.de bedankt sich recht herzlich bei Olaf Wolters für das Interview und wünscht weiterhin noch viel Erfolg

Philipp Carl

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