Das Medienprojekt Wuppertal in einer Vorbildrolle

29. April 2010

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Schminken, drehen, veröffentlichen – das Medienprojekt Wuppertal vermittelt seit über 18 Jahren Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kompetenz vor und hinter der Kamera. Die 14- bis 28-Jährigen erhalten dort Hilfestellung bei der Realisierung ihrer Filmideen. Oft sind es Themen, die sie in ihrem Alter gerade besonders beschäftigen und die sie auf die Leinwand bringen wollen – etwa in Form von Kurzfilmen, Musikvideos, Dokumentationen oder sogar Spielfilme. Etwa 1 000 Jugendliche nutzen dieses Angebot jährlich.

Doch bevor es mit dem Filmen losgehen kann, gibt es viele Dinge zu beachten. Meistens sind die Ideen sehr unterschiedlich ausgereift. Manche haben noch ungenaue Vorstellungen. In diesem Fall wird die Idee weiterentwickelt und beim Schreiben der Szenen geholfen. Wieder andere haben schon ein fertiges Drehbuch. Wenige kommen mit ihrem gedrehten Material, um es nur zu schneiden und in seltenen Fällen suchen die jungen Filmemacher nur nach einem breiten Publikum, das sich ihr Werk ansieht. In jedem Stadium bekommen sie entsprechende Hilfe.

Nach den Vorbereitungen kommt der spannende Teil, die Produktion des Films. Die jungen Filmemacher bekommen nicht nur theoretische Erklärungen, auf welche Dinge sie bei einer Filmproduktion achten müssen, sondern auch die gesamte Filmausrüstung gestellt. 15 Kameras mit Licht- und Tonausstattung sowie acht Schnittplätze stehen in Wuppertal zur Verfügung. So können die Hinweise der Experten auch gleich ausprobiert werden. Nach einer kurzen Einführung durch die Verantwortlichen geht es sofort an die Geräte. „Wir bringen den Jugendlichen das Filmen beim Filmen bei“, so Andreas von Hören, Leiter und Gründer der Institution.

Nach dem Dreh erfolgt das Schneiden des Materials und als Höhepunkt die Erstaufführung im Wuppertaler Kino. Die Vorstellungen sind kostenlos. Wenn sich die Jugendlichen dazu entschließen, eine Dokumentation zu drehen, können sie über die Jahre hinweg sogar mehrere hunderttausend Zuschauer erreichen, da diese Filme im Verlag des Medienprojekt Wuppertal in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben werden. Zum Thema sexuelle Aufklärung, sexuelle Gewalt, Suchtprophylaxe, Behindertenarbeit und zu interkulturellen Themen können dort Filme auf DVD erworben werden.

Den Schwerpunkt der Dokumentationen legen die Jugendlichen interessanterweise auf ihre eigene Lebenswelt, diese wird im Film reflektiert. Themen wie depressive Verstimmungen oder interkulturelle Spannungen werden nicht nur angeschnitten, sondern eingehend aus der Sicht der jungen Filmemacher behandelt. Dass sich Werke von Amateuren verkaufen ließen, war für Andreas von Hören keine Sache, die er garantieren konnte. Es musste ausprobiert werden.

Anfangs war das Medienprojekt eine kommunale medienpädagogische Einrichtung, heute ist es die größte Organisation im Nachwuchsfilmbereich in Deutschland. Vor acht Jahren wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet, um inhaltlich freier produzieren und um mehr Fördermittel erhalten zu können. Derzeit werden jährlich etwa 130 Filme gedreht, vorwiegend Kurzfilme, circa 20 Spielfilme mit einer Länge zwischen 45 und 90 Minuten, Trickfilme und vieles mehr. Für die Jugendlichen ist die vermittelte Medienkompetenz ein Mittel, mit dem sie das gewünschte Ergebnis ihres jeweiligen Films erzielen wollen. Für die Verantwortlichen ist sie das hintergründige Ziel. Die Nachwuchsregisseure lernen viele Dinge kennen, die normalerweise eigenständige Berufe sind – Kameramann, Ton- und Lichtingenieur, Schauspieler – eben alles, was dazugehört.

Das Projekt finanziert sich aus verschiedenen Quellen. Zum einen fallen geringere Kosten an als in anderen pädagogischen Einrichtungen, da vor allem mit Freiberuflern gearbeitet wird. Zum anderen kommen die Einnahmen aus dem Verlag, Fördermittel aus unterschiedlichen Organisationen und die weiterhin bestehende kommunale Förderung.

Doch die Fördermittel der Stadt Wuppertal standen in diesem Monat auf der Streichliste der Verwaltung. Wegen der fehlenden Steuereinnahmen sollten verschiedene pädagogische Einrichtungen weniger Geld erhalten, darunter auch der Medienprojekt Wuppertal e.V.. Durch die eigene Filmreihe mit dem drastischen Titel „Wuppertal kackt ab“ wurden Kunden, Jugendliche, andere Filmeinrichtungen auf die Situation aufmerksam und verfassten fast 120 gut begründete Protestschreiben an die Stadt Wuppertal – mit Erfolg. Das Projekt ist zwar von kleinen Einschnitten betroffen, jedoch nicht von den angekündigten 30 Prozent. „Es wäre schlimm, wenn wir ohne Fördermittel einnahmeorientiert arbeiten müssten. So könnten bestimmte Themen und Genres nicht mehr bedient werden“, so Andreas von Hören.

Christine Döllner

Bildquelle:
Medienprojekt Wuppertal

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