Filmförderung mit „NRW-Effekt“

30. Juni 2010

Seit 1991 gibt es im Bundesland Nordrhein-Westfalen eine Filmstiftung, die mit einem Etat von rund 33 Millionen Euro jährlich die größte regionale Förderinstitution Deutschlands ist. medienbewusst.de sprach mit Anna Fantl, die in der Nachwuchsförderung der Filmstiftung tätig ist.

kino_nrweffekt_anna_fantl.jpg.JPG Frau Fantl, was darf man sich unter der Filmstiftung NRW
vorstellen?

Die Filmstiftung ist eine GmbH und wurde als Institution 1991 ins Leben gerufen. Damals waren die beteiligten Institutionen mit jeweils 50% das Land Nordrhein-Westfalen und der WDR. Die Stiftung zeichnet sich durch hohe Sachkompetenz in vielen unterschiedlichen Förderbereichen und ein stark motiviertes Team aus, das die Aufgaben zielbewusst wahrnimmt. Zudem unterstützt die Filmstiftung die Filmkultur im Land zusätzlich, indem sie sich finanziell an Festivals in NRW beteiligt.

Des Weiteren engagiert sie sich für die Aus- und Weiterbildung als Träger der Internationalen Filmschule in Köln. Das Spektrum reicht von ganz pragmatischen Dingen der Hilfestellung bis hin zur großen Förderung mit finanziellen Mitteln. Das macht sie zu einer Anlaufadresse für all jene, die filmisch im Land tätig werden.

Wer ist an der Filmstiftung beteiligt?

Das Land stellt 35%, der WDR 40%, das ZDF und RTL jeweils 10% und die Landesanstalt für Medien 5% des jährlichen Förderetats. Diese Institutionen bzw. Gesellschafter entsenden Mitglieder in den Aufsichtsrat und in die Auswahlgremien.

Wen fördern Sie und in welchem Umfang?

Antragsstellern, Produzenten und Filmemachern ist natürlich am meisten geholfen, wenn sie Fördergelder bekommen. Die “Produktion 1” ist die große Förderabteilung, die am meisten Geld zu Verfügung stellen kann. Hier ist die Regional-Förderung immer abhängig von dem sogenannten “NRW-Effekt”. Das bedeutet, dass die beantragte Fördersumme in der Kalkulation so berechnet sein muss, dass mindestens das Anderthalbfache an Geld in Nordrhein-Westfalen ausgegeben wird.

Bei der “Produktion 2” gelten Förderhöchstgrenzen für beispielsweise Kurzfilme in Höhe von 25.000 € und für Langfilme in Höhe von 100.000 €. In der „P2“ werden ausschließlich Zuschüsse vergeben.
In der reinen Nachwuchsförderung wiederum können wir bis zu maximal 70% der Gesamtherstellungskosten fördern.

Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Man muss zwischen formalen und inhaltlichen Kriterien unterscheiden. Im ersten Schritt geht es darum zu prüfen, ob die Grundvoraussetzungen, die wir in den Richtlinien vorgeben, in dem jeweiligen Projekt erfüllt werden. Bei der “P 1” impliziert das die Vorgabe des eben schon erwähnten NRW-Effekts.
In der “P 2” ist die Grundvoraussetzung beispielsweise das besondere kulturelle Interesse oder der Erstwohnsitz. In der reinen Nachwuchsförderung “P3” gilt ein Mischkonzept aus den ersten beiden Produktionen. Entscheidender ist der zweite Schritt. Dabei wird in Gremien beraten und nach Qualität des Drehbuchs entschieden.

Wie sieht speziell die Nachwuchsförderung aus?

In der reinen Nachwuchsförderung, die seit 2006 einen Fördertopf in Höhe von 1,5 Mio € jährlich hat, fördern wir ausschließlich Diplom- oder Abschlussfilme und die sogenannten “Erstlinge” – also den ersten Langfilm. In der Produktion 1 gibt es die Six-Pack-Reihe, in der jeweils hälftig WDR und Filmstiftung die Mittel für einen Debütfilm zur Verfügung stellen. Die Produktion 2 vergibt Fördermittel für Abschlussfilme an NRW-Hochschulen sowie für die Kurz- und Langfilme. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers lag viel daran, eine zusätzliche, vereinfachte und schnelle Förderform speziell für den Nachwuchs bereitzustellen.

Gibt es Tendenzen, die Sie vor allem bei Kinder- und Jugendfilmen in den letzten Jahren beobachten konnten?

Kinderfilme waren für Produzenten in Deutschland immer ein ganz schwieriges Kapitel. Allerdings trauen sich zunehmend mehr Produzenten an dieses Genre heran und erzielen auch gute Erfolge. Wir haben im letzten Jahr fünf Projekte mit einer Gesamtsumme von 3,1 Mio € – also immerhin 10% des Gesamtfördervolumens – gefördert. Bei Kinderfilmen sind Produktionen wie z.B. „Prinzessin Lillifee“, die entweder auf Büchern oder auf Merchandise-Figuren basieren, stark im Kommen. Das ist ein Trend, der erst in den letzten Jahren zu beobachten ist.

Gleichzeitig muss man sagen, dass sich originäre Kinderstoffe ganz schwer tun, die eigens für Kinder entwickelt werden, aber keine erfolgreiche Printvorlage haben. Beliebt sind Sequels wie „Vorstadtkrokodile“ oder „Freche Mädchen“, von denen direkt Fortsetzungen produziert werden, sobald der erste Film an der Kinokasse Erfolg hatte.

medienbewusst.de bedankt sich bei Anna Fantl für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Andreas Blessau

Bildquelle:
Portraitfoto zur Verf. gestellet v. Anna Fantl

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