Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg

5. Juli 2009

Professor Karlheinz Brandenburg, bekannt durch seine Mitarbeit an der Entwicklung des mp3 Formats, ist Leiter des Frauenhofer Instituts für Digitale Medien in Ilmenau. Im Januar des vergangenen Jahres eröffnete das Institut die Außenstelle Erfurt, die sich mit dem Themenkomplex Kindermedien beschäftigt. Neben zahlreichen Auszeichnungen im Laufe seiner Karriere wurde Professor Brandenburg im diesjährigen Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation außerdem zu einem der Botschafter hierfür ernannt.

karlheinz_brandenburg_160x200.jpgAls Leiter des Frauenhofer Instituts für digitale Medien sind sie für die Weiterentwicklung des Instituts mitverantwortlich. Inwiefern waren sie in die Entstehung der Außenstelle Kindermedien in Erfurt involviert?

Der Anstoß zur Gründung einer Frauenhofer-Einheit in Erfurt kam aus dem politischen Raum in Thüringen. Unter vielen anderen Ideen gab es auch die Idee etwas im Mediensektor zu etablieren. Da jedoch Erfurt keine Technische Universität beheimatet und Frauenhofer im Allgemeinen Unikooperationen sucht, kam ich auf die Idee etwas im Bereich Kindermedien zu etablieren. Die Idee stieß sofort auf fast schon beängstigend euphorische Begeisterung. Daraufhin wurde anschließend von mir in Verbindung mit dem Frauenhofer-Vorstand diese Idee konkretisiert und weiterentwickelt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich außerdem bereits Herrn Jantke kennengelernt (derzeitiger Leiter der Außenstelle in Erfurt) und diesen dann gefragt, ob er sich den Aufbau einer solchen Einheit zutrauen würde. Der Rest ging dann insgesamt relativ schnell.

Welchen Nutzen erhoffen sie sich von dieser Entwicklung für die Zukunft ihres Instituts?

Die Interdisziplinarität dieser Einrichtung bietet interessante und vielfältige Möglichkeiten. Die Abteilung arbeitet eng mit den Universitäten in Erfurt, Ilmenau und Weimar und der Fachhochschule Erfurt zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit ergibt sich eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Technik und Sozialwissenschaften welche eine Bereicherung für das Institut darstellt. Es positioniert sich als sinnvolle Ergänzung im bestehenden Forschungskanon ohne den anderen Abteilungen Ideen wegzunehmen.

Inwiefern gibt es Anknüpfungspunkte zwischen Ihrem originären Forschungsgebiet (Akustik) und der Abteilung Kindermedien?

Die Forschungsgebiete liegen nicht so weit auseinander wie dies den Anschein haben mag. In einer aktuellen Dissertation werden unter anderem Mathematische Modelle für Musik beschrieben und daraus Ideen für neue Musikinstrumente generiert, die speziell für Kinder interessant sein könnten. Außerdem ist die Bedeutung von Akustik in virtuellen Welten ein denkbarer Kooperationsansatz, der möglicherweise irgendwann in virtuellen Spielen Verwendung finden könnte.

Sie als Botschafter für Kreativität und Innovation erheben diese zu Schlüsselqualifikationen für die Jugend. Könnten sie dies kurz erläutern?

Der unbeschränkte Zugriff auf Informationen durch das Internet mindert die Bedeutung des sturen Auswendig Lernens, anstelle dessen tritt das Verstehen und Begreifen von Zusammenhängen. Der Kreative Umgang mit Technologie, das Verstehen von Zusammenhängen und das Weiterdenken sind die Schlüsselqualifikation für die Zukunft unserer Jugend.

Inwiefern fördern digitale Medien diese Qualifikationen?

Wie bereits erwähnt können Medien diese Qualifikationen fördern, indem sie Lernprozesse verändern. Der Medienumgang jedoch stellt hier momentan eine Einschränkung dar. Zum Beispiel nutzen Schulen bestehende Technologien noch nicht ausreichend. Auch die Eltern tragen nur einen Teil der Verantwortung in der Medienerziehung ihrer Kinder. An dieser Stelle bietet die interdisziplinäre Ausrichtung der Abteilung Kindermedien in Bezug auf die Arbeit mit Sozialwissenschaftlern die Möglichkeit, über Wirkungsforschung Praxis relevante Umsetzungen mit positivem Nutzen für Kinder zu generieren. Dennoch muss auf diesem Gebiet die Forschung ausgebaut und vor allem strukturiert werden.

Kinder und vor allem Jugendliche adaptieren neue technische Entwicklungen zumeist schneller als Erwachsene. Inwiefern kann die Medienwirkungsforschung damit Schritt halten?

Sie muss Schritt halten! Die Forschungsarbeit am Institut bedient sich, aufgrund der Kooperation mit zahlreichen Universitäten, einer Generation von Studenten, die aktiv in die Forschungsarbeit eingebunden sind und zu den Digital Natives zählen. Als Digital Natives bezeichnet man jene Generationen, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind, im Gegensatz zu den älteren Generationen, für die diese zunächst nur Visionen waren. Aufgrund dieses Aspektes bin ich der Überzeugung, dass wir hier mit unserer Forschung sehr nahe an der Zielgruppe arbeiten. Allerdings besteht hier noch großes Entwicklungspotential.

medienbewusst bedankt sich bei Professor Karlheinz Brandenburg für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg

Bastian Alpers

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