Hänschen Klein als Indie-Rocker


Verkehrte Welt, möchte man meinen. Eine erfolgreiche deutsche Schauspielerin singt altbekannte und volkstümliche Kinderlieder in neuen Indie- oder Folkversionen und herausgegeben wird all dies von einem Schweizer Buch- und Hörbuchverlag. Das Resultat kann sich sehen bzw. hören lassen und sorgt für gute Frühlingsstimmung.

Die singerprobte Makatsch, die Hildegard Knefs Leben auf die Leinwand brachte, überzeugt mit ihrer leicht angerauhten Stimme. Doch der eigentliche Coup des Albums ist der Mann im Hintergrund. Multiinstrumentalist Max Martin Schröder erweckt durch vielseitiges Spiel alte Kinderlieder zu neuem Leben. Lieder wie „Der Kuckuck und der Esel“ oder „Oh du lieber Augustin“ werden so manchem noch aus seiner eigenen Kindheit bekannt sein?

Was all diese Lieder gemein haben sind die zumeist einfach gehaltenen Texte und Melodien. Anders dachte sich das ein Künstlerehepaar, die sich vornahmen, diesen Kinderliedern einen neuen Sound zu verleihen. Rhythmische Gitarrenklänge, eingängige Klavierpassagen und die Drums machen „Die schönsten Kinderlieder“ von Heike Makatsch und ihrem Ehemann Max Martin Schröder, zu etwas ganz Besonderem. Nicht umsonst nahm der, eher auf Bücher und Hörbücher spezialisierte Diogenes-Verlag dieses Musikalbum in sein Sortiment auf.

Aus der klassischen Volks- und Kinderliedersammlung „Das große Liederbuch“ wählten Makatsch und Schröder 12 Lieder aus und gaben jedem einzelnen eine völlig neue Note. Hervorzuheben ist dabei „Tomte“-Drummer und auch als „derhundmarie“ bekannte Musiker Schröder. Er variiert Song-Tempi, bringt die verschiedensten Instrumente zum Einsatz und fügt gekonnt neue Melodiepassagen hinzu, die neue Facetten aus diesem Genre hervorbringen. Heike Makatsch hingegen überzeugt mit ihrer, durch die „Hilde“-Verfilmung eingeübte, Stimme und man merkt ihr den Spaß an diesen Aufnahmen bei jedem Lied an.

Sanfte Klänge wie „Ade zur guten Nacht“ bringen eine angenehme verträumte Stimmung hervor. Währenddessen schnellere Interpretationen wie „Bruder Jakob“ gute Laune verbreiten und man sich dabei selbst beim Mitwippen erwischt. Der Charme volkstümlicher Kinderlieder geht dabei jedoch nicht verloren. Die bekannten Texte und Melodien laden jedes Kind zum Mitsingen und Tanzen ein.

Ebenfalls gelungen ist das Booklet der CD. Passend zu der verspielten Musik schmücken Illustrationen des Malers Tomi Ungerer das kleine Heft, das zum Schmökern einlädt. Die Liedtexte zum Nachlesen und Noten zum Nachspielen komplettieren dieses Werk zu einem kreativen Meisterstück für Jung und Alt.

Alexandra Ernst

Bildquellen: © bt@diogenes.ch
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