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Hinter den Kulissen der Talentsuche: Komparse oder Kleindarsteller werden

Ein Kind sitzt mit einem Elternteil in einem Wartebereich einer Casting-Agentur und hält einen Flyer in der Hand.
Vor dem ersten Casting zählt laut dem Interview vor allem, dass das Kind selbst dabei sein möchte.

Komparsen und Kleindarsteller unterscheiden sich bei Rolle, Text und Gebühr. Eine Agentur-Geschäftsführerin erklärt im Interview, was beim Einstieg für Kinder zählt.

Ein Komparse hat keine tragende Rolle und spricht keinen Text, ein Kleindarsteller übernimmt dagegen Sprechrollen mit Einfluss auf die Handlung - das gilt laut diesem Interview mit einer Casting-Agentur für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

Castingshows im Fernsehen gibt es zur Genüge und vor allem Kinder eifern ihren Stars aus Film und Fernsehen oft nach. Bei vielen ist der Wunsch im Rampenlicht zu stehen groß und hier sind besonders die Eltern gefragt. Antje Mews ist geschäftsführende Gesellschafterin der filmissimo GmbH in Erfurt und spezialisiert auf das Finden von Komparsen und Kleindarstellern. medienbewusst.de sprach mit der diplomierten Kulturwissenschaftlerin über Chancen und Risiken für Kinder, die in dieser Branche Fuß fassen wollen.

Komparse oder Kleindarsteller: der Unterschied

Wo liegt generell der Unterschied zwischen Komparsen- und Castingagenturen? Bezogen auf die Film- und Fernsehbranche sind Kleindarsteller und Komparsen zu unterscheiden. Kinder, die in Filmen oder Telenovelas auftreten und dabei tragende Rollen spielen, sind Kleindarsteller. Sie sprechen Text und haben eine Auswirkung auf die Handlung. Komparsen hingegen, und das gilt für jung und alt, haben selten tragende Schauspiel- oder Schlüsselrollen. Sie haben keinen Text und wirken eher im Hintergrund mit.

MerkmalKomparseKleindarsteller
Rolle am Setohne tragende Rolle, wirkt im Hintergrund mitübernimmt eine tragende Rolle
Textspricht keinen Textspricht Text und wirkt auf die Handlung
Aufnahmegebühr laut Interviewin der Regel keinebei Kinder-Casting-Agenturen oft eine Jahresgebühr

Eine passende Agentur finden

Frau Mews, wie finden interessierte Eltern geeignete Kinder-Casting-Agenturen für ihr Kind? Generell kann die Suche über Zeitungen, Radiosender oder kostenlose Beilagen erfolgen. Dort werden immer wieder Kinder-Castings angeboten oder Kleindarsteller gesucht. Dabei sollten sich Eltern im Vorfeld über die jeweilige Agentur informieren und sicherstellen, dass sie sich mit der Agentur wohlfühlen. Sprich: Wie ist die Arbeitsatmosphäre in der Agentur, wie gehen die Mitarbeiter mit den Kindern um, handelt es sich hierbei um eine kindgerechte Umgebung etc. Grundsätzlich wäre damit der erste Schritt schon einmal getan.

Und wenn das sicher gestellt ist, wie geht es dann weiter? Bei dieser Frage müssen zuallererst die Unterschiede zwischen Komparsen- und Castingagenturen geklärt werden, denn die Aufnahmegebühren unterscheiden sich enorm.

Komparsenagenturen verlangen in der Regel keine Gebühr für die Aufnahme in eine Kartei. Hier gilt grundsätzlich die Regel: Es wird mit dem Komparsen verdient und nicht an ihm. Im Gegensatz dazu, ist es nahezu bei jeder Kinder-Casting-Agentur üblich, eine Aufnahme- oder Jahresgebühr zu begleichen. Meiner Meinung nach sollte der Jahresbeitrag aber keinesfalls die 70-Euro-Grenze überschreiten, auch wenn hierbei das Schießen von Fotos mit im Preis enthalten ist.

Vor dem ersten Casting

Vier Punkte, bevor es losgeht:

  • Gebührenmodell klärenKomparsenagenturen verlangen laut dem Interview meist keine Aufnahmegebühr, andere eine Jahresgebühr.
  • Arbeitsatmosphäre prüfenWie Mitarbeiter mit Kindern umgehen, zeigt sich oft schon beim ersten Kontakt mit der Agentur.
  • Wunsch des Kindes ernst nehmenDie Agentur-Geschäftsführerin betont im Interview: Das Kind sollte es wollen, nicht die Eltern.
  • Unterlagen vorbereitenÄrztliches Attest, Schulbescheinigung und Genehmigung des Jugendamts müssen vor Drehbeginn vorliegen.

Worauf es bei Kindern ankommt

Muss mein Kind bestimmte Vorkenntnisse mitbringen oder ganz besonders auffallen, um bei einer Agentur erfolgreich zu sein?

Diese Frage kann ganz klar mit NEIN beantwortet werden. Manchmal ist es genau der kleine, etwas pummelige Junge mit Segelohren, den wir suchen. Individualität spielt eine sehr große Rolle, vor allem sollte das Kind auch nicht zu schüchtern sein. Wir suchen nicht unbedingt bildhübsche Kinder sondern vielleicht eher Charaktere mit Ecken und Kanten. Generell hat jedes Kind eine Chance in der Komparserie oder anderen Kinder-Casting-Agenturen Fuß zu fassen. Das wichtigste dabei: Das Kind sollte es wollen und nicht die Eltern.

Das Kind auf den ersten Auftritt vorbereiten

Vorausgesetzt mein Kind möchte eine Rolle in einer Serie spielen und hat eine kleine Komparsenrolle ergattert. Wie bereite ich es sinnvoll für seinen Auftritt vor?

Eltern sollten immer mit offenem Interesse an die Sache herangehen. Vielleicht schaut man sich gemeinsam einen Film an und hinterfragt bestimmte Szenen oder Schauspieler. Man sollte so viele Fragen des Kindes wie möglich beantworten, ohne es in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen. Ist das Kind wirklich an der Schauspielerei interessiert, kann man es in kleine Theater-AG's unterbringen. Informationen dazu gibt es auch beim Landesmedienamt. Auf keinen Fall sollten Eltern zu Beginn viel Geld und Zeit in Komparsen- oder Schauspieltrainings für Kinder investieren. Diese sind meiner Meinung nach nur Geldschneiderei.

Grundgage und rechtliche Grenzen für Kinder

Was verdient ein Kind denn als Komparse? Und gibt es rechtliche Bestimmungen, die ich als Elternteil bedenken muss?

Bei der Komparserie erhält jeder Komparse, ob jung oder alt, 55 Euro Grundgage. Dabei sind sehr wohl strikte rechtliche Bestimmungen einzuhalten, vor allem wenn es um Kleindarsteller geht. Grundsätzlich dürfen Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren nicht länger als fünf Stunden täglich am Set sein. Weiterhin müssten ärztliche Atteste, Schulbescheinigungen und Genehmigungen des Jugendamtes eingeholt werden. Liegen diese bei Drehbeginn nicht vor, darf das Kind nicht vor die Kamera. Damit werden Kinder vor zu viel Arbeit und Überforderung geschützt.

medienbewusst.de bedankt sich bei Antje Mews für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Talentsuche.

Was ist ein Kleindarsteller?

Ein Kleindarsteller übernimmt im Gegensatz zum Komparsen eine tragende Rolle, spricht Text und wirkt auf die Handlung ein. Komparsen bleiben dagegen im Hintergrund und haben keinen Text.

Was ist der Unterschied zwischen Komparse und Kleindarsteller?

Komparsen haben keine tragende Rolle und sprechen keinen Text. Kleindarsteller übernehmen Sprechrollen mit Einfluss auf die Handlung - das gilt laut dem Interview für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

Was verdient ein Komparse?

Nach Angaben der Agentur-Geschäftsführerin Antje Mews im Interview von 2010 erhält jeder Komparse eine feste Grundgage pro Drehtag, unabhängig vom Alter.

Was verdient ein Kleindarsteller?

Dazu macht das Interview keine Angabe - eine Zahl liegt nur zur Grundgage von Komparsen vor.

Wer die Medienwelt noch von einer anderen Seite kennenlernen möchte: Unter Trickfilm, Foto und Podcast: Medien selbst gestalten probieren Kinder selbst aus, was hinter der Kamera passiert. Einen Überblick über altersgerechte Angebote gibt Gute Apps nach Alter, und was Medienkompetenz insgesamt meint, erklärt Medienkompetenz und Medienbewusstsein.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
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Redaktion medienbewusst.de
Wiedervorlage
04.10.2028

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