KIM – Studie 2006


Der Fernseher behält seinen hohen Stellenwert in der Welt der Kinder, seine zu hohe Nutzung wird aber gleichzeitig von den Eltern bemängelt.- Die Internet- und Computernutzung von Kindern steigt weiter an.- Dies sind nur einige Ergebnisse der KIM-Studie 2006.

Die KIM-Studie (Kinder und Medien) ist ein Langzeitforschungsprojekt, welches der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MPFS) seit 1999 regelmäßig durchführt. Bei jeder Untersuchung werden rund 1.200 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren und ihre Haupterzieher, also meistens ihre Eltern, zur Mediennutzung befragt. Das Ziel dieser Langzeitstudien ist zum Einen Erkenntnisse über den aktuellen Stand der Mediennutzung von Kindern dieser Altersgruppe zu gewinnen und zum Anderen Ergebnisse über Veränderungen in der Mediennutzung beziehungsweise dem allgemeinen Umgang mit Medien zu ermitteln.

In der KIM-Studie 2006 wurden die gewonnenen Daten erstmals nicht nur mit Hilfe der üblichen soziodemografischen Merkmale der Befragten, wie Geschlecht und Alter, verglichen, sondern anhand von so genannten Milieus. Diese Methode soll zusätzlich Aufschlüsse über die unterschiedliche Mediennutzung von Kindern in bestimmten Gesellschaftsgruppen geben. Da hier allerdings nur die allgemeine Mediennutzung, unabhängig von einzelnen Gesellschaftsschichten,  von Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren im Fokus stehen soll, wird die Auswertung nach den Milieus nicht betrachtet.

Schon seit mehreren Jahren spielen die Medien eine große Rolle im Alltag der Kleinsten. So stellte sich erneut heraus, dass das Fernsehen bei Kindern auf Platz drei der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen rangiert. Nur das Treffen mit Freunden und das „Draußen Spielen“ machen die Kleinen lieber. Sogar die Computernutzung an fünfter Stelle, steht in Sachen Freizeitgestaltung höher als zum Beispiel das Spielen im Haus oder das Zusammensein mit den Eltern.
Nicht nur die Beliebtheit der Medien sondern auch die Medienausstattung der Haushalte ist ein klares Indiz dafür, dass diese aus dem Kinderalltag nicht mehr wegzudenken sind. So besitzt 2006 jeder Befragte einen Fernseher im Haushalt, fast jeder ein Handy oder einen CD-Player. Außerdem gehört auch der Computer, mit rund 90 Prozent, und der Internetzugang, mit rund 81 Prozent zum festen Bestandteil eines deutschen Haushaltes.

Wie bereits bei der Freizeitbeschäftigung der Kinder erkennbar, ist und bleibt der Stellenwert des Fernsehers bei Kindern gegenüber anderen Medien sehr hoch. So sitzen 78 Prozent der Kinder jeden oder fast jeden Tag vor dem Fernseher. Mit großem Abstand folgt dann erst die tägliche Nutzung von Musikkassetten und CD´s und des Computers. Welche nur ungefähr jedes vierte Kind täglich gebraucht. Nur jedes zehnte Kind nutzt dagegen Hörspielkassetten, Bücher, Handy, MP3-Player, Gameboy oder Videospielen beziehungsweise Spielkonsolen mindestens einmal pro Tag. Diese Nutzungsgewohnheiten spiegeln sich auch die Bereitschaft zum Verzicht eines bestimmten Mediums wieder. So wollen 70 Prozent der Kinder keinesfalls auf den Fernseher verzichten. Aber nur jedem fünften Kind ist der Computer wichtig und unter 6 Prozent der Befragten können nicht auf Bücher, Radio, Internet, Zeitschriften und MP3-Player verzichten.

Beim Thema Medien wurde in den letzten Jahren vor allem dem Computer und dem Internet besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich das rasante Wachstum der Computer- und Internetnutzung der Kinder vor Augen hält. Nutzten 1999 nur etwa die Hälfte der Kinder den Computer, so stieg der Anteil 2006 bereits auf 81 Prozent. Noch größer ist der Erfolg des Internets: Lag der Anteil der Kinder, die bereits Erfahrungen mit dem Internet gemacht hatten, 1999 noch bei sechs Prozent, so liegt er 2006, nach einem kontinuierlichen Anstieg in den dazwischenliegenden Jahren, bei 50 Prozent. Natürlich darf man bei der Nutzung des Computers und des Internets nicht vergessen, dass dafür Schreib- und Lesefähigkeiten des Nutzers zur sinnvollen Nutzung Voraussetzungen sind und die Verbreitung des Internets demzufolge eine untere Altersgrenze gesetzt ist.

Bei der Computer- und Internetnutzung von Kindern kristallisieren sich bestimmte Haupttätigkeiten heraus. Vor allem die Nutzung von Computerspielen, sowohl alleine als auch mit anderen, interessiert die Kinder. Daran schließt sich der Einsatz des Computers für die Schule oder die Nutzung von Lernprogrammen und schließlich steht das Surfen im Internet bei den Kindern im Vordergrund. Dabei beschränkt sich die Internetnutzung bei der Hälfte der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren vor allem auf die  Informationssuche, sowohl für die Schule als auch für andere Interessensbereiche. Wobei die Kleinen in dieser Altersgruppe häufiger spezielle Angebote für Kinder nutzen, als allgemeine Seiten. Außerdem spielen rund 40 Prozent der Kinder mindestens einmal pro Woche im Internet. In Bezug auf das Internet dürfen natürlich die Kommunikationsangebote nicht vergessen werde. So nutzen ein Drittel der befragten Kinder E-Mails, ein Fünftel besucht Chatrooms und 14 Prozent nutzen Instant Messenger. Der Faktor Musik spielt in dieser Altersgruppe nur eine untergeordnete Rolle.

In Betracht der ausgeprägten Mediennutzung der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren stellt sich nun die Frage, inwieweit die Kleinen sicher mit den jeweiligen Medien umgehen können. So fragte man die Kinder welche Tätigkeiten, in Bezug auf einzelne Medien, sie gut können, nicht so gut können oder eigentlich nie machen. Über der Hälfte beherrschen demzufolge die Benutzung eines DVD-Players, für knapp die Hälfte ist es weiterhin kein Problem, eine SMS zu verschicken und knapp 42 Prozent der Kinder können den Videotext am Fernseher benutzen. Weiterhin haben zwei Fünftel der Befragten kein Problem damit, die Uhr am Handy zu stellen oder auf dem Computer zu spielen. Schwieriger wird es bei Tätigkeiten, wie dem Anlegen von Verzeichnissen am Computer, dem Anmelden in einem Chatroom oder dem Herunterladen von Dateien im Internet.

Natürlich sind für die Kompetenzen der Kinder die Eltern unerlässlich, denn ihre Aufgabe ist es, ihren Kindern einen sinnvollen Umgang mit den Medien beizubringen. So steht das Thema „Kinder und Medien“ in Bezug auf die Bedeutung dieses Themas für die Eltern nur an sechster Position. Davor rangieren „Schule“, „Liebe, Partnerschaft“, „Gesundheit und Medizin“, „Ernährung, Kochen, Backen“ und „Ausbildung und Beruf“. Die Problemfelder in Bezug auf Medien sehen Eltern vor allem in der hohen Nutzung des Fernsehers, beim Spielen von Computerspielen und im generellen Umgang mit dem Computer.

Damit der Stellenwert des Themas „Kinder und Medien“ bei den Eltern steigt, sind Untersuchungen wie die KIM-Studie nötig, um die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren und auf allgemeine Probleme und Gefahren bei der Mediennutzung von Kindern aufmerksam zu machen. Denn nur mit der nötigen Forschung und dem Engagement der Erziehenden kann eine Verbesserung, sowohl der Medienkompetenz von Kindern als auch der Medienangebote für Kinder, erwirkt werden.

Anne Hensel

Quelle:
Sabine Feierabend und Walter Klingler: Kinder und Medien: Ergebnisse der KIM-Studie 2006- Der Medienumgang Sechs- bis 13-Jähriger nach Sinus-Milieus, In: Media Perspektiven 10/2007.