Lego 2.0


Es gibt Spiele, die begeistern durch ihre Story, es gibt andere, die schaffen es durch eine fotorealistische Grafik den Spieler ins Staunen zu versetzen. Minecraft aus dem Hause des schwedischen Programmierers Markus Persson, besser bekannt als „Notch“, setzt allerdings weder auf das Eine noch das Andere. medienbewusst.de schaute sich das innovative Spiel jetzt einmal genauer an.

Gameplay

Minecraft besitzt weder eine Story noch spezielle Ziele. Der Spieler wird beim Start des Spiels in eine riesige 3D-Welt gesetzt. Dabei fühlt man sich am Anfang ein wenig wie Robinson Crusoe auf einer gestrandeten Insel. Nur mit den Händen „bewaffnet“, kann man diese Welt erkunden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Spielwelt selbst, welche aus Millionen von Blöcken besteht. Aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Stein oder Erde bestehend, lassen sich die Blöcke inform des erlangten Materials miteinander kombinieren, um somit bessere Werkzeuge, Waffen und Rüstungen herzustellen. Via Handarbeit kann man nun beginnen diese Blöcke abzubauen, wobei für manche Materialen spezielle Werkzeuge nötig sind. So ist es beispielsweise effektiver Holz mit einer Axt abzubauen bzw. Stein mittels einer Spitzhacke.

Der Sammelrhythmus wird nur durch die alle 20 min hereinbrechende Nacht unterbrochen. Dann werden verschiedenste Monster wie Spinnen, Creeper oder Zombies aktiv. Will man sich gegen diese Gegner schützen, bestehen zwei Möglichkeiten:  entweder man bleibt defensiv und verteidigt sich lediglich, indem man sich aus unterschiedlichen Materialien Verstecke baut. Oder man bläst – mit Schwert oder Bogen bewaffnet – zum Angriff, um Lage und Terretorium wieder unter die eigene Kontrolle zu bringen.

Ist die Nacht dann vorüber, geht es weiter mit dem Sammeln. Nach wenigen Spielstunden gräbt man sich tief in die Erde hinein, um immer seltenere Materialen wie Gold oder Obsidian zu finden. Aus diesen baut man sich nun immer nützlichere Gegenstände zum „Überleben“. Dann reicht im Zweifel auch nicht mehr der anfangs gebaute Unterschlupf. Ob die neue Behausung nun ein Baumhaus, Burg, Strandhaus oder ein Wolkenkratzer wird, die Grenze liegt in der Fantasie und Kreativität eines jeden Spielers.

Steuerung

Die Steuerung geht dabei leicht von der Hand. Mit den typischen Bewegungstasten WASD und der Maus bewegt man sich durch die Spielwelt. Mittels Linksklick baut man Blöcke ab, mit Rechtsklick werden Blöcke abgesetzt. Damit der Spieler dabei nicht ganz alleine ist, kann man sich sogar mittels Multiplayer mit anderen Spielern zusammenschließen und Gebäude bauen. Das in Minecraft „fast“ alles möglich ist, zeigen die Nachbauten berühmter Gebäude wie die des Empire State Building oder des Taj Mahal, welche in mühevoller Arbeit entstanden sind.

Grafik/Sound

Man könnte den Grafikstil wohl als „Lego 2.0“ bezeichnen, welcher unzweifelhaft den Charme von Minecraft ausmacht. Lediglich Blöcke, die mit Texturen überzogen sind: mehr braucht es nicht. Sogar Mond und Sonne bestehen aus einfachen Blöcken. Mittlerweile gibt es jedoch schon eine Vielzahl von kostenlosen Texture-Packs, die die simple Grafik von Minecraft ein bisschen „aufhübschen“. An aktuelle, fotorealistische Grafiken reicht das Spiel dementsprechend natürlich nicht heran – das scheint jedoch auch so beabsichtigt gewesen zu sein.

Der Sound ist stimmig. Tiere machen typische Geräusche und das Sammeln der Materialien ist ebenfalls vertont. Zu beachten ist allerdings, dass das Spiel bisher noch nicht für Deutschland individualisiert wurde, alle Materialien und Gegenstände also mit englischen Namen angezeigt werden und auch die Menüführung nur mit kleinen bis mittleren Englischkentnissen verständlich ist.

Fazit

Zweifellos schafft es Markus Persson mit diesem Spiel einige Kindheitserinnerungen wieder hervorzurufen. Minecraft transportiert eine wunderbar kreative Lego-Atmosphäre in das digitale Zeitalter. Dem Spieler stehen  eine grenzenlose Anzahl an Blöcken zur Verfügung,  mit denen dieser sich austoben kann. Leider sind kleine Englischkenntnisse erforderlich, um die Texte im Spiel lesen zu können und durch das Menü zu navigieren. Der Einstieg wird jedoch auch dadurch erschwert, dass man erst durch Ausprobieren oder durch Nachlesen im Internet die Kombinationen der Materialien herausfindet. Dies kann mitunter ein wenig kompliziert und zeitraubend sein. Hat man diese Anfangsschwierigkeiten überwunden und lässt sich auf die Welt der Blöcke ein, entwickelt sich Minecraft zu einem fesselnden Spiel, in dem der Fantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Aufgrund der Anforderungen an die Sprachkenntnisse des Nutzers und den erschwerten Einstieg, ist Minecraft ab einem Alter von 12 Jahren zu empfehlen.

Moritz Graf

Bildquelle:
© 9Andrey