„Lieder sind Weggefährten“


Rolf Zuckowski ist deutscher Musiker, Komponist, Autor und Produzent von Kinderliedern zugleich. Auch dieses Jahr ist er mit seiner zweiten Elbtour am großen Strom unterwegs. Mit 28 Kinder- und Jugendchören und insgesamt 16 Konzerten begeistert er von Podebrady elbabwärts bis Brunsbüttel. medienbewusst.de sprach mit dem beliebten Liedermacher über seine Leidenschaft und Begeisterung zur Musik, die seit nunmehr 45 Jahren anhält.

Wie kamen Sie dazu, Kinderlieder zu schreiben?

Meine Tochter Anuschka hat mich im Alter von zwei Jahren mit ihrer Singfreude auf die Spur gebracht. Sie sang so gern die traditionellen Kinderlieder. Ich hatte daran große Freude, aber auch das Gefühl, eine zeitgemäße Ergänzung der Themen wäre angebracht und es lagen so viele Themen in der Luft.

Welches Lied, dass sie komponiert und gesungen haben, ist Ihr persönlicher
Favorit und warum?

„Ich schaff das schon“ – ich hätte nie gedacht, dass Lieder so viel Mut machen und sogar Leben retten können.

Was bedeutet Ihnen das Komponieren von Liedern?

Lieder sind Weggefährten, die besten unter ihnen können lebenslange Freunde werden.

Inwiefern hat sich Ihre Musik nach so vielen Jahren Erfahrung verändert?

Nie ruckweise. Darum muss man schon genauer zuhören und offen sein für Zwischentöne. Ich habe mich in den letzten Jahren zunehmend von Standard-Songmustern entfernt, ohne die Freude an der Mitsingbarkeit aufzugeben. Meine Themen sind wie aus dem Lebenstagebuch, mit einem ganz normalen Wandel, den die Jahre mit sich bringen.

Welche Stellung haben Kinder für Sie in der heutigen Gesellschaft?

Oft zu sehr am Rande des großen Ganzen und oft zu sehr im Mittelpunkt des Kleinen und Privaten. Das „normale Maß“ ist vielfach abhanden gekommen – ich hoffe nur vorübergehend. Kinder und Enkelkinder sollten einfach dazu gehören – auch im Leben der Entscheidungsträger in der Politik und in der Wirtschaft.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß?

In wache Augen zu blicken, Anteilnahme zu spüren und wahre Freude bei der Umsetzung meiner oft sehr ambitionierten Musikprojekte zu erkennen.

Welche Herausforderungen konnten Sie in den letzten Jahren meistern?

Die Elbe als lebendiges Band im wiedervereinten Deutschland und zusammenrückenden Europa bewusster zu machen. Als Singer-Songwriter für drei Generationen aktiv und angenommen zu sein. In kleinen, intensiven Konzertformen mit guten Musikanten auch am Abend glücklich und erfüllt Musik zu machen, dann und wann sogar mit meinen erwachsenen Kindern.

Inwiefern haben Sie Ihren Kindern den richtigen Umgang mit Medien beigebracht?

Wie immer im Leben: Wir Erwachsenen sind, ob wir es wollen oder nicht, Vorbilder. Eine „Medienerziehung“ fand nur ganz sanft statt. Was der „richtige“ Umgang mit den elektronischen Medien ist, weiß nur, wer in die Zukunft blicken kann und wem ist das schon gegeben? Wir haben versucht, miteinander das rechte Maß zu finden, offen für Neues und wachsam gegenüber Suchtgefahren zu sein. Ein „Trick“: Wiederholungen unserer gemeinsamen Familien-Lieblingsfilme anstelle von immer wieder neuem Geflimmer. Unsere drei Kinder sind nun längst erwachsen, das Thema „Medienerziehung“ ist bei den Enkelkindern wieder da und angesichts der Vielzahl an Angeboten deutlich brisanter.

Nach vielen Jahrzehnten als deutscher Musiker, Komponist, Produzent und Autor von Kinderliedern haben Sie einiges erlebt. Was war eines Ihrer speziellsten bzw. schönsten Erlebnisse?

Das Dirigieren des Schweizer Beitrags mit „Peter, Sue & Marc“ beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ in Jerusalem (1979) und Dublin (1981). Das Singen mit Kindern brachte mir ein Füllhorn von Glücksminuten, die sich hier nicht schildern lassen.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesteckt?

Ein besserer Großvater zu werden, mit mehr Zeit für die Enkelkinder. Ich möchte meine Stiftung „Kinder brauchen Musik“ mit neuen Verbündeten voran bringen. Das „Elbkinderland“ (www.elbtour.de) soll mit seinen über 30 Chören und Folkloregruppen weiter gefördert und über meinen Lebenshorizont hinaus zukunftsfähig gemacht werden.

medienbewusst.de bedankt sich bei Rolf Zuckowski für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Juliane Schumacher

Bildquelle:
Portraitfoto zur Verf. gestellt v. Rolf Zuckowski