„Mediennutzung darf den Alltag nicht bestimmen“


Das sagt selbst Margret Albers, Geschäftsführerin des „Goldenen Spatz“. Dabei hat sie mit Kindermedien mehr zu tun als die meisten Kinder. Denn der „Goldene Spatz“ ist das wohl bedeutendste Kinder-Medien-Festival Europas, welches im kommenden Jahr schon sein 30. Jubiläum feiert.

Was den „Goldenen Spatz“ so besonders und erfolgreich macht? Ganz klar: Die unbestechlich-kritische Jury, bestehend aus Kindern zwischen neun und dreizehn Jahren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Denn niemand kann Kinderfilme und Kinderfernsehen besser und ehrlicher beurteilen als die Kinder selbst.
Margret Albers ist seit zwölf Jahren Geschäftsführerin und Festivalleiterin und weiß zweifellos am besten über die Film- und Fernsehlandschaft für Kinder Bescheid. medienbewusst.de sprach mit ihr über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.

Wie beurteilen Sie das tägliche Nachmittagsprogramm für Kinder?

Dadurch, dass man die drei Sender – SuperRTL, Nick und KI.KA – hat, gibt es da schon eine ganz gute Palette. Was mir noch so ein bisschen fehlt, ist etwas Innovatives, etwas Neues. Als Festivalleiterin wünsche ich mir natürlich auch einen höheren Anteil an Eigenproduktionen.

Wie viel sollten Kinder Ihrer Meinung nach fernsehen?
Das ist eine sehr, sehr schwierige Frage. Und zu sagen: Ich, Margret Albers, bin der Auffassung, dass Kinder zwischen neun und dreizehn Jahren pro Tag nicht länger als 60 Minuten fernsehen sollen – ist irgendwie pointless…
Da darf man wirklich nicht vergessen, dass man Kinder auch das zuschreiben oder billigen sollte, was Erwachsene für sich ganz verständlich in Anspruch nehmen – nämlich Mediennutzung zur Entspannung. Wichtig ist, dass Eltern wissen, wie viel Zeit ihre Kinder mit elektronischen Medien verbringen. Auch da gilt das Motto: Die Dosis macht das Gift! Die Mediennutzung darf den Alltag nicht bestimmen.

Was halten Sie von der Aussage: „Fernsehen macht dick, dumm und gewalttätig“ (Zitat: Manfred Spitzer)?
Ja, das ist völliger Blödsinn. Es ist so vereinfachend und geht an den wirklichen Problemen vorbei. Alles im Überfluss macht dick, blöd und aggressiv. Ganz egal, was man macht – der Exzess, das ist das Problem.
Die Frage ist: Was bewegt jemanden dazu, tagelang vorm Rechner oder vor der Glotze zu verbringen, anstatt sich mit Freunden zu treffen? Niemand hat etwas davon, wenn man über Medien Stellvertreterdiskussionen führt.

Wie sehen Sie den öffentlichen Diskurs über Kindermedien?
Was mich immer wieder stört an diesem Diskurs „Kinder und Medien“ ist, dass es ohne Ende Diskurse und Publikationen über all das gibt, was Kinder nicht sehen sollen, nicht spielen sollen und so weiter; aber das in der öffentlichen Debatte relativ wenig Raum für die guten Sachen, die guten Angebote bleibt.
Es ist ein Faktum, dass Kinder gern spielen, gern fernsehen und gern ins Kino gehen. Es ist unsere Pflicht als Erwachsene, denen ein entsprechendes Angebot zu machen und dieses entsprechend bekannt zu machen. Und da denke ich mal, tun wir mit unserem Festival das Möglichste und Beste, dass diese Angebote eine gute Plattform bekommen.

Worauf sollte man beim Umgang mit Kindern und Medien achten?
Offene Augen und offene Ohren sind total wichtig. Es geht nicht darum, dass einem selber das gefällt, was das Kind schaut und liest und so weiter, sondern darum, ein bisschen ein Verständnis dafür zu erlangen, was dieses Medium dem Kind gibt.
Kinder haben ja auch ein Recht auf das Eigene – auf private Mediennutzung. Gleichwohl heißt das nicht, dass man Kinder einfach der großen weiten Medienwelt überlässt. Man sollte schon wissen, was es ist. Und vielleicht einfach mal fragen: Was guckst du? Wie findest du das? Warum findest du das gut? –  Es ist so eine Mischung aus Aufmerksamkeit, Respekt und Kommunikation.

medienbewusst.de bedankt sich für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Vorbereitung für das Kinder-Medien-Festival 2009!

Jens Neubert