Musik liegt in der Luft


Die Musikkindergärten in Deutschland verfolgen ein im Vergleich zu anderen Kindergärten außergewöhnliches Konzept: Musik. Geräusche. Künste. Kinder sollen für den Umgang mit Musik, Instrumenten und Geräuschen sensibilisiert werden. Und das wird zunehmend wichtiger, denn unsere Gesellschaft ist geprägt von vielen verschiedenen Geräuschen auf der Straße oder von Musik, die uns in den Kaufhäusern beschallt. Das animiert nicht nur uns Erwachsene sondern auch Kinder zum Weghören.

Die Arbeit und Erziehung mit Musik hat viele Vorteile. Der Rhythmus, der beispielsweise durch Trommelspiele verinnerlicht wird, schult die Motorik der Kinder. Das Hören von Musik und Geräuschen fördert die Sprachentwicklung. Außerdem bietet der gedankliche rote Faden in der Musik Halt und Orientierung im kindlichen Alltag. So geschieht es auch im KISUM-Musikkindergarten in Niedergrunstedt bei Weimar, Thüringen. Hier arbeiten Musikpädagogen und Erzieher Hand in Hand, um den individuellen Bedürfnissen der 42 Kinder gerecht zu werden.

Ein gemeinschaftlicher, musikalisch gestalteter Morgenkreis bietet den Kindern einen klangvollen Einstieg in den Tag. Für die individuelle Arbeit mit Musik werden die Kinder in entsprechende Bildungsgruppen aufgeteilt, wobei nicht mehr als zehn Kinder in einer Gruppe sind. Der Tag bleibt dennoch für alle musikalisch, ob beim gemeinsamen Mittagessen, kurz vor dem Schlafengehen oder auch am Nachmittag, wenn einige Kinder die Möglichkeit nutzen, Instrumente zu erlernen.

Der Alltag wird allerdings nicht nur von den Musikpädagogen und Erziehern bestimmt. Viele Musikkindergärten kooperieren mit Theater- und Opernhäusern. Das Deutsche Nationaltheater Weimar und die Hochschule für Musik Franz Liszt stehen im Austausch mit dem KISUM-Musikkindergarten. Dieser Austausch gestaltet sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Die Musiker des Deutschen Nationaltheaters kommen in den Kindergarten, um den Kindern etwas über ein Musikstück zu erklären oder ihr Instrument vorzustellen. „Das wird meistens in Vorbereitung oder Nachbereitung eines Konzertbesuches organisiert“, erklärt Kitty Schmidt, Musikpädagogin des Musikkindergartens. So manches Mal ist es den Kindern sogar gestattet, schon während der Probe im Orchester zu sitzen und zu beobachten.

Auf einer anderen Ebene funktioniert die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Franz Liszt. Hier steht die pädagogische Zusammenarbeit im Vordergrund. Einige Studierende der Elementaren Musikpädagogik absolvieren im Musikkindergarten ihr Praktikum. Zudem bereiten die Studenten einmal im Semester ein Kinderkonzert vor, an dem die Kinder selbst teilnehmen können. Bei so einem musikalischen Programm liegt die Frage nahe, ob die Kinder nicht irgendwann einmal sagen: „Mir reicht’s. Ich habe keine Lust mehr, Musik zu machen!“. Die seit sechs Jahren im Musikkindergarten arbeitende Kitty Schmidt verneint dies jedoch und verweist auf das abwechslungsreiche Programm.

Da die Musik in jenen Kindergärten eine Sonderrolle einnimmt, wird dort davon ausgegangen, dass jedes Kind musikalisch sei, da es in der Lage ist, sich durch Klang und Bewegung auszudrücken. Diese Gabe bedarf jedoch einer Förderung, damit Musikalität geweckt und entwickelt werden kann. Eltern, die ihr Kind in einen Musikkindergarten unterbringen wollen, sollten die üblichen Kriterien der Kindergartenwahl nicht außer Acht lassen. Ein Kind muss sich geborgen und sicher fühlen. Ein gutes Zeichen ist, „wenn die Eltern das Gefühl haben, dass auch sie sich in dem Kindergarten, in den sie ihr Kind geben, wohlfühlen, das Gefühl haben, aufgenommen zu werden und wenn das Kind einen Alltag lebt, der ihren Vorstellungen nahekommt“, so Kitty Schmidt.

Wenn dies alles auf einen Musikkindergarten zutrifft, dann ist dieser für ein Kind eine wunderbare Chance, sich zu entwickeln, seine Vorlieben in der Musik zu erkennen und zu testen. Denn wie Sokrates schon sagte: „Erziehung durch Musik sei darum die vorzüglichste, weil Rhythmus und Harmonie am tiefsten in das Innere der Seele dringen, ihr Anmut und Anstand verleihen“.

Sophia Werner

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