Rechtsextremismus in Sozialen Netzwerken


Die aktuellen Geschehnisse in Oslo schockierten vor einigen Tagen die ganze Welt. Ein Amoklauf mit rechtsextremen Motiven soll dahinter stecken. Rechtsextremismus – Ein Thema, welches mittlerweile leider auch in die Welt der Sozialen Netzwerke Einzug gefunden hat und somit viele Fragen aufwirft. Denn wie soll man damit umgehen und was kann man dagegen tun, wenn das eigene Kind in diese Kreise gerät?

Schaut man sich in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Video-Communities wie YouTube um, so sind Seiten mit rechtsextremistischen Hintergründen nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Mit harmlosen und sympathisch wirkenden Namen, wie „Wir hassen Kinderschänder“, verstecken sich Rechtsradikale hinter Gruppen, bei denen viele Ahnungslose zustimmend den „gefällt mir“-Button klicken. So kann von Seiten Rechtsextremer, durch die Nutzung einer modernen Erlebniswelt, der erste Kontakt zu Außenstehenden, vor allem zu Jugendlichen, hergestellt werden.

Die Initiative jugendschutz.net ist eine 1997 entstandene Organisation, die jugendschutzrelevante Angebote im Internet überprüft und auf die Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen drängt. In einer aktuellen Studie über Online-Rechtsextremismus von jugendschutz.net sind eindeutige Tendenzen hinsichtlich eines verstärkten Auftretens Rechtsextremer in Sozialen Netzwerken erkennbar.

So zeigt die Untersuchung zwar, dass die Zahlen der eigenständigen rechtsextremen Websites etwas zurückgegangen sind. Neonazigruppen verstärkten ihre Präsenz 2010 jedoch um 20% zum Vorjahr – insbesondere in sozialen Netzwerken. So dokumentierte jugendschutz.net auf etwa 6.000 Profilen, Videos und Userkommentaren drei Mal so viele Beiträge wie im Vorjahr.

Um sich diesem Problem zu stellen und Betroffenen zu helfen, hat der Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ 2008 mit dem Internetangebot „Online-Beratung gegen Rechtsextremismus“ eine Plattform für Hilfesuchende eingerichtet. Hier können sich sowohl Betroffene, als auch Angehörige anonym online beraten lassen. „Onlineberatungen sind in der psychosozialen Beratungslandschaft üblich und auch wissenschaftlich überprüft.“, sagt Martin Ziegenhagen, der Verantwortliche für „Online-Beratung-gegen-Rechtsextremismus“. „Diese Art der Beratung funktioniert besonders für den Teil der Menschen, der sich sonst nicht beraten lässt – bei Rechtsextremismus ganz besonders.“

Um den Betroffenen zu helfen, steht ein Team von speziell ausgebildeten Beratern und einer promovierten Psychologin bereit. „Bei der Bearbeitung von Fällen, in denen ein Kind mit Rechtsextremismus in Kontakt gekommen ist, gibt es kein Patentrezept. Primär geht es darum die Eltern zu unterstützen und ihnen im Umgang mit ihren Kindern zu helfen. Die Eltern müssen zu Beginn erst einmal ihr eigenes Verhalten reflektieren und ändern, dann ändert sich auch etwas bei den Kindern. In erster Linie geht es darum wie die Eltern mit der Situation und ihrem Kind umgehen, erst der zweite Schritt zielt dann darauf ab, die Kinder aus der rechtsextremen Szene zu holen.“, so Martin Ziegenhagen.

Auch er sieht die Gefahr der Ausbreitung von Neonazis in sozialen Netzwerken und weiß, dass die Rechtsradikalen dort die geeignete Plattform für Mobilisierung und Rekrutierung von Anhängern gefunden haben. Umso wichtiger scheint eine Einrichtung wie die Online-Beratung zu sein.
Wer auf ein unzulässiges Angebot im Internet stößt, kann unter www.hass-im-netz.info eine Beschwerde einreichen und somit selbst dazu beitragen, die Internetwelt ein bisschen sicherer zu machen und ein Zeichen für Toleranz setzen.

Saskia Schmidt

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© daniel_iversen – flickr.com