Zum Inhalt springen
medienbewusst.de - kinder. medien. kompetenz.
Ist gerade etwas passiert? Zur Soforthilfe

Social Media - Chance oder Gefahr? Was heute dafür und dagegen spricht

Ein Elternteil und ein Kind sitzen zusammen auf dem Bett und schauen gemeinsam auf ein Smartphone.
Gemeinsam das Profil einrichten wirkt mehr als ein Verbot.

Social Media bringt Kindern echte Chancen wie Kontakt und Austausch - und reale Risiken wie Cybermobbing oder Datenverlust. Was Eltern dazu wissen sollten.

Social Media ist für Kinder und Jugendliche beides zugleich: eine Chance, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, sich auszuprobieren und Informationen zu teilen - und ein Risiko, wenn Privatsphäre, Zeit oder der Umgang mit Fremden aus dem Blick geraten. Entscheidend ist nicht das Verbot, sondern die Begleitung: gemeinsam einrichten, regelmäßig nachfragen und wissen, wohin man sich bei Problemen wenden kann.

Chancen und Risiken auf einen Blick

ChancenRisiken
Kontakt halten und ZugehörigkeitCybermobbing und Ausgrenzung
Die eigene Identität ausprobierenVerlust der Privatsphäre
Informationen und AustauschKontakt zu Fremden, versteckte Kosten
Weltweit Kontakte knüpfenAblenkung, viel Zeit am Bildschirm

Der Elternabend in Jena im November 2012

Viele Eltern haben Angst vor den Gefahren des Internets und wissen oft nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Im November fand in Jena ein Informationstag für Eltern und Lehrer statt, den die Initiative MEiFA in Zusammenarbeit mit dem Jenaer Jugendamt und des NetPaed Teams Jena veranstaltet hat. medienbewusst.de war für Sie mit vor Ort dabei.

Der Abend begann um 19 Uhr in der Aula der Adolf-Reichwein Gesamtschule - ein passender Ort, um sich mit einem Thema der Jugend auseinanderzusetzen. Wo sich tagsüber zahlreiche Schülerinnen und Schüler aufgehalten hatten, saßen nun etwa 80 Eltern und Lehrer, um sich über ein wichtiges neuzeitliches Thema zu informieren: Das Web 2.0 für Kinder und Jugendliche.

Studien zum Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen werden jährlich vom MPFS durchgeführt und auf www.mpfs.de veröffentlicht. Noch im Jahr 2010 war laut Hensel Fernsehen das wichtigste Medium für Kinder und Jugendliche. Der Trend habe sich aber dahin entwickelt, dass Musik, Handy und Internet an die erste Stelle rücken.

Internet-Medien sind demnach Teil des Alltags und man kann sie sich nicht mehr wegdenken. Kindern und Jugendlichen helfen sie sogar wichtige psychologische Entwicklungsaufgaben zu meistern, wie z.B. das Aufbauen eines Freundeskreises oder das allmähliche Lösen vom Elternhaus. Außerdem reflektieren die Jungen und Mädchen sich einmal selbst beim Erstellen und Pflegen eines Online-Profils. Sie stellen sich Fragen, wie: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Was mag ich?

Soziale Netzwerke dienen ihnen auch als Informationsquelle und Austauschforum. Hier können Interessen und Probleme geteilt werden. Sie können Organisationshilfe sein, so dass zum Beispiel Gruppen miteinander sprechen und sich gemeinsam verabreden können. Zudem besteht die Möglichkeit weltweit Kontakte zu knüpfen. Daneben gibt es viele weitere Funktionen, wie Unterhaltung, Selbstdarstellung oder Entspannung. Die wichtigste Funktion ist und bleibt aber die Kommunikation.

Soziale Netzwerke sind häufig ein großer Streitpunkt in Familien. „Stärken statt bewahren“ lautet ein Tipp, der den Eltern mit auf den Weg gegeben werden kann. Denn verbieten lassen sich die Anwendungen und Webseiten des Web 2.0 in unserer medialen Welt nur schwer und sind die Kinder dann auf sich allein gestellt, können weitaus größere Probleme folgen.

Neben den genannten Vorteilen birgt das Internet nämlich auch einige Gefahren. So wie man früher sein Poesie-Album oder Freundschaftsbuch mit Freunden ausgetauscht hat, so zeigt man heute sein Facebook-Profil der ganzen Weltöffentlichkeit. Genau dieser Punkt ist vielen Kindern häufig nicht bewusst, und dass es Privatsphäre-Einstellungen gibt, wissen einige gar nicht. Das Internet enthält in seiner großen Fülle auch jugendgefährdende Inhalte, vor denen sich die junge Generation schlecht schützen kann.

Eine Mutter sagte, sie sei sehr dankbar, dass ihr Mädchen, obwohl es auf dem Dorf wohne, jederzeit mit ihren Freunden in Kontakt sein könne. Eine andere meinte, sie käme gar nicht mehr an ihren Jungen heran, weil dieser nur vor dem Bildschirm säße.

Ein sehr großer Gewinn des Treffens entstand sicher auch durch den gemeinsamen Austausch der Mütter und Väter, die sich den gleichen Herausforderungen zu stellen hatten. Denn eins hatten alle Anwesenden gemeinsam: Die Fürsorge und Betreuung der Kinder beim Aufwachsen in der Medienwelt.

Was heute gilt

Vom „Web 2.0“ ist heute kaum noch die Rede - der gängige Begriff ist Social Media. Auch die Plattform aus dem Bericht hat an Bedeutung verloren: Laut der KIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest nutzen nur noch 17 Prozent der 6- bis 13-jährigen Internetnutzerinnen und -nutzer regelmäßig Facebook, 25 Prozent Instagram und 21 Prozent Snapchat. Welche Einstellungen für welchen Dienst sinnvoll sind, zeigt diese Übersicht.

Die Risiken aus dem Bericht sind ebenso belegt: Laut JIM-Studie 2025 waren 64 Prozent der 12- bis 19-Jährigen im vergangenen Monat von Beleidigungen im Internet betroffen, 2024 waren es 57 Prozent. Wie man meldet oder blockiert, erklärt die Seite Social-Media-Begriffe.

Für die Nutzungsdauer gibt die Leitlinie der Fachgesellschaften (Stand 2023) eine pädagogische Orientierung: 12- bis 16-Jährigen nur beschränkten Internetzugang und höchstens 1 bis 2 Stunden freizeitliche Bildschirmnutzung am Tag, bis spätestens 21 Uhr. Das ist eine pädagogische Empfehlung, keine gesetzliche Vorgabe - zum offiziellen Mindestalter der einzelnen Dienste gibt diese Übersicht Auskunft.

Was Sie als Eltern tun können

  1. Gemeinsam einrichten

    Richten Sie das Profil zusammen mit Ihrem Kind ein und stellen Sie es von Anfang an auf privat.

  2. Melde- und Blockierfunktion zeigen

    Zeigen Sie, wie man unerwünschte Kontakte blockiert und Inhalte meldet, bevor es nötig wird.

  3. Regelmäßig nachfragen

    Fragen Sie in ruhigen Momenten nach guten und unangenehmen Erlebnissen - nicht erst, wenn etwas vorgefallen ist.

  4. Zeiten absprechen

    Legen Sie gemeinsam feste Zeiten fest, statt die Nutzung grundsätzlich zu verbieten.

  5. Hilfe kennen

    Besprechen Sie, an wen sich Ihr Kind wenden kann, wenn online etwas passiert - auch außerhalb der Familie.

Checkliste: Chancen nutzen, Risiken begrenzen

Checkliste: Chancen nutzen, Risiken begrenzen

Fünf Punkte, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Profil gemeinsam auf privat gestelltSo sehen nur bekannte Kontakte, was das Kind teilt.
  • Melde- und Blockierfunktion bekanntIhr Kind weiß, wie es unerwünschte Kontakte stoppt.
  • Nutzungszeit abgesprochenEine feste Zeit statt eines pauschalen Verbots.
  • Regelmäßig über Erlebnisse gesprochenAuch über unangenehme Momente, nicht nur über Erfolge.
  • Hilfsangebote bekanntKinder- und Jugendtelefon sowie Elterntelefon kennt die ganze Familie.

Häufige Fragen

Ist Social Media für Kinder eher Chance oder Risiko?

Beides: echte Chancen wie Kontakt, Austausch und Identitätsentwicklung stehen realen Risiken wie Cybermobbing oder Datenverlust gegenüber. Entscheidend ist die Begleitung durch die Eltern, nicht ein Verbot.

Welche Gefahren hat Social Media für Kinder?

Vor allem Verlust der Privatsphäre, Kontakt zu Fremden, versteckte Kosten in Spielen und Gewinnspielen sowie Cybermobbing. Laut JIM-Studie 2025 waren 64 Prozent der 12- bis 19-Jährigen im letzten Monat von Beleidigungen im Internet betroffen.

Welche Chancen bietet Social Media Kindern und Jugendlichen?

Kontakt zu Freunden halten, sich selbst ausprobieren, Informationen austauschen und sich organisieren - für viele Jugendliche ein wichtiger Teil des Alltags.

Ab welchem Alter dürfen Kinder Social Media nutzen?

Das offizielle Mindestalter unterscheidet sich je Dienst und steht in den AGB der Anbieter. Eine Übersicht nach Plattform gibt diese Seite.

Wie Sie einen Klassenchat sinnvoll begleiten, zeigt Klassenchat: Regeln, die funktionieren. Einen Überblick über die wichtigsten Plattformen gibt die Themenseite Social Media & Kommunikation, und was Begriffe wie Story, Follower oder Blockieren bedeuten, erklärt Social-Media-Begriffe.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Quellen

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Belege
5 Quellen, unten vollständig aufgeführt
Wiedervorlage
04.10.2028

Wir prüfen Angaben gegen die Stelle, die zuständig ist - Gesetzestext, Behörde, Anbieter oder Studie - und nennen sie. Veraltet eine Angabe, gilt das Datum oben als Hinweis darauf, wie alt sie ist. Wie wir arbeiten